Rohstoff-Zertifikat

In fast jeden Rohstoff kann heute mittels Rohstoff-Zertifikat investiert werden.

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Hintergrund Rohstoff-Zertifikat

In den Vereinigten Staaten von Amerika entwickelten sich im 19. Jahrhundert große organisierte Märkte zum Handel mit Rohstoffen. Chicago mit seinem Weizenhandel zählt noch heute zu der wichtigsten Terminbörsen für Rohstoffe weltweit. Farmer brachten ihre Weizenernte nach Chicago in der Hoffnung, diese dort zu einem guten Preis verkaufen zu können. Nachdem die Stadt aber nicht ausreichend Lagerplätze und kein etabliertes Verfahren für das Wiegen und Klassifizieren der Getreide hatte, waren die Farmer den Händlern ausgeliefert und mussten so oft schlechte Preise in Kauf nehmen.

 

Die Stadt erkannte früh, dass hier Abhilfe geschaffen werden musste. Auf Initiative einiger Geschäftsleute und mit Unterstützung der Stadt wurde ein zentraler Platz zum Handel mit Getreide eröffnet, also eine Warenbörse. Hier konnten sich Farmer und Händler treffen und so Geld gegen sofortige Getreidelieferung tauschen. Die Terminmärkte entwickelten sich später, als Farmer und Händler begannen, Verträge mit in Zukunft liegender Lieferung und Zahlung zu schließen. So konnte der Farmer die nächste Ernte zu einem festen Preis verkaufen, und der Fabrikant war sich sicher, die Ware zu festen Konditionen zu erhalten. Beide konnten mit dieser Absicherung besser kalkulieren.

 

Die heute größten Terminbörsen weltweit sind Chicago, wo hauptsächlich Getreide, Vieh, Fleisch, Metalle und Bauholz gehandelt werden, und New York, wo in erster Linie Nahrungsmittel-, Baumwoll-, Metall-, Erdöl- und Energie- Kontrakte umgesetzt werden. Darüber hinaus gibt es noch in anderen Ländern Terminbörsen. Die Warenterminbörse in Deutschland sitzt in Hannover. Manche wichtige Rohstoffe wie Öl oder Gold werden rund um die Uhr gehandelt.

 

Für Privatanleger waren bisher direkte Investments in Rohstoffe schwierig. Der Kauf und Verkauf von Terminkontrakten war eher professionellen und vermögenden Kunden vorbehalten. Wer als Privatanleger in Rohstoffe investieren wollte, hatte meist keine Chance.

 

Seit kurzer Zeit bieten die Zertifikate-Emittenten ein umfassendes Angebot an derivaten Produkten: Allen voran die ABN Amro Bank, die Société Générale und Goldman Sachs bieten neben klassischen Index-Zertifikaten auch komplexere Zertifikate wie Bonus-Zertifikate oder auch kapitalgarantierte Zertifikate. Damit ist es erstmals Privatanlegern möglich, zu erschwinglichen Konditionen und ohne hoher Lagerkosten direkt und einfach über die Hausbank in Rohstoffe zu investieren.

Gab es vor einigen Jahren gerade mal Index-Zertifikate auf Öl, Gold oder Platin, wurde im Jahr 2004 die Produktpalette rasant ausgeweitet. Die Emittenten bieten heute Index-Zertifikate auf wichtige Industriemetalle, die Agrar- und Fleischmärkte mit Orangensaft und Zucker. In fast jeden Rohstoff kann heute mittels Zertifikate investiert werden. Wichtig für die Anlage in Rohstoff-Zertifikate: Die Rohstoffpreise unterliegen ganz besonderen Einflüssen. Saisonalität, das Wetter und Transportwege spielen eine wichtige Rolle. Im Rohstoffmarkt treffen real Angebot und Nachfrage aufeinander. Wird beispielsweise mehr Kaffee nachgefragt als vorhanden, steigt der Preis zwangsläufig. Zerstört ein Unwetter Kaffeeplantagen in Brasilien, kommt es womöglich zu einer Angebotsverknappung, die bei gleich bleibender Nachfrage den Preis nach oben treibt. Auch politische Faktoren wie ein Putsch, Handelsbeschränkungen und auch Spekulanten treiben die Kurse an.

