Ruhiger Jaresauftakt - wirklich?
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily
vom 9. Januar 2012, 17:00 Uhr
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Wer von Ihnen in den vergangenen Tagen und über den Jahreswechsel die Nachrichten und das übertriebene Mediengetöse um unseren Bundespräsidenten verfolgt hat, der muss davon überzeugt sein, dass wir einen sehr ruhigen oder sogar guten Jahresanfang erlebt haben. Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, und obwohl die Sache natürlich ein Geschmäckle hat, aber ich finde den Medienrummel allmählich mehr als übertrieben und denke, dass hier aus einer Mücke ein Elefant gemacht wird. Vor allem, da es in Deutschland wichtigere Probleme gibt auf die unsere Politiker ihr Augenmerk richten sollten. Eigentlich müssten doch alle Beteiligten, also Politiker, Journalisten und die Medienkonsumenten begriffen haben, dass da wo gehobelt wird auch Späne fallen. Und das es vor allem um Eines geht: die Steigerung der Auflage einer Zeitung und das Interesse von Medienmanagern, das Thema noch eine Weile am Köcheln zu halten.
Aber worauf ich eigentlich hinaus will, ist ein anderer Punkt. Jedes Mal wenn ich die Nachrichten anschalte, und der Aufmacher die aufgeplusterte Erstattung über die Kredit und Medienaffäre des Bundespräsidenten ist, dann kann ich mich entspannen, da in der Welt nichts wichtiges passiert sein kann. Auch keine Neuigkeiten von der Euro- und Schuldenkrise und kein Gipfeltreffen, um unsere Währung zu retten. Noch nicht einmal die lausige Herabstufung eines europäischen Landes oder einer Großbank hat sich wahrscheinlich ereignet. Dieses Ausbleiben von schlechten Nachrichten auf der einen Seite, während auf der anderen Seite sich sogar ganz langsam einige konjunkturelle Daten verbessern, ist der Grund dafür, warum sich die Indizes stabilisieren. Immer deutlicher wurde in den vergangenen Tagen und Wochen die charttechnische Verbesserung und die Ausbildung von Bodenbildungsformationen in international bedeutenden Indizes.
Strategiewechsel der USA
Obwohl ich oben schrieb, dass sich in den vergangenen Tagen nicht viel ereignet haben könne, ist meiner Meinung nach ein sehr wichtiger Strategiewechsel der USA vollzogen worden, der unsere vollste Aufmerksamkeit verdient hätte, aber fast komplett unter dem Nachrichten-Radar hindurchgeflogen ist. Ich spreche von der neuen Verteidigungsstrategie der USA und deren massiven Kürzungen im Militärhaushalt. In den kommenden zehn Jahren sollen immerhin 450 Milliarden Dollar weniger in den Militärhaushalt fließen, was den größten Einsparungen seit dem zweiten Weltkrieg entspricht. Man muss kein Hellseher sein um zu erkennen, dass die neue Militärdoktrin nicht nur die Politik, sondern auch die Börsen beeinflussen und so manchen Investor ins Grübeln bringen wird.
Der Grund für die neue Strategie ist natürlich nicht eine friedlichere Welt oder der heimliche Wunsch der USA, fortan alle imperialen Bestrebungen aufzugeben und keine Aufträge als Welt-Polizist mehr auszuführen. Vielmehr muss der US-Administration klargeworden sein, dass das Ende des Irak-Krieges die Chance beinhaltet, den eigenen Staat vor der Pleite zu retten. Die Kriegskosten gingen in die Billionenhöhe und dieses Geld fehlt heute in den USA im öffentlichen Leben an allen Ecken und Enden. Nun muss im militärischen Sektor eisern gespart werden, wovor sich viele Investoren fürchten, vergibt doch das Pentagon milliardenschwere Aufgaben, die den verschiedensten Sektoren zu Gute kommen. Kurzfristig ist staatliches Sparen bestimmt für keine Volkswirtschaft förderlich. Aber langfristig tendiere ich eher zu der Ansicht, dass es sinnvollere und volkswirtschaftlich produktivere staatliche Ausgaben als militärische gibt. Denken Sie doch einmal nur an die langfristige Wirkung von geschickten Investitionen in die Sektoren Bildung- und Gesundheit.
Übrigens bin ich auch der Meinung, dass durch die militärischen Einsparungen weder das internationale Sicherheitsgefüge auseinanderbricht, noch die Wirtschaft längerfristige Nachteile verschmerzen muss. Vielmehr denke ich, dass dies eine Chance ist, den US-Haushalt wieder zu stabilisieren, was sogar weltweite Impulse geben könnte.