Rohstoffe

Rohstoff-Märkte: Explodierendes Volumen, +2.346% in 5 Jahren!

in Traders Daily zum Thema Rohstoffe
vom


Trader´s Daily-Leser Werner H. schrieb mir:

"Hallo Herr Vaupel, in einem Artikel schreiben Sie über COMEX ...wollte das spekulative Kapital aus dem Markt nehmen ... Frage: warum hat dass dann auch den Kurs für meinen ETC Fonds reduziert? Können Sie mir nochmal kurz (bildhaft) erklären, wie es zu diesen unterschiedlichen Auswirkungen gekommen ist?"

Meine Antwort:



Wenn der Preis für einen Silber-Future einbricht, dann bricht eben auch der Preis für den Spot-Silberpreis ein. So ist das eben: Die Futures machen die Preise auch für die "sofortige Lieferung".

Wenn Sie den Trader´s Daily bereits länger lesen, dann wissen Sie, dass ich die grundlegende Entwicklung durchaus mit Bedenken sehe. Habe da letztens erst mit Trader´s Daily-Leser Fritz I. drüber diskutiert.

Dazu gibt es einen interessanten Artikel bei "Foreign Policy", welcher die These vertritt, dass das Überhandnehmen von Long-Only-Indizes unvermeidlich die Verteuerung von Agrarrohstoffen anheizt.

Ist ja auch klar: Die neuen Rohstoff-Fonds, welche auf Rohstoff-Futures setzen (oder auf physische Rohstoffe), kaufen im Grunde ja nur. Sie gehen ausschließlich "long", es sei denn, es wird Kapital abgezogen.

Doch der Kapital-Zufluss ist seit Jahren enorm. Dazu diese Zahlen (Quelle: Foreign Policy):

Im Jahr 2003 hatte der gesamte Rohstoff Future-Markt ein Volumen von 13 Milliarden Dollar.

Dann ging es los, Rohstoffe wurden als Anlageklasse von immer mehr Anlegern entdeckt (auch ich selbst bin da keine Ausnahme, seit ca. 2004 bin ich Rohstoff-Trader).

So kam es, dass in den ersten 55 Tagen des Jahres 2008 an die 55 Milliarden Dollar in Rohstoff Futures flossen. Ein Vielfaches des im Jahr 2003 insgesamt gehandelten Volumens!

Im Juli 2008 hatte der Rohstoff Future-Markt dann ein Volumen von 318 Mrd. Dollar. Ein Zuwachs von 2.346% in rund 5 Jahren.

Unter uns: Wer wundert sich da ernsthaft, dass die Preise für Nahrungsmittel steigen? Denn ein Großteil des in die Rohstoff-Märkte fließenden Kapitals wandert eben in "Long Only"-Fonds. Oder auch solche, die als Basiswert 1:1 einen Rohstoff-Index wie den GSCI abbilden, welcher mit Rohstoff Futures abgebildet wird. Das ist im Grunde auch wieder ein "Long Only"-Fonds, mit den skizzierten Auswirkungen.

Die großen Rohstoff-Fonds müssen übrigens oft monatlich ihre Rohstoff-Futures "rollen", da diese sonst auslaufen würden. An einer Lieferung der physischen Rohstoffe ist man aber - natürlich - nicht interessiert. Diese "großen Roll-Termine" beeinflussen durchaus die Preise.

Na, und aufgrund der ganzen "Long Only" Geschichten sollte sich deswegen niemand wundern, dass seit 2008 generell die Preise von Lebensmitteln tendenziell steigen.

Das sollte tendenziell auch so bleiben, solange weiter viele Milliarden in "Long Only"-Rohstoff-Fonds fließen.

Bevor wir aber auf böse Spekulanten zeigen: Wir selber sind daran ebenso beteiligt, z.B. durch den einfachen Kauf eines "1:1-Zertifikats auf den Goldman Sachs Rohstoff-Index".

Ich setze seitdem lieber auf Metalle, recherchiere gerade zu strategischen Metallen, sehr spannende Sache...

...vom Preisanstieg von Grundnahrungsmitteln wie Mais oder Weizen oder Reis möchte ich nicht mehr profitieren. Kennt man ja: Dann freut man sich über einen steigenden Reispreis....doch was ist mit den Millionen z.B. von armen Indern, welche dieses Grundnahrungsmittel dringend benötigen?

Und durch den Kauf der "Long-Only"-Fonds befeuert man den Preisanstieg selbst.

Nachdenkliche Grüße!

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt / M.A.
Chefredakteur Trader´s Daily



von
Michael Vaupel
Michael Vaupel

Michael Vaupel ist einer der führenden Rohstoff- und Derivate-Experten. Bereits während seiner Studienzeit hat er als Finanzjournalist und Analyst gearbeitet.

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Der Börsenbrief von Michael Vaupel: "Der Rohstoff Performer"


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Kommentar von Felix

Die Frage die man stellen muss ist, denke ich, ist: wäre die Verteilung und die Kosten besser also niedriger ohne den Handel von Rohstoffen? Wäre der Reis billiger ohne einen liquiden Markt oder würden die Preise stärker schwanken, da sich Unternehmen nicht absichern können? Begünstigt ein liquider Warenfluss nicht die Senkung der Kosten? Ist die Preissteigerung also der Zufluss am Rohstoffmarkt nicht eine Einschätzung der Markteilnehmer? Wenn es nicht Ihre Einschätzung ist und die Preise deshalb steigen, weil es „dummes“ Kapital ist ohne Bewertungsfunktion, muss man dann nicht die Frage stellen ob der GESAMTE Markt überhaupt eine Funktion hat? Nachdenkliche Grüße Felix

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