 


Funktionsweise Rohstoff-Zertifikat
Rohstoff-Zertifikate gibt es in allen möglichen Formen. Neben Index-Zertifikaten auf einzelne Rohstoffe oder Indizes, Garantie-Zertifikate und Bonus- oder Express-Zertifikate werden auch für professionelle Anleger Hebel-Zertifikate angeboten. Die jeweilige Funktionsweise dieser Strukturen wurde in diesem Buch vorgestellt.

 

Für die meisten Anleger ist es ausreichend, grundsätzlich in den Rohstoff-Sektor zu investieren. Die Emittenten bieten Index-Zertifikate auf Rohstoff-Indizes, die sich aus den wichtigsten Rohstoff-Segmenten zusammensetzen und gegebenenfalls sogar überprüft und angepasst werden. Die wichtigsten Indizes sind die Indexfamilie um den Goldman Sachs Commodity Index, der durch seinen Namensgeber Jim Rogers bekannte Rogers International Commodity Index und der vom Verlagshaus Dow Jones veröffentlichte Dow Jones-AIG Commodity Index. Einige Emittenten haben auch Rohstoff-Baskets zusammengestellt, die zum Beispiel Industriemetalle oder Agrarprodukte zusammenfassen.

 

Einsatzmöglichkeiten Rohstoff-Zertifikat
Die Theorie beweist es: Rohstoff-Investments reduzieren erheblich das Gesamtrisiko in einem Depot. Wie zahlreiche Studien belegen, hängen mehr als 80 Prozent des Portfoliorisikos von der Depotzusammensetzung, das heißt der Aufteilung nach Anlage-Klassen (Aktien, Anleihen, Rohstoffe usw.), ab. Trotz dieser Erkenntnis war die Anlagestrategie der Anleger immer stark auf Einzeltitel ausgerichtet, anstatt sich mit der strategischen Depotzusammensetzung zu beschäftigen.

 

Neben der Titelauswahl und dem Timing bei der Aktienanlage wird das Risiko im Depot nur über die Redzierung des Aktienanteils zu Gunsten Anleihen oder Festgeld gesteuert. Anlagen mit einer langfristigen oder nur geringen Korrelation, das heißt einer konträren Entwicklung zueinander, werden zu wenig berücksichtigt. Man muss wissen: Aktien und Anleihen korrelieren langfristig positiv miteinander, was zu einer geringen Risikoverteilung führt. Nach zwei Jahrzehnten steigender Aktien- und Rentenmärkte wurde die Anlageklasse Rohstoffe, die sich durch eine sehr negative Korrelation zu Aktien und Anleihen auszeichnet, komplett vernachlässigt. Kaum ein Anleger hat Rohstoff-Investments in seinem Depot. Diese langfristig negative Korrelation zu Aktien und Anleihen bedeutet, dass die Beimischung von Rohstoffinvestments bei gleichem Gesamtrisiko die Rendite steigern lässt beziehungsweise die gleiche Rendite mit einem geringeren Risiko erwirtschaftet werden kann. Ein optimaler Anteil von Rohstoff-Investments in einem Depot wäre eine Gewichtung von etwa 15 bis 20 Prozent. Diesen Depotanteil kann heute ein Anleger praktisch mit den angebotenen Index-Zertifikaten umsetzen.

 

Vorteile von Rohstoff-Zertifikaten:

- Portfolio-Diversifikation
Eine Rohstoffbeimischung von 15 bis 20 Prozent in einem Wertpapierdepot reduziert das Gesamtrisiko erheblich, ohne die Renditechancen zu reduzieren.

 

- Index-Abbildung
Interessante Index-Konstruktionen ermöglichen eine breit gestreute Beimischung von Rohstoffen.

 
- Optimaler Marktzugang

Die Angebotspalette an handelbaren Rohstoff-Zertifikaten hat in den vergangenen Monaten stark zugenommen. Heute kann in fast jeden Rohstoff direkt über Index-Zertifikate investiert werden.

 

- Leichte Handelbarkeit

Die Zertifikate können jederzeit mit dem Emittenten über die Börse oder direkt außerbörslich gehandelt werden. Privatanleger haben so erstmals die Möglichkeit, zu günstigen Konditionen in die Anlageklasse Rohstoffe zu investieren.

 

Fazit Rohstoff-Zertifikat 
Chance: attraktive Gewinnchancen durch Diversifikation

Risiko: Die Besonderheiten der Rohstoffmärkte weisen hohe Kursrisiken auf. Im Portfolio eingesetzt, können Rohstoff-Investments das Risiko reduzieren.

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