Seltene Erden

Rhenium: Locker Potenzial bis 5.000 Euro je Kilogramm

in Traders Daily zum Thema Seltene Erden
vom


Trader´s Daily-Leser Oskar L. schrieb mir:

"In Ihrem Buch schreiben Sie ja einiges zum Rhenium, das das seltenste Element ist und somit auch eine dementsprechend große Nachfrage hat. Was mich jetzt noch genauer interessiert, ist Ihre persönlich Preiseinschätzung zu Rhenium um das Jahr 2030 und später. Die Reservenreichweite von Rhenium liegt zur Zeit bei ungefähr 50 Jahren, kann aber die steigende Nachfrage von Rhenium durch Recycling von Rhenium ganz substituiert werden?"

Meine Antwort:



Selten, schwierig herzustellen und nach meinem Lieblingsfluss benannt - das ist Rhenium.

Bei diesem strategischen Metall sprechen wir von einer Jahresproduktion weltweit von gerade einmal rund 50 Tonnen (Primärproduktion, d.h. ohne Recycling). Zum Vergleich: Bei Kupfer reden wir von einer Jahresproduktion in der Größenordnung 15,8 Mio. Tonnen, also in etwa dem 316.000fachen. (!)

Weiter ein Bildchen von Rhenium, welches übrigens erst in den 1920ern entdeckt wurde:

Dann zu meiner Einschätzung für Rhenium. Dieses strategische Metall hat einen sehr hohen Schmelzpunkt (3180 Grad Celsius!) und bietet sich für den Hochtemperatureinsatz ein. So werden in den Triebwerken des Airbus 380 Rhenium-Legierungen eingesetzt, und in Katalysatoren. Für den Bereich Airbus-Triebwerke rechne ich mit weiter steigender Nachfrage. Begründung: Eine solche Legierung mit Rhenium kann rund eine Tonne Gewicht für den Airbus einsparen. Und weniger Gewicht bedeutet dauerhaft geringere Treibstoff-Kosten! Da werden dann auch "gerne" die rund 3.000 Euro je Kilogramm Rhenium bezahlt. Meiner Einschätzung nach würden auch 4.000 und 5.000 Euro je Kilogramm ohne ernsthaftes Murren bereitwillig gezahlt.

Zwischen 2006 und 2009 lag beim Rhenium die Nachfrage über dem Angebot. Der Preis stieg entsprechend, von knapp 1.000 Euro je Kilogramm auf in der Spitze über 7.000 Euro je Kilogramm. Da sehen Sie, was möglich ist, wenn ein strategisches Metall knapp wird!

Hier könnte bereits die Trader´s Daily-Gemeinde zur signifikanten Größe auf dem Rhenium-Markt werden, denn die gelagerten Rhenium-Bestände WELTWEIT liegen bei gerade einmal 5.000 Kilogramm (Schätzung).

Thema Recycling: Dazu kann ich Ihnen zum Bereich Katalysatoren und Rhenium interessante Zahlen bieten. Bei denen können zwischen 70 und 95% des eingesetzten Rheniums zurückgewonnen werden, zu Kosten im Bereich 20% eines neuen Katalysators.

Bei steigenden Rhenium-Preisen ist auch eine Erhöhung des Recycling-Anteils wahrscheinlich. Es ist nun aber eine Binsenweisheit, dass nicht mehr zurückgeholt werden kann, als reingesteckt worden ist.

Somit würde die bei Katalysatoren vielleicht maximal mögliche Recycling-Quote von 100% (eher unwahrscheinlich) nur in einem stagnierenden Markt reichen, die Nachfrage zu befriedigen.

Der Einsatz von Rhenium-Legierungen in Airbus-Triebwerken ist aber eine relativ neue Anwendung. Sprich: Da gibt es noch nicht viele alte Triebwerke, aus denen Rhenium zurückgewonnen werden kann.

Auf Jahre hinaus wird beim Bereich Triebwerke netto Rhenium nachgefragt werden, ohne große Recycling-Möglichkeiten.

Der Leser fragt nach meiner Preiseinschätzung für Rhenium für das Jahr 2030.

Da versuche ich gar nicht erst, so zu tun, als ob ich dazu seriös etwas sagen könnte. 2030! Was bis dahin alles passieren kann.

Was ich Ihnen sagen kann: Meine Einschätzung für die nächsten Jahre. Für die Jahre, in denen der Rhenium-Einsatz in Triebwerken steigen sollte. Und es noch keine entsprechenden Recycling-Möglichkeiten gibt.

Angesichts des knappen Angebots macht dies in den nächsten Jahren steigende Rhenium-Preise wahrscheinlich.

Ich spreche hier von einem Zeithorizont von vielleicht fünf Jahren, und einem Preis-Potenzial von vielleicht 5.000 Euro je Kilogramm.

Mit rheinischem Gruß!

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt / M.A.
Chefredakteur Trader´s Daily



von
Michael Vaupel
Michael Vaupel

Michael Vaupel ist einer der führenden Rohstoff- und Derivate-Experten. Bereits während seiner Studienzeit hat er als Finanzjournalist und Analyst gearbeitet.

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