RSI: Funktionsweise und Anwendung
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 30. September 2009, 16:00 Uhr
ENL5454
ich kann mich sehr gut daran erinnern, wie mir noch vor ein paar Monaten von einigen grob fehlgeleiteten und realitätsresistenten Zeitgenossen vorgehalten wurde, mein Hinweis, dass es sich bei "der FED" (korrekterweise müsste es ja eigentlich "das FED" heißen) um eine Bank im Privatbesitz handele, sei nichts weiter als eine "durchgeknallte Verschwörungstheorie", die ich auf "irgendeinem rechtsradikalen Blog" entdeckt haben müsse. Ich solle doch endlich aufhören, solche "Geisteskrankheiten" zu verbreiten. Außerdem wisse ich ja sowieso nicht, von was ich spreche, denn wenn das mit dem FED tatsächlich so wäre, müsse man das doch auch in den Massenmedien finden.
Nun, dass auf die meisten Massenmedien bei einigen heiklen Themen nicht immer allzu viel (bis gar kein) Verlass ist, sollte inzwischen eigentlich jedem normalen Menschen, der wenigstens ansatzweise halbwach durch das Leben geht, klar sein.
Meinen Hinweis, die FED sei in privater Hand, allerdings als "Geisteskrankheit" und "durchgeknallte Verschwörungstheorie" zu bezeichnen (oder mich gar in die Nähe der unsäglichen "braunen Suppe" zu stellen), ist wirklich nur noch amüsant.
Weshalb?
Um es mit der "Logik" der o.g. Zuschriften von damals zu halten: Anscheinend greift diese von mir hinterlistig verbreitete "Geisteskrankheit" und "Verschwörungstheorie" inzwischen soweit um sich, dass dieser "bösartige" Newsletter, den ich jeden Tag verfasse (während mein persönliches, von endlosen Sklavenscharen gebautes Luxushausboot - natürlich mit neuestem DSL-Anschluss - friedlich im Styx treibt, mir der Kerberos schwanzwedelnd aus der Hand frisst und ich mir von Charon meine Einnahmen der Woche aus meiner kleinen "Schiffahrtslinie" vorrechnen lasse), sogar die Redaktion der ARD infiziert hat.
Wie die ARD kürzlich auf ihrer Webpage berichtete ist
Hoppla! Na wer hätte das denn gedacht? Vielleicht steckt hinter dieser "Verschwörungstheorie" also doch etwas mehr Wahrheit? Vielleicht sind eben doch nicht alle die Menschen bescheuert, welche die Dinge beim Namen nennen, darauf hinweisen, dass die Weltleitwährung de facto in privater Kontrolle ist, und sich die Frage stellen, ob das wirklich auf Dauer eigentlich eine feine Sache für die gesamte Menschheit ist oder viel mehr nur für eine selbsternannte "Eliten-Gruppe"? (Ich gehe an dieser Stelle davon aus, dass absolut klar ist, dass hier meinerseits keine konfessionsspezifischen Aussagen oder andere generalisierenden Aussagen getroffen werden, sondern ich mich hier lediglich auf vereinzelte Person beziehe, ausschließlich in Abhängigkeit von deren eigenen Handlungen und deren geäußerten Absichten. Alles andere wäre pauschale Hetze gegen Volks- und Konfessionsgruppen, die ich grundsätzlich ausdrücklich ablehne und verachte - egal gegen wen sie sich auch richtet).
Natürlich arbeitet dieses private Bankenkartell in gewissen Bereichen auf staatliche Weise (z.B. werden gewisse FED-Funktionäre vom US-Präsidenten ernannt). Doch dass auch hier durchaus entsprechende Verflechtungen zwischen US-Politik und Bankinteressen (und damit wohl auch Kandidaten-platzierungswirksame Beziehungen) vorliegen, zeigen ja u.a. die jüngsten Ereignisse der letzten Monate und Jahre immer wieder auf (es sei denn, Sie gehen davon aus, dass dies natürlich alles nur dumme, ganz ganz ungeschickte Zufälle sind...)
