RTX:Politik verhindert nachhaltige Erholung
Andreas Wolf in DAX Daily
vom 9. Januar 2009, 08:00 Uhr
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Liebe DaxDaily Leser,
der russische Aktienmarkt gehörte noch vor einem dreiviertel Jahr zu den sogenannten begehrten BRIC- Schwellenmärkten (BRIC= Brasilien, Russland, Indien und China) bei institutionellen Investoren. Der Einbruch der Rohstoffpreise infolge der sich abzeichnenden weltwirtschaftlichen Krise versetzte bekanntermaßen allen Aktienmärkten dieser Länder einen gehörigen Schlag. Für die russischen Anleger kam es dann mit dem Konflikt mit Georgien noch härter. Ausländische Investoren straften die unnötige kriegerische Aktion Russlands mit dem Entzug weiterer Anlagegelder ab. Als Ersatz für die fehlenden Auslandsinvestitionen versuchte Russlands Regierung mit zahlreichen protektionistischen Maßnahmen zumindest das Vertrauen der inländischen Investoren zurück zu gewinnen. Dazu gehörte neben der massiven Stützung des heimischen Bankensystems, die überreichliche Versorgung der großen Industriebetriebe mit Liquidität, die Erhöhung der Leitzinsen zu Stärkung des fallenden Rubels und die Erhebung von Strafzöllen auf ausländische Fahrzeugfabrikate. All dieser Maßnahmen haben dem Aktienmarkt aber nicht wirklich neues Leben einhauchen können, denn die Hausse der Jahre 2005 bis 2008 war fast ausschließlich auf ausländische Kapitalgeber zurückzuführen.
Neben der Tatsache, dass diese mit genügend Schwierigkeiten auf ihren eigenen Heimatmärkten zu kämpfen haben und deshalb nicht schnell wieder investieren werden, konnte die russische Regierung bisher aber auch noch kein schlüssiges Konzept zur Verringerung der Abhängigkeit des Landes von der Ölindustrie unterbreiten. Solange aber keine nachhaltige Erholung des Ölpreises einsetzt, erscheint eine Erholung des russischen Aktienmarktes wegen der geringen Diversifizierung der Wirtschaft auch nicht erfolgversprechend zu sein. Andererseits erscheinen russische Aktien aus bewertungstechnischen Gesichtspunkten alles andere als teuer zu sein. Viele russische Standardwerte sind mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von unter 10 deutlich niedriger bewertet als vergleichbare Unternehmen aus dem Westen. Die nähere Zukunft wird zeigen, wie wichtig dem Kreml ausländische Investoren wirklich sind. Setzt sich der Trend zu mehr staatlichem Einfluss bei Großunternehmen wie Gazprom oder Lukoil fort, werden externe Investoren nur begrenzt gewillt sein zu investieren. Hält sich die Regierung aber wieder verstärkt an ihre eignen Gesetze und beachtet die Rechte der ausländischen Kapitaleigner, könnte es in absehbarer Zeit zu einem Rückfluss von internationalem Kapital kommen. Eine Grundvoraussetzung bleibt aber die Erholung der Weltwirtschaft und ein Ende der Finanzkrise
Seit dem vorläufigen Tiefpunkt der jüngsten Abwärtsbewegung bei knapp 820 Punkten hat sich nur eine moderate Erholung beim RTX eingestellt. Mit Kursen von knapp über 1.000 Punkten gewann der Index zwar immerhin etwas mehr als 20 Prozent, gemessen an dem langen Erholungszyklus den der MACD-Indikator vollzogen hat, erscheint dieser Anstieg aber als zu gering. Bedenklich ist zudem, dass der Indikator bisher nicht die Kraft aufgebracht hat, die 0-Achse nach oben zu überwinden, sondern eher Gefahr läuft im negativen Bereich wieder ein neues Verkaufssignal zu generieren. Als weiterer Negativpunkt ist der Rückfall unter die 38-Tage-Linie zu werten. Unterschreitet der Index den flachen Aufwärtstrend bei 980 Punkten in den nächsten Tagen, dürfte ein erneuter Test des Oktobertiefs bei 820 Punkten anstehen. Können die Bullen diese Unterstützungszone nicht verteidigen, muss zunächst mit einem weiteren Rückgang bis 727 Punkten gerechnet werden. Kann auch dieses Niveau nicht gehalten werden, wären weitere Verluste bis 525 Punkte einzukalkulieren. Auf der Oberseite muss der RTX den Widerstandsbereich um 1.165 Punkte durchbrechen, damit eine stärkere Erholung mit Anschlusskäufen bis 1.335 Punkten einsetzt. Nach aktueller Lage der Dinge dürfte es aber zunächst eher zu einer Ausweitung der Konsolidierung kommen.
