Rückgang bei US-Einzelhandelsumsätzen keineswegs überraschend
unserem Korrespondenten Eric Fry in New York City in Investors Daily
vom 16. Mai 2003 18:00 Uhr
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Die rapide fallenden Renditen am US-Anleihenmarkt führen zu einer Menge Gerede über eine Deflation. Plötzlich ist die Angst vor einer Deflation an der Wall Street ... dieses neue, heiße monetäre Phänomen ist Gesprächsthema Nummer 1 geworden. Jeder denkt, dass wir uns darüber Sorgen machen sollten. Und auch Alan Greenspan sagt ja, dass er sich darüber Sorgen mache.
Diese Gespräche wurden durch die News, dass die US-Importpreise im April um 2,7 % gefallen waren, angeheizt. Zwar ist der größte Teil davon dem Rückgang der Petroleumpreise (–16,2 %) zu verdanken, aber auch die anderen Rohstoffpreise fielen um 0,9 %. Die meisten anderen Importpreise fielen ebenso oder stagnierten. Mit anderen Worten: Diese Daten sahen sehr deflationär aus. Aber ich bezweifle, dass diese Deflation-Manie lange anhalten wird. Der 20 %ige Rückgang des Dollar gegenüber dem Euro sollte sich bald in steigenden Importpreisen auswirken.
Vielleicht liegt es am Meer, aber hier in New York gibt es noch ein paar Leute, die wie ich denken und eher mit einer Inflation als mit einer Deflation rechnen. "Was stimmt mit uns allen nicht?" fragte sich letztens James Grant in einer Kolumne des Forbes Magazins. "Die Anleihenrenditen sind auf 50-Jahres-Tiefs ... und in den USA steht der Konsumentenpreisindex 3 % über dem Wert des Vorjahres, es gibt also keine Deflation. Es gibt einige deflationäre Symptome, und die Fed macht sich Sorgen über eine reale Deflation ..."
"Monatelang haben Alan Greenspan und seine Mannschaft verspochen, eine Deflation zu bekämpfen, bevor sie überhaupt aufgetreten ist. Sie haben den Dollar – ihren Dollar und unseren Dollar – als ein Stück Papier ohne intrinsischen Wert bezeichnen, den man zu 'praktisch keinen Kosten' produzieren könne. Sie haben versprochen, dass sie – wenn es sein muss – neben den Leitzinsen auch die Renditen der längerlaufenden Anleihen nach unten drücken werden ... Was würde das in der Praxis bedeuten? Wenn die Fed die Rendite der 10jährigen Anleihen auf, sagen wir einmal, 2,5 % begrenzen wollte, dann müsste sie einfach alle Anleihen aufkaufen, die über dieser Marke rentieren würden. Die Fed ist natürlich kein normaler Käufer. Sie druckt die Dollar, die sie ausgibt, einfach selbst."
Obwohl die MEISTEN wirtschaftlichen News dieser Tage "weniger schlecht" sind, sind einige einfach "noch schlechter". Ein voraussehbares Ergebnis der schwachen Lage am Arbeitsmarkt war, dass die Konsumenten nicht mehr so fleißig konsumieren würden (ich habe dieses Phänomen ein oder zweimal erwähnt).
Die US-Einzelhandelsumsätze fielen im April "überraschend" um 0,1 % auf 309,5 Mrd. Dollar (Quelle: Commerce Department). Ohne Autos betrug der Rückgang 0,9 %, der größte Rückgang seit September 2001. Die Umsätze mit Kleidung und Kleidungszubehör waren mit einem Minus von 3,2 % besonders schwach.
Was passiert, wenn die US-Konsumenten, die sich übernommen haben, ihren Konsum zurückschrauben werden? Die Automobilindustrie liefert die Antwort. Im April musste General Motors die Kaufanreize (in Form von 0 %-Finanzierungen, Rabatten etc.) um 16,7 % auf satte 3.402 Dollar pro Wagen erhöhen.
"Die Rabatte auf neue Autos und Trucks sind letzten Monat auf Rekordniveaus gestiegen", so das Lansing State Journal. "Trotz heftiger Kaufanreize sind die Umsätze von Ford, GM und Chrysler im April gegenüber dem Vormonat gesunken. Fast jeder Autobauer hatte lezten Monat irgendeine Form des Kaufanreizes, wodurch der durchschnittliche Kaufanreiz auf 2.508 Dollar gestiegen ist, nach 2.207 Dollar im März ... bei den großen Drei (Ford, GM, Chrysler) betrug dieser Wert 3.310 Dollar, ein Anstieg von 13,8 %."
Leider sind die Autobauer dann an diese Kaufanreizprogramme gebunden. Wenn man sie wieder einstellen will, könnte das schwierig werden. Kunden zum Kauf zu veranlassen, ist laut dem Vorstandsvorsitzenden von General Motors, Rick Wagoner, "teurer geworden, und es erfordert mehr Kreativität."
Gleichzeitig wird der Bestand an unverkauften Autos und Trucks immer größer. Der Miami Herald berichtet: "Die US-Autobauer sitzen auf einem Überschuss an unverkauften Autos und Trucks, der so groß wie noch nie in der US-Automobilgeschichte zu sein scheint. Rund 3,93 Mill. unverkaufter Autos stehen bei den Händlern oder befinden sich gerade auf dem Weg von den Fabriken, wo sie hergestellt wurden. Das sind 630.000 mehr unverkaufter Wagen als vor einem Jahr. Seit März befinden sich die Bestände auf Allzeithoch."
Die himmelhohen Lagerbestände bedeuten wahrscheinlich drastische Produktionskürzungen und Arbeitsplatzverluste ... kann man das einen "Teufelskreis" nennen?