Also, ein für alle mal für die Akten: "Die FED" ist keine Behörde, sondern eine Privatveranstaltung, die auf Lobbydruck (und mit einigen Tricks) 1913 durch den sog. "Federal Reserve Act" ins Leben gerufen wurde (ich kann nur jeden von Ihnen ermuntern, hierzu eigenständig etwas zu recherchieren, denn diese Geschichte ist mehr als nur interessant - wenn es auch nicht immer ganz einfach ist, hier seriöse und unseriöse Quellen voneinander zu trennen). Dieses besagte Gesetz wurde durch den damaligen US-Präsidenten Wilson unterzeichnet, dem u.a. auch das folgende Zitat (ausgesprochen nach seiner Präsidentschaft) zugeschrieben wird:
Ich bin ein zutiefst unglücklicher Mann. Ich habe unwissentlich mein Land ruiniert. Eine große industrielle Nation wird von ihrem Kreditwesen kontrolliert. Unser Kreditwesen ist vereinigt. Daher ist das Wachstum unserer Nation und alle unsere Tätigkeiten in den Händen einiger weniger. Wir sind eine der schlechtregiertesten, meistkontrollierten und beherrschten Regierungen der zivilisierten Welt. Nicht länger eine Regierung der freien Meinung, nicht länger eine Regierung der Überzeugung oder des Mehrheitsentscheides, sondern eine Regierung der Ansichten und Nötigungen einer kleinen Gruppe herrschender Männer.
So, ich werde mich nun wieder in meinen goldenen Sklavenarbeiter-Schaukelstuhl auf meine Boots-Terrasse setzen, etwas im Styx angeln, und meinem Fährmann und meinen Sklaven entspannt bei ihrer knochenharten Arbeit zur Vermehrung meines Reichtums zusehen.
Alles wird gut. Die Welt ist in sicheren, wohlmeinenden und vertrauenswürdigen Händen.
Mit höllisch guten Grüßen,
Alexander Hahn
P.S.:
Nachdem mein MACD-Artikel von letzter Woche zahlreichen Zuspruch fand, erkläre ich heute den RSI etwas näher und stelle Ihnen ein paar Anwendungsmöglichkeiten vor.
Alte Knaben haben genauso ihr Spielzeug wie die jungen, der Unterschied liegt lediglich im Preis.
Benjamin Franklin (1706-1790)
Der RSI-Indikator
Der Relative Strength Index (kurz RSI) ist ein Oszillator und gehört somit (genauso wie der MACD) zu den technischen Indikatoren. Er wurde von J. Welles Wilder entwickelt und 1978 in dem Buch „New Concepts in Technical Trading Systems" das erste Mal vorgestellt. Im Laufe der Jahre entwickelte sich der RSI zu einem der bekanntesten Kontratrend-Oszillatoren und ist heute mit dem MACD einer der bekanntesten technischen Indikatoren.
Neben dem MACD gehört auch der RSI zu meinen favorisierten Indikatoren, da auch er mehrere Interpretationsmöglichkeiten bietet und bei richtiger Anwendung eine ganz erfreuliche Trefferquote hat.
RSI - Nicht zu verwechseln mit „Relative Stärke" (RS)
Hört man den Namen RSI das erste Mal, mag man vielleicht verleitet sein zu glauben, dass der Indikator die eigene Wertentwicklung eines Papiers mit dem Verhalten anderer Werte oder Indizes vergleicht. Doch weit gefehlt. Der RSI darf trotz eines ähnlich klingenden Namens nicht mit der relativen Stärke (RS) einer Position verwechselt werden.
Was misst der RSI und wie wird er berechnet?
Der RSI misst die „innere Stärke" des betreffenden Wertes, ähnlich wie auch der Momentum Indikator. Das heißt, der Indikator setzt die Stärke der Abwärtsbewegungen in Relation zu der Stärke der Aufwärtsbewegungen. Das Ergebnis schwankt in einem Intervall zwischen 0 und 100.
Die Berechnung des RSI sieht komplizierter aus, als sie es eigentlich ist:
- Man bildet für einen fest definierten Zeitraum (Wilder nutzte 14-Perioden) die Summe der steigenden, sowie die Summe der fallenden Tage.
- Die beiden Summen werden jeweils durch die Anzahl der betrachteten Perioden (wir nutzen die Standardeinstellung Wilders - 14) dividiert. Man erhält ein dadurch einen „up average"-Moving Average (MA 1) und einen „down average"-MA 2.
