Roter Kapitalismus – Teil 3
Von Dr. Mark Skousen in Investoren Wissen
vom 25. April 2006 16:00 Uhr
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Meine China-Reise hat mir eins bestätigt: 1,3 Milliarden Chinesen haben nur ein Ziel: Die Wirtschaft weiterhin am Laufen zu halten, so dass die Olympischen Spiele 2008 in Peking die größte internationale Veranstaltung werden, die überhaupt jemals stattgefunden hat.
Es wird eine gigantische Outing-Party, auf der China seine industrielle Stärke und seinen Anschluss an die internationale Spitze der Industrienationen zeigen wird. Was für ein Wandel im Vergleich zur Zeit meines letzten Chinabesuch 1989. Damals gab es die blutige Unterdrückung der Demonstrationen am Platz des Himmlischen Friedens.
Wirtschaftlicher Fortschritt hat Priorität
Jeder Politiker und Reiseführer sagt das gleiche: Vergessen Sie die Politik und versuchen Sie die Dinge zu ändern. Nur Wirtschaft und finanzieller Fortschritt bedeuten etwas. Der Ökonom Dean Peng, ein Anhänger einer liberalen Wirtschaftsordnung, sagte uns in Peking, er erwarte in Folge der Transformation zur Demokratie keine Krise im Land. Sie hören überall das gleiche: "Es ist großartig reich zu werden!"
Wie die Grafik zeigt, machen die Chinesen genau dass über ihre Exportwirtschaft:
Es gibt keinen Grund daran zu zweifeln, dass China dieses kurzfristige Ziel erreichen wird. Und deshalb empfehle ich genau jetzt in chinesische und asiatische Aktien zu investieren.
Und was wird nach den Olympischen Spielen?
Was ist, wenn die Spiele vorbei sind? Für China gibt es 4 große Herausforderungen:
1) Die Einkommen entwickeln sich ungleich zwischen der Landbevölkerung und den Stadtbewohnern. Die Städter verdienen doppelt so viel, wie die Landbewohner. Als Folge davon ziehen Millionen von Bauern in die Stadt. Diese unglaubliche Wanderungswelle kann zu sozialen Spannungen führen. Die Regierung versucht zwar mit intensivem Wohnungsbau dagegen zusteuern. Aber das könnte zu wenig sein.
2) Es droht eine Finanzkrise. 70 % der Privatbanken in China haben Probleme mit faulen Krediten (ähnlich wie Japan in den 90er Jahren). Die Kapitalmärkte in China sind in einer schwierigen Situation. Es könnte eine Währungsspekulation losgehen. Deswegen könnte viel ausländisches Kapital aus dem Land abfließen. Viele Kenner des Landes denken, in China wird zu viel gebaut und zu viel investiert. Vor allem in öffentliche Infrastrukturprojekte. Es könnte ein finanzielles Desaster in China geben.
Vom Rechtstaat fehlt jede Spur
3) Die Verwaltung, und zwar auf allen Ebenen bis hin zur Rechtsprechung, ist zu wenig an das Recht gebunden. Auf meine Frage, ob China ein Rechtstaat sei, schüttelten chinesische Studenten den Kopf. Nach Jahrzehnten kommunistischer Herrschaft unter Mao herrscht die Überzeugung, dass es im Land keine unabhängige Rechtsprechung oder auch nur die geringsten Eigentumsrechte gibt. Wenn ein Politiker ein Hochhaus auf einem Stück Ackerland bauen will, dann macht er es einfach und fragt nicht lange.
4) Instabile geopolitische Lage: Ein wachsender chinesischer Nationalismus könnte die ganze Region destabilisieren, falls es einen Zwischenfall mit den Erzfeinden Japan oder Taiwan gibt. Glücklicherweise dürfte der stark steigende Handel und die wachsenden Investitionen zwischen China und den beiden Ländern einen größeren Konflikt verhindern. Anlass zur Sorge bereitet die Aufrüstung Chinas mit zweistelligen Prozentzuwächsen im Jahr. In Peking sahen wir beispielsweise überall Soldaten.
Insgesamt bin ich China gegenüber in den nächsten 2 Jahren positiv eingestellt. Aber danach ist alles möglich. Ich würde Gold nicht verkaufen.