RTX: Investoren stehen Gewehr bei Fuss
Andreas Wolf in DAX Daily
vom 29. Oktober 2008, 08:00 Uhr
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Liebe DaxDaily Leser,
bis vor wenigen Monaten gingen Anleger am russischen Aktienmarkt von einer moderaten Aufwärtsentwicklung des RTX mit einigen kleinen Rückschlägen aus. Die immer neuen Kursrekorde des Ölpreises trieben auch die im Index starke vertretenen Öl- und Gaswerte auf ständig neue Höchststände. Die Ausbreitung der Finanzkrise auf die Realwirtschaft und somit auf fast alle konjunktursensiblen Werte traf die Investoren deshalb in ihrer Wucht völlig unvorbereitet. Im Ergebnis führte die zu den größten Kursverlusten im RTX-Index seit dem historischen „Rubel"-Crash im Jahre 1998. Allein Mitte September mußten die beiden größten Geldinstitute des Landes, Sberbank und VTB, Abschläge von bis zu 30 Prozent hinnehmen. Die zeitweilige Schließung der russischen Börse erbrachte nur eine zwischenzeitliche Beruhigung. Mittlerweile notiert der RTX-Index wieder auf dem Niveau des Jahres 2004.
Um die dramatische Talfahrt aufzuhalten hat das russische Finanzministerium 49 Milliarden Euro zur Stützung von 28 Banken ausgegeben. Darüberhinaus wurden 15 Milliarden Euro zum Aufkauf entwerteter Titel in Aussicht gestellt. Aus den in den letzten Jahren stark gestiegenen Währungsreserven wurden zudem 50 Milliarden Euro für russische Firmen zur Refinanzierung ihrer Auslandsschulden bereit gestellt. All diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, dass der zu erwartende Wachstumseinbruch im nächsten Jahr abgefedert wird. Die Regierung rechnet statt mit einem bisher prognostizierten Wachstum von knapp 7 Prozent aktuell nur noch mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 5,5 Prozent. Gemessen an den fundamentalen Wirtschaftsdaten ist die russische Börse unzweifelhaft unterbewertet. Doch wie bei den meisten Schwellenländern spielt dieses Argument auf kurze Sicht kaum eine Rolle.
Aus technischer Sicht bietet der Unterstützungsbereich aus den Jahren 2004 und 2005 um 850 Punkte dem RTX-Index eine Chance auf eine nachhaltigere Unterstützung. Im Zuge der weltweit angelaufenen Erholungsbewegung an den Aktienmärkten, besteht unter Beachtung der bereits tief im negativen Bereich überdehnten Indikatoren, wie dem MACD, die Chance auf eine ausgeprägte Zwischenerholung. Wahrscheinlichen Kursziel liegen zwischen 1.200 und 1.400 Punkten. Um es klar auszudrücken: Mehr als eine Bärenmarktrallye wird sich aus dieser Erholung zunächst nicht ergeben, ein Test der aktuellen Tiefs wäre in der weiteren Zukunft Voraussetzung für eine solide Bodenbildung.