- Zur Bechnung der Relativen Stärke teilt man den MA 1 durch den MA 2
RS = MA 1 / MA 2
- Die RS wandelt man abschließend noch in einen zwischen 0 und 100 oszillierenden Index um:
RSI = 100 - 100 * [1/(1+RS)]
Anmerkung: Der RSI wird heutzutage gewöhnlich mit gewichteten gleitenden Durchschnitten, sog. EMAs, statt mit MAs berechnet.
Wilder überlegte sich damals also, dass ein extremer RSI-Wert (also eine hohe Anzahl steigender bzw. fallender Perioden im definierten Bemessungszeitraum, in anderen Worten ein schneller und starker An-/Abstieg), die Wahrscheinlichkeit einer Korrektur in die entgegengesetzte Richtung immer weiter ansteigen lassen würde, je weiter dieser Kursausschlag erfolgt. Hierhinter steckt das Wissen um den Trendaufbau von Kursen, das besagt, dass kein Trend linear ist, sondern stets mit Korrekturen verläuft. Und in der Tat sollte Wilder mit diesem Gedanken in zahlreichen Fällen immer wieder Recht haben.
Interpretations- und Anwendungsmöglichkeiten des RSI:
1) Der RSI zur Feststellung des Überkauftheits- / Überverkauftheitsgrades
Wie ich bereits weiter oben beschrieben habe, oszilliert der RSI in einem Intervall zwischen 0 (überverkauft) und 100 (überkauft). Die Mittellinie (in gewisser Hinsicht vergleichbar mit der Nulllinie beim MACD) hat hier den Wert 50.
Notiert der RSI eines Wertes oberhalb von 70, so gilt dieser als überkauft. Notiert der RSI unter 30, ist der Wert überverkauft. Die Werte lassen sich jedoch - je nach Eigenschaft des zugrundeliegenden Kurswertes (Volatilität, Liquidität...) - auch anpassen (z.B. 80/20 oder 60/40).
Gleichzeitig können Sie durch die Änderung der Periode (statt 14 z.B. 8) den RSI empfindlicher machen. Das heißt, dieser läuft dann schneller/langsamer in die rote/grüne Zone:
Abb: Bild eines RSI in der 14-Perioden-Einstellung
Abb.: Tages-Chart eines Emerging Markets ETFs (EEM)
Im obigen Chart sehen Sie, dass RSI-Werte über 70 bei diesem ETF fast immer in der Nähe lokaler Hochpunkte zustande kommen.
Im Umkehrschluss heißt das, dass es nie falsch sein kann darüber nachzudenken, ob es (natürlich je nach Trade und Basiswert) nicht Sinn machen könnte, (Teil-)Gewinne mitzunehmen, wenn der RSI einer (Long-)Position über 70 notiert.
Denken Sie auch immer daran, den RSI, genauso wie den MACD, in verschiedenen Zeiteinheiten zu betrachten (z.B. Weekly und Daily RSI). Somit stellen Sie sicher, dass Sie auch immer das große Gesamtbild sehen und nicht zu sehr auf die kurzfristigen Schwankungen fixiert sind.
Abb.: Wochen-Chart eines China ETFs (FXI)
2) Der RSI zur Feststellung von bullischen/ bärischen Divergenzen
Erreicht ein Basiswert ein neues Hoch, welches nicht durch ein neues Hoch des RSI bestätigt wird, spricht man von einer bärischen Divergenz. Das Gleiche gilt umgekehrt für bullische Divergenzen.
Abb.: Wochen-Chart eines S&P 500-Tracker ETFs (SPY)
Im oberen Chartbild markierte der S&P 500 im Zeitraum von September 2008 bis März 2009 ständig neue Tiefs, während der RSI in diesem Zeitraum stieg. Eine klassische bullische Divergenz war entstanden.
Abb.: Wochen-Chart des Ölpreises der Marke "Light Crude" (WTIC)
Auch der fulminante Ölpreisanstieg im Sommer 2008 wurde durch den RSI nicht bestätigt. Den beispiellosen Preiseinbruch ab Juli 09 sehen Sie im Chart.
