Ronald Reagan: Ein Nachruf
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 16. Juni 2004 18:00 Uhr
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Ronald Reagan hätte etwas Besseres verdient gehabt. Als netter und anständiger Mann hätte sein Sarg von 6 Cowboys getragen werden sollen, und ehrliche Betrunkene hätten ihm zum Abschied winken sollen, mit tränenreichen Erinnerungen.
Mit anderen Worten: Seine Nation hätte ihn mit einem weichen Herzen verabschieden sollen. Stattdessen waren die Nachrufe so voll mit feierlichem Humbug, den man sonst nur bei nationalen Wahlen sieht.
Mir ist gesagt worden, dass Reagan einen großen Wirtschaftsboom im Land der Freiheit in Gang gebracht hat. Er half mit, dass sich die Regierung weniger in die Angelegenheiten der Menschen einmischte. Amerika raste seinen Wettbewerbern davon. Die Chinesen waren so beeindruckt, dass sie sich dazu entschlossen, die Hunde des Kapitalismus loszulassen. Die Sowjets wurden so entmutigt, dass sie sich dazu entschieden, keine Sowjets mehr zu sein. Jetzt sind sie Russen, Litauer oder Kasachen.
Natürlich waren die USA besser dran, als sie noch nicht mit 3 Milliarden befreiten Unternehmern und Konsumenten in Wettbewerb treten mussten. Der Ölpreis steigt ... bald wird er dem Preis von Rindfleisch entsprechen.
Aber wenn Amerika soviel reicher geworden ist – warum sind dann die Reallöhne nicht gestiegen? Der durchschnittliche Amerikaner schuftet heute im Durchschnitt für ungefähr den gleichen Lohn (unter Berücksichtigung der Inflationsrate) wie zu dem Zeitpunkt, bevor die Reagan-Revolution ihren ersten Schuss gefeuert hatte.
Und jetzt liefert die Internationale Herald Tribune mehr Beweise dafür, dass der große amerikanische Boom nicht ganz so groß war, wie zuvor gedacht:
"Mehr als 2 Drittel der älteren Haushalte – mit Bewohnern zwischen 47 und 64 – hatten 1983 einen Bewohner, der eine Pension bezog. 2001 war das nur bei weniger als der Hälfte der Fall ..."
Die Amerikaner sind in den Reagan-Jahren nicht reicher geworden. Ich erinnere mich noch an die Carter-Jahre: Die Nation hatte Frieden. Trotz Inflation wurden die Amerikaner reicher. Die Löhne stiegen. Das Land genoss eine positive Handelsbilanz ... und der Rest der Welt schuldete den USA mehr, als diese dem Ausland schuldeten.
Aber 1980 waren die Aktienkurse seit 14 Jahren auf Tauchfahrt, und die Anleihen befanden sich immer noch in einem Bärenmarkt, der 1945 begonnen hatte. Und der Vietnamkrieg war erst wenige Jahre vorüber. Es heißt, die Amerikaner waren entmutigt; sie hatten ihr Selbstverstrauen verloren.
Und dann kam Ronald Reagan mit seiner Botschaft, die aus Hoffnung, Optimismus und "für nichts gibt es doch etwas" bestand. Die Angebots-Orientierung – plötzlich schien es möglich, mehr Geld auszugeben ... und trotzdem mehr zu haben! "Vergessen Sie das Defizit", hieß es. Der durchschnittliche Amerikaner dachte, dass das auch für ihn gelten würde: Mehr Schulden ... und er würde reich werden.
Und die Unternehmen mussten sich auch nicht länger um ihre Angestellten kümmern. Die Manager konnten sich darauf konzentrieren, mit den Bilanzen zu tricksen, um den Eindruck einer "Maximierung des Shareholder Value" zu vermitteln. Amerika wurde bald eine "Nation von Aktionären".
Und jetzt, ein Vierteljahrhundert nach dem Amtsantritt Reagans, haben wir in den USA Folgendes: Das Land befindet sich im Krieg, hat das höchste Handelsbilanzdefizit (im April wurde einer neuer Rekord erreicht, von 48,3 Milliarden Dollar), die höchsten Staatsschulden, die größte Finanzierungslücke, die niedrigsten Zinsen seit 45 Jahren und die größte Schuldenlast der Konsumenten, die es jemals gab. Real gesehen verdient der durchschnittliche Amerikaner heute sogar weniger als in den Carter-Jahren. Und der durchschnittliche Rentner ist bei Erreichen des Renteneintrittsalters ärmer als 1980.
Aber seit 1980 sind die Aktienkurse gestiegen. Und die Amerikaner waren nie zuversichtlicher ... optimistischer ... oder illusionsbeladener.