Rohstoffe

Öl aus Algen

in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom


Liebe Leser,

heute möchte ich einmal das aktuelle Geschehen völlig beiseite schieben und mich schlichtweg einmal wieder einer wissenschaftlichen Fantasie hingeben (die allerdings durchaus Realität werden könnte): dem Algenöl.

Sicher, im Angesicht von Erdölpreisen um die 50 US-Dollar pro Barrel, macht man sich eigentlich nicht so viele Gedanken über Alternativen. Auf der anderen Seite fangen jetzt selbst die Amerikaner damit an, sich - zumindest offiziell - Gedanken über das Klima und die CO2-Geschichte zu machen. Jedenfalls wurde im US-Bundesstaat Kalifornien der Low Carbon Fuel Standard eingeführt. (Sie erinnern sich, ich hatte letzte Woche davon berichtet).


Also können wir wohl auch weiterhin davon ausgehen, dass trotz weltweiter konjunktureller Abschwächung unseren Kraftstoffen irgendein Öl oder Alkohol aus nachwachsenden Rohstoffen beigemischt wird.

Meine Meinung zum Mais-Ethanol ist nicht die beste, aber das soll heute wirklich nicht Gegenstand der Überlegung sein. Widmen wir uns also der interessanten Idee:

Öl aus Algen

Ja, auch Algen produzieren aufgrund der Photosynthese, also bei der Umwandlung von CO2 in O2 unter Verwendung von Sonnenenergie pflanzliches Öl. Und zwar ein sehr hochwertiges Pflanzenöl, das bis zu 50% des Trockengewichts der Alge ausmacht.

Dieses Öl, kann natürlich wie die meisten pflanzlichen Öle als Grundstoff für die Herstellung von Biodiesel genutzt werden.

Was mir an der Sache gefällt sind erstens die geringen Kosten und zweitens die hohe Energieeffizienz. Die Algen werden in Plastiksäcken in Gewächshäusern gezüchtet. Sie stehen also nicht in Konkurrenz zur Nahrungsproduktion. Auf den Einsatz von Düngemitteln, Pestiziden und schweren Landmaschinen wird gänzlich verzichtet.

Auch die benötigte Landfläche ist im Vergleich gering. Das US-Energieministerium hat berechnet, dass eine Algen-Anbaufläche von 40.000 Quadratkilometer ausreichen würde um die gesamte USA mit Treibstoff zu versorgen. Klingt eigentlich nach viel Landmasse, aber im Vergleich ist das gering, bedenkt man das gegenwärtig etwa 280.000 Quadratkilometer in den USA mit Mais bepflanzt werden, der ja auch schon zu einem großen Teil im Tank landet.

Dass die Alge natürlich eine gute Klimabilanz aufweist, da sie ja CO2 aufnimmt, ist mir relativ egal. Viel besser gefällt mir die hohe Energiebilanz, da auf die Kosten fressende Landbestellung verzichtet werden kann. Das einzige was die Alge zum Stoffwechsel braucht ist Sonnenlicht.

Versuchsanlage in Kalifornien will bereits in 3 Jahren den ersten Kraftstoff liefern

Ja, tatsächlich, ein kalifornisches Unternehmen gab bekannt, bis in 3 Jahren den ersten Treibstoff aus Algen liefern zu können. Und zwar soll das gewonnene Öl chemisch vergleichbar mit Light Sweet Crude sein. Bis in 5 Jahren soll das Ganze dann sogar Marktreife erlangen. Die Kosten sollen in etwa vergleichbar sein mit der Förderung von Erdöl aus Ölsand oder Tiefsee-Vorkommen (natürlich variieren die Kosten hier je nach Projekt gewaltig).

Utopie oder die glänzende Idee der Zukunft, wer weiß?!

Auch US-Militär zeigt Interesse

Dem State Department zufolge hat jedenfalls das US-Verteidigungsministerium bereits bei der Industrie angeklopft und nachgefragt, bis wann man denn mit einer kostengünstigen Algenöl-Variante rechnen kann.

Kann ich verstehen! Schließlich gibt allein die Air Force pro Jahr etwa 6 Milliarden US-Dollar nur für Kraftstoffe aus.

Algen-Öl auch für Fluglinien

Bis zu 70% einer Alge kann zu Öl verarbeitet werden. Damit kann man aus Algenmasse bis zu dreißig mal mehr Brennstoff gewinnen, als aus anderen Bio-Kraftstoff-Trägern.

Kein Wunder also, dass sich auch Fluglinien wie die KLM dafür interessieren. KLM hat sich zu diesem Zweck mit einem niederländischen Unternehmen zusammen getan, welches ebenfalls die Erforschung und Nutzung von Algen-Brennstoff verfolgt.

Ob das wirklich alles gelingt, werden wir sehen...interessant bleibt es allemal.


von
Miriam Kraus
Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine gesuchte freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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