Genauso wie beim MACD macht es immer Sinn, seine bestehenden Positionen auf Divergenzen mittels des RSI zu untersuchen. Sollten Warnzeichen auftreten, können Sie sich im Vorfeld auf eine eventuelle „Exit-Strategie" vorbereiten.
3) Weitere Anwendungsmöglichkeiten des RSI
Der Phantasie in der Anwendung und Deutung des RSI sind im Prinzip keine Grenzen gesetzt.
Sie können:
- Trendlinien an den RSI anlegen und Formationen aus dem RSI „herausdeuten" (ich halte ehrlich gesagt nicht sehr viel davon, aber es soll Trader geben, die damit gute Ergebnisse erzielen)
- Feste Regeln implementieren, wann z.B. eine Wert bei Erreichen oder Verlassen eines bestimmten Levels gekauft oder verkauft wird (z.B. wird oftmals das Überschreiten der 50er Schwelle als Bestätigung für einen intakten Auf- oder Abwärtstrend interpretiert)
- Den RSI in Kombination mit anderen Indikatoren anwenden, um somit eine höhere Wahrscheinlichkeit zu erreichen (sehr zu empfehlen - seien Sie ruhig mutig und probieren Sie es einfach einmal für sich auf dem Papier aus)
Handelsstrategien alleine auf den RSI oder den MACD zu beziehen, lehne ich hingegen ab, da mir dies noch nicht präzise und treffsicher genug ist. Für mich können diese beiden Bausteine höchstens Teile eines weitaus größeren "Werkzeugkastens" sein:
Auch der RSI ist nur ein kleines, weiteres Puzzleteil...
...aber ein durchaus wichtiges. RSI und MACD bilden zusammengenommen schon ein gutes Team.
Wenn Sie weitere Einflussfaktoren wie den Gesamtzustand des internen Marktes (NYSE BPI), den externen Markt (Indizes wie S&P 500), Sektorrotation, Relative Stärke usw. mit einfließen lassen, wird sich Ihr Gewinnpotential in Zukunft dramatisch vervielfachen. Alles, was es braucht, ist etwas Übung, Erfahrung und die entsprechende Justierung der Feinheiten. Das ist viel Arbeit und nicht immer einfach, aber es ist machbar und lohnt sich.
Ich hoffe, Ihnen mit diesem Artikel vielleicht ein wenig auf dem holprigen Weg zum nachhaltigen Börsenerfolg geholfen zu haben, und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg an den Märkten.
Beste Grüße
Alexander Hahn
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Ulrich Gambert (30.09. 2009 16:37 Uhr):
Herr Hahn, bin begeisteter Leser Ihrer Rubriken und bin voll auf Ihrer Ebene. Bin 1946 geboren und seit 1975 selbständig in der Beratung von Mittelständlern tätig. BAV, Altersvorsorge, Versicherungen etc. Meine "Hintergrundrecherschen" auch über Publikationen des KOPP Verlags ( FED, BRD-Rechtmäßigkeit, Gold, Silber etc.) haben mir die Augen geöffnet. Meine Sorge ist jedoch: Wir kennen die Hintergründe, wissen was in der Welt vorgeht, können uns absichern?? Lähmt zu viel Wissen vielleicht auch? Sind die Unwissenden nicht glücklicher? In Verbundenheit Ulrich Gambert
Antworten - Kommentar von Andreas Veigel (30.09. 2009 20:50 Uhr):
Hallo Herr Hahn, meine große Anerkennung für Ihren "Mut", das mit dem FED so klarzustellen. Wenn man nämlich die Wahrheit über diese "kleine Gruppe herrschender Männer" auch nur berührt, dann mögen dies jene und ihre vielen Helfer ganz und gar nicht. Und mit den meisten Medien haben jene ja auch kein Problem, weil sie auch da der Boss sind. Times rückwärts. Gruß A. Veigel
Antworten - Kommentar von Werner Feneis (01.10. 2009 11:44 Uhr):
einfach mal Danke für Ihre zusammenfassenden Darstellungen mit wertvollem Hintergrundwissen, hier besonders in Sachen FED und auch Charttechnik, ohne dabei inhaltlich einseitig zu werden oder zu übertreiben und immer bei heiklen Punkten mit Hinweisen auf Risiken.
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