Rollprobleme
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 23. April 2007 20:45 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
Wir alle sind an Rohstoffen Interessierte. So viel ist klar…
Doch sind wir alle auch an Rohstoffen interessierte, in Rohstoffen investierte Anleger?!
In letzter Zeit erreichten die Rohstoff Daily Redaktion immer öfter Anfragen von Lesern, die wissen wollten wie sie in den einen oder anderen Agrarrohstoff investieren können.
Agrarrohstoffe gefragt wie nie
Das stete Bevölkerungswachstum in der Welt, sowie auch in zunehmendem Maße die steigende Nachfrage nach den regenerativen Energien haben dafür gesorgt, dass der Agrarsektor vor einem wirtschaftlichen Comeback steht.
Als beste Beispiel sind die steigende Nachfrage – nicht nur nach den Grains, sondern in signifikantem Maße auch nach den Livestocks – durch die aufstrebenden Staaten in Asien zu nennen.
Chinesen und Inder generieren ein stetiges Wirtschaftswachstum und damit einen steigenden Wohlstand. Dieser manifestiert sich aber eben auch in einer steigenden Nachfrage nach Lebensmitteln.
Und wie es eben so ist auf der Welt: Ein steigender Wohlstand führt zu einem steigenden Fleischkonsum.
Und gerade hierfür benötigt man wiederum ein enormes Maß an Getreide als Futtermittel für die Livestocks.
Nehmen wir zum Beispiel Weizen. Die globalen Vorräte befinden sich gegenwärtig auf dem tiefsten Stand seit mehr als zwei Jahrzehnten. Dies nicht nur aufgrund einer steigenden Nachfrage durch die Livestockproduzenten, sondern auch dank verschiedener klimatischer Einflüsse auf die Ernten. Australien kämpft im zweiten Jahr in Folge mit extremer Trockenheit und die USA gegenwärtig mit Kälteeinbrüchen. Beide Klimaszenarien haben Ernteschäden zur Folge.
Auf der anderen Seite treibt in den verschiedenen Staaten die Ethanolindustrie die Nachfrage nach den jeweils bevorzugten Agrarrohstoffen zur Verwendung als nachwachsender Energierohstoff in die Höhe.
Nehmen wir als Beispiel die USA. Seit sich die US – Amerikaner darauf geeinigt haben, Mais als Grundstoff zur Herstellung von Ethanol zu verwenden, stieg Mais an den US – Rohstoffbörsen unaufhörlich an.
Auch hier besteht natürlich noch eine Korrelation zu den Livestockproduzenten.
Doch dies nur als Grundlage…
Ist dieser Trend investierbar?
Die Frage die sich nun dem aufmerksamen Anleger stellt ist mit Sicherheit Folgende: Ich habe dies alles gesehen…ich weiß um die fundamentale Datenlage…aber wie kann ich nun von all dem profitieren?!
Natürlich könnten Sie sich da Wohnzimmer mit Sojabohnen voll kippen lassen und hoffen, dass Ihnen das Zeug bis in ein paar Jahren nicht verschimmelt…aber ich glaube nicht dass dieses Szenario in Ihrem Interesse liegt!
Die andere Möglichkeit ist zu investieren wie es die Produzenten zur Absicherung von jeher tun, sowie die Verbrauchsunternehmen und in letzter Zeit immer häufiger die großen Fonds.
Sie investieren in die Future Kontrakte…
Aber….
Vorsicht! Bedenken Sie, dass ein Future Kontrakt immer auch eine Laufzeit hat. Und wenn dieser Kontrakt ausläuft müssen Sie wohl oder übel, sofern Sie in diesem Rohstoff investiert bleiben wollen in den Nearby Future Kontrakt rollen.
Das heißt im Klartext nichts anderes, als dass Sie ihren gegenwärtigen Kontrakt – nehmen wir beispielhaft an : Weizen zur Lieferung im Mai 07 – verkaufen und den darauf folgenden Kontrakt – Weizen zur Lieferung im Juli – kaufen.
Das müsste nicht weiter schlimm sein, wenn die Agrarrohstoffe sich nicht fast ausnahmslos in einer Contango Situation befänden.
Ein Contango bedeutet, dass der weiter entfernte Future Kontrakt teurer ist als der zeitlich näher liegende.
Beispiel: Weizen zur Lieferung im Mai 07 kostet gegenwärtig 4,91 US Dollar pro Scheffel. Weizen zur Lieferung im Juli 07 kostet 5,07 US Dollar pro Scheffel.
Man muss kein Mathematikgenie sein, um zu merken dass man mit dem Rollen der Kontrakte in einer Contango Situation einen Verlust macht.
Weiter im zweiten Teil…