Rohstoffhausse: War da was?
Andreas Wolf in DAX Daily
vom 13. Oktober 2008, 10:41 Uhr
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Rohstoffhausse: War da was?
Liebe DaxDaily Leser,
im ersten Halbjahr und den Anlegermessen noch ganz groß in Mode, scheint auch das Anlagesegment Rohstoffe mittlerweile zu einem Faß ohne Boden geworden zu sein. Der DJ-AIG-Index, der die wichtigsten 18 Rohstoffe umfasst, spiegelt die ganze Dramatik des einstigen Anlagelieblings zu einem der Spitzenverlierer wieder. Verzeichnete das Rohstoff-Barometer Anfang Juli(!) noch ein Rekordhoch bei 238,5 Punkte dauerte es nur knapp drei Monate, damit sich der Index knapp 100 Punkte tiefer oder rund 42 Prozent niedriger wiederfindet. Die Aussage vieler technischer Analysten, die langfristigen Aufwärtstrends seien damit dennoch intakt, mögen stimmen, verkennen aber, das viele Investoren erst durch die extreme Hausse seit Juli 2007 angezogen worden sind. Wer nicht im Jahr 2005 hat zu investieren, der sitzt nun zum Teil auf hohen Verlusten. Sicherlich hatten einige Anleger die Erwartung, dass es in einem so steilen Aufwärtstrend zu größeren Rückschlägen kommen würde. In der Art der Umkehr, die sich in ihrer Dynamik kaum so vorhersagen ließ, zeigt sich aber die Unberechebarkeit der Rohstoffmärkte. Besonders gut ist dies am Ölpreis abzulesen, dessen Chart dem des DJ-AIG fast gleich. Innerhalb eines halben Jahres ist aus großem Konjunkturoptimismus vor allem für die Schwellenänder größter Pessimimus geworden.
Die Wahrheit aus beiden Extremen liegt, wie so häufig, irgendwo in der Mitte. Die aktuellen Vergleiche mit der Weltwirtschaftskrise 1929 taugen nur eingeschränkt, vorausgesetzt die damals gemachten Fehler wiederholen sich nicht. Das Bereitsstellen von Liquidität im Übermaß an die bekannten Institutionen nutzt natürlich nur dann etwas, wenn der Durchsatz zu den Unternehmen gewährleistet wird. Wenn das von den 15 EU-Staaten gestern Abend geschnürte sehr umfassende Rettungspaket rasch sein Wirkung entfaltet, könnte das Übergreifen der Liquiditätsklemme auf die Realwirtschaft vermieden werden. Die Investitionsbereitschaft der Unternehmen und auch der Rohstoffmarkt würden dann davon profitieren.
Nicht wirklich hoffnungsvoll sieht der Chart des DJ-AIG aus. Alle maßgeblichen Indikatore, darunter der MACD und das Momentum sind extrem überverkauft, zeigen allerdings auch noch keinen Wendeansatz. Die einzige kleine Hoffnung für Bullen besteht in der noch verteidigten Unterstützungslinie bei 141 Punkten, die sich aus drei markanten Tiefpunkten aus dem Januar 2005 ableiten lässt. Wird auch diese Bastion nach unten durchbrochen, geht weiter abwärts in Richtung 125 Punkte. Unter den gegebenen Marktunständen lässt sich momentan fast gar keine Entwicklung in das Extreme ausschließen. Auf der anderen Seite böte eine Erholung ab 141 Punkten Kurspotential bis maximal 160 Punkte.
