Rumpsteak und 53 verkaufte Bücher
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 12. Februar 2004 18:00 Uhr
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Diese Frage kam gestern beim Abendessen auf. Ich bin derzeit in Madrid, und da aß ich gestern im "El Ampare", einem wunderbaren Restaurant. Während ich ein köstliches Rumpsteak aß, das ich mit einem teuren Rioja runterspülte, wandte sich das Gespräch der Politik zu.
Meine Gesprächspartner waren Spanier und Argentinier ... aber die amerikanische Politik ist fast überall ein unwiderstehliches Gesprächsthema.
Jeder interessierte sich dafür, wie die zwei großen Parteien in den USA die Rollen gewechselt haben. Der Hoffnungsträger der Demokraten, John Kerry, wartet als Kriegsheld auf ... mit Narben, die das beweisen. Wo was George W. Bush, als auf ihren Held geschossen wurde, wollen die Unterstützer von Kerry wissen?
Ich werde auf dieses Gespräch gleich zurückkommen, aber zunächst ... schaue ich mir die Welt des Geldes an. Vor einer Woche ist mein Buch in Paris auf den Markt gekommen. Nun, laut dem Herausgeber wurden bis jetzt 53 Exemplare verkauft. In Amerika war mein Buch wirklich ein Hit – es schaffte es auf die Bestseller Liste (Wirtschaftsbücher) der New York Times. Das überrascht mich; ich dachte nicht, dass so viele Amerikaner etwas über den Ruin ihrer eigenen Wirtschaft lesen wollen würden.
Im Gegensatz dazu hatte ich mir vorgesellt, dass die Käufer Schlange stehen würden, um sich am Absinken Amerikas ergötzen zu können. Bis jetzt war das nicht der Fall; die Rezensenten schreiben, dass ich weit daneben liegen müsse. "Jeder weiß, dass sich die USA in einer starken Erholung befinden", sagen sie.
Ich hingegen betone: Diese Erholung ist ein Betrug! Aber bis jetzt scheinen auch die französischen Medien – wie ihre amerikanischen Gegenstücke – diese Gefahren nicht zu sehen.
Sie sagen, dass es eine merkwürdige US-Wirtschaftserholung sein mag, aber sie sei immer noch gut genug.
Das Problem mit dieser Erholung ist, dass sie vorher nicht genug Probleme hatte, von denen sie sich jetzt erholen könnte. Und jetzt, wo keine zurückgestellten Konsumbedürfnisse befriedigt werden können (weil sie nie zurückgestellt wurden!), geht ihr die Luft aus. Ohne vorherigen ausreichenden Rückgang sollten die Aktienkurse keine Luft mehr nach oben haben. Ohne einen dichten Nebel über der Wall Street ... hat die Sonne nichts, durch das sie hindurch brechen könnte.
Die Unternehmensgewinne steigen, sagen diejenigen, die positiv denken. Aber sie steigen aus denselben falschen Gründen, aus denen die Erholung ein Betrug ist. Die Amerikaner finden keine neuen und besser bezahlten Jobs. Stattdessen finden sie neue und teurere Häuser. Sie überladen sich mit Hypotheken, sie kaufen immer mehr Waren aus Übersee – auf Kredit, natürlich. Die amerikanischen Unternehmen stellen nicht mehr Leute ein – denn sie produzieren nicht wirklich mehr. Sowohl das Einstellen von neuen Arbeitern ... als auch die Kosten dafür ... fallen außerhalb der US-Volkswirtschaft an. Die amerikanischen Unternehmen haben den temporären Vorteil eines neuen Ausgabenbooms, der durch Kredite hervorgerufen wurde, während sie gleichzeitig keine steigenden Lohnkosten haben. Deshalb steigen die Unternehmensgewinne derzeit, besonders die Gewinne, die durch die Finanzierung all dieser Konsumausgaben entstehen.
Aber wie werden die Leute reich, liebe(r) Leser(in)? Nicht dadurch, dass sie die Hypotheken auf ihre Häuser erhöhen, um die Dinge zu kaufen, die sie haben wollen. Nein, sie werden reich, indem sie Dinge herstellen, die andere Leute kaufen wollen. Die alten Tugenden ... Sparsamkeit, Disziplin, Nachsicht – das braucht man. Jetzt wie immer.
Ein Leser aus London hat mir letztens den moralistischen Ton meines Buches vorgeworfen (mein Buch wird übrigens demnächst auch in Deutschland erscheinen). Moderne Ökonomen hassen die Idee, dass sie sich aus einer Krise nicht herauspfuschen können. Natürlich könnten sie heute die Lage verbessern. Aber nur dadurch, dass sie den Schaden, den sie gestern angerichtet haben, wieder rückgängig machen würden.
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