Rohstoffpreise steigen in den Himmel
John Myers in Investors Daily
vom 14. April 2004 18:00 Uhr
ENL5454
In den 1970ern hatten die USA eine sehr laxe Geldpolitik. Das Ergebnis war ein Jahrzehnt der Stagflation und der größte Rohstoff-Bullenmarkt seit über einem Jahrhundert.
Wie wir gerade sehen können werden in Washington wieder fleißig Geldscheine gedruckt und die Zinsen auf Rekordtiefs gedrückt. Sicherlich – die Zinsen müssen schließlich wieder steigen ... aber der "Schaden" ist schon da: Die Druckerpressen von Fed-Gouverneur Ben Bernanke und die niedrigsten Zinsen seit der Eisenhower-Ära haben bereits zu einem Rohstoff-Bullenmarkt geführt.
Aber es gibt noch einen zweiten und vielleicht sogar noch kräftigeren Grund dafür, dass die Rohstoffpreise dieses Jahrzehnt weiter steigen werden: Die wachsende Konsumnachfrage. Und dieses Mal kommt das Konsumwachstum nicht aus den USA (denn wie könnten die US-Konsumenten ihre Konsumausgaben noch weiter erhöhen?). Stattdessen kommt das Konsumwachstum aus einer Richtung, die Sie vielleicht nicht erwarten würden: Dem fernen Osten.
Besonders aus China und Indien. Diese beiden Länder haben zusammen eine Bevölkerung von fast 2,5 Milliarden Menschen, von denen die Mehrheit gebildet und ehrgeizig ist. China und Indien transformieren ihre Volkswirtschaften gerade, von armen Agrar-Nationen hin zu den neuesten Industrie-Mächten, reich an Schwerindustrie, Massentransport und höhere Bildung. Aus diesen neuen Riesen-Volkswirtschaften werden Millionen von neuen Konsumenten kommen – die selben Leute, die bereits für die Produktion immer mehr Rohstoffe der Welt nachfragen.
In seinem Buch "Wieviel ist genug?" meint der Zukunftsforscher Alan Durning, dass die Weltbevölkerung wirtschaftlich gesehen in drei Gruppen zerfällt. Diese Gruppen nennt er "Konsumenten, die Schicht mit mittlerem Einkommen, die Armen." Die Konsumenten sind etwas mehr als 1 Milliarde der 6 Milliarden Menschen auf der Erde, und sie befinden sich hauptsächlich in Nordamerika, Japan und Westeuropa. Die Armen sind ungefähr genauso zahlreich, und sie leben hauptsächlich in Afrika.
Es ist die Schicht mit mittlerem Einkommen – die 3,5 Milliarden Menschen, die in China, Indien und Südamerika leben – die bald die weltweiten Rohstoffvorkommen am stärksten beanspruchen wird. Warum? Nun, diese Gruppe wird auf der wirtschaftlichen Leiter nach oben klettern, und diese Menschen werden zu "Konsumenten" werden. Und Konsumenten tun genau das, was der Name schon impliziert: Sie konsumieren Güter, und die müssen unter Einsatz von Rohstoffen erst einmal hergestellt werden.
"Der Aufstieg der Konsumenten zeigt sich im explodierenden Konsum, der das Kennzeichen unserer Ära geworden ist", schreibt Durning. "Weltweit hat sich der Pro-Kopf-Verbrauch an Kupfer, Energie, Stahl und Holz seit der Mitte des 20. Jahrhunderts ca. verdoppelt; der Pro-Kopf-Besitz im Bereich Autos und der Verbrauch an Zement haben sich vervierfacht; der Plastikverbrauch pro Person hat sich verfünffacht; der Aluminium-Verbrauch pro Person hat sich versiebenfacht. Und die Flugreisen pro Person sind um den Faktor 33 gestiegen."
Dieser "explodierende Konsum" des letzten halben Jahrhunderts wird weiter durchstarten. Vergleichen Sie doch einmal das China von heute mit dem Japan von 1950. Damals war Japan ein Land mit einer gebildeten Bevölkerung, die bereit war, zu arbeiten, um aus dem Status der "mittleren Schicht" herauszukommen. Dieser Wille führte in Japan zu einem Wirtschaftswunder ... und heute kann das Land Konsumgüter genießen, von denen es ein halbes Jahrhundert vorher nur träumen konnte.
Aber die Erde hat für Japans Reichtum einen Preis bezahlt, so wie sie auch für den Reichtum von Nordamerika und Europa einen Preis bezahlt hat. Von 1950 bis Mitte der 1990er hat Japan seinen Aluminium-Verbrauch vervierfacht, der Energie-Bedarf allgemein verfünffachte sich und der Stahlverbrauch explodierte um Faktor 25.
Japan hatte 1950 83 Millionen Einwohner, heute sind es weniger als 130 Millionen. Wenn man Japan als Beispiel für die 1,3 Milliarden Einwohner Chinas und die 1,1 Milliarden Einwohner Indiens nehmen würde ... dann werden die Zahlen ganz schnell so groß, dass man sie nur noch schwer verstehen kann.
Laut CIA hat "die (indische) Wirtschaft seit 1990 eine exzellente jährliche Wachstumsrate von 6 % erzielt, was die Armut um 10 Prozentpunkte verringert hat. Indien hat sehr viele gut ausgebildete Einwohner, die Englisch sprechen; Indien ist ein großer Exporteur von Software-Dienstleistungen und Software-Arbeitern; der IT-Sektor führt das starke Wachstum an."
Fakt ist: Beide Nation wollen und können so stark wachsen, dass die Ressourcen der Welt überstrapaziert werden. Die harte Wahrheit ist, dass bereits jetzt die reichsten 1 Milliarden Menschen der Welt – nur ein Sechstel der Weltbevölkerung – rund drei Viertel der weltweiten Energieerzeugung konsumieren. Außerdem konsumieren sie drei Viertel der Produktion in den Bereichen Aluminium, Chemikalien, Papier, Eisen, Stahl und Holz. Stellen Sie sich vor, was passieren würde, wenn nicht eine, sondern zwei oder drei Milliarden Menschen diese Dinge konsumieren würden!
ähnliche Beiträge:
- Warum kanadische Aktien gerade steigen
- Die Zukunft des Bullenmarktes bei den Rohstoffen – Teil 2 von 3
- Die weltweiten Rohstoffpreise werden steigen
- ...drückt auf die Rohstoffpreise
- Sind steigende Rohstoffpreise wirklich gut für den Aktienmarkt?
- Hält die USD-Schwäche an?!
- Hohe Rohstoffpreise beflügeln Emerging Markets
- Zurück zum Wesentlichen – Teil 1
- Was ist besser für den DAX, ein Deflations- oder Inflationsszenario?