Rohstoffe

Betrugsvorwurf gegen Goldman Sachs setzt Rohstoffpreise unter Druck
Von Miriam Kraus | 16. April 2010 | Artikelbewertungen
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In der vergangenen Woche haben sich die Aktienmärkte schwächer entwickelt. Der DAX schloss die Woche mit einem Minus von 1,1%. Der Nikkei verlor im Wochenvergleich 0,9%, während der Shanghai Composite Index 0,47% abgeben musste gegenüber dem Schlusskurs der Vorwoche. Der Dow Jones notiert aktuell mit 0,05% im Minus, nachdem US-Finanztitel am Freitag deutlich unter Druck geraten sind. Die US-Börsenaufsicht SEC beschuldigt die Investmentbank Goldman Sachs des Betrugs im Zusammenhang mit verbrieften Hypothekenkrediten (CDOs).


Konjunkturdaten

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung geht für die deutsche Wirtschaft in 2010 und 2011 von einem moderaten Aufwärtstrend aus. So prognostiziert das Institut für 2010 ein Wirtschaftswachstum von 1,7% und für 2011 ein Wachstum von 1,8%. Der langsame Aufschwung, so das Institut, sei vor allem der weltwirtschaftlichen Erholung geschuldet. Wie das Statistische Bundesamt bekannt gab, hat sich die Zahl der Beschäftigten in Betrieben des Verarbeitenden Gewerbes mit 50 und mehr Beschäftigten im Februar erneut verringert. Die Anzahl der Beschäftigen sank um 242.500 auf 4,9 Millionen.

Wie das US-Handelsministerium mitteilte hat sich das US-Haushaltsdefizit im Februar stärker als erwartet vergrößert. Die US-Verbraucherpreise sind im März leicht angestiegen. Der Verbraucherpreisindex weist einen Anstieg von 0,1% gegenüber dem Vormonat aus. Dagegen sind die US-Einzelhandelsumsätze im März überraschend um 1,6% gegenüber dem Vormonat, stärker als erwartet gestiegen. Dagegen hat sich allerdings die Situation im US-Arbeitsmarkt in der Vorwoche deutlich verschlechtert. So hat sich die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe um 24.000 auf 484.000 erhöht. Prognostiziert worden war zuvor ein Rückgang. Die US-Industrieproduktion ist im März mit deutliche vermindertem Tempo gestiegen. Die FED meldete einen Anstieg von 0,1% gegenüber dem Vormonat. Prognostiziert wurde zuvor ein Anstieg um 0,7%. Auch die Kapazitätsauslastung der US-Industrie lag mit 73,2 % unter den Prognosen. Die FED New York gab dagegen für April eine Verbesserung der allgemeinen Geschäftstätigkeit im Verarbeitenden Gewerbe in New York bekannt. Die FED Philadelphia ermittelte zudem einen Anstieg des Geschäftsklimaindex für April. Einer Untersuchung der Uni Michigan zufolge, hat sich allerdings die Stimmung der US-Verbraucher im April verschlechtert. Der entsprechende Index sank auf 69,5 Punkte.

China hat im März überraschend einen Überschuss bei den Importen zu verbuchen. Das Außenhandelsdefizit in Höhe von 7,24 Milliarden US-Dollar ist das erste seit April 2004. Für das gesamte erste Quartal 2010 weist die Statistik allerdings nach wie vor einen Überschuss bei den Exporten aus.

Griechenland

Am vergangenen Wochenende habe sich die Eurozonen-Mitglieder auf einen Notfallkreditplan für Griechenland geeinigt. Rund 30 Milliarden Euro werden die Eurozonen-Mitglieder dem gebeutelten Griechenland im ersten Jahr (2010) des 3 Jahre währenden Notfallplans leihen - zu 5% verzinst. Sollte Griechenland tatsächlich die gesamte Summe benötigen, würden schätzungsweise 8 Milliarden Euro aus Deutschland, 6 Milliarden Euro aus Frankreich, 5,5 Milliarden Euro aus Italien und jeweils weniger als 1 Milliarde Euro aus den kleinen europäischen Volkswirtschaften an Griechenland fließen. Im ersten Jahr wohlgemerkt! Konkrete Pläne oder Äußerungen bezüglich weiterer Kredite in den beiden Folgejahren gibt es noch nicht. Zudem wird der Internationale Währungsfonds weitere 15 Milliarden Euro beisteuern. Kurzfristig reagierten die Märkte mit Erleichterung.

Doch, das Enttäuschungspotenzial ist nach wie vor hoch. Der Fokus ruht dabei vor allem auf den Anleihen mit längerer Laufzeit. Investoren dürften sich dessen bewusst sein, dass im Fall der Fälle (also sollte Griechenland von dem EU/IWF-Notfallplan Gebrauch machen) der IWF vor anderen Gläubigern an erster Stelle steht, wenn es um die Rückzahlung geht. Dementsprechend sind die Renditen auf griechische Anleihen mit längerer Laufzeit immer noch sehr hoch. Obgleich die Ausgabe von griechischen Staatsanleihen mit kürzerer Laufzeit am Dienstag relativ erfolgreich war, leiden gerade Anleihen mit längerer Laufzeit weiterhin deutlich. So stiegen gestern die Renditen auf griechische Anleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren auf 7,31% - ein Wert der deutlich über dem Level liegt, welches Investoren, noch vor der Ankündigung des EU/IWF-Rettungsplans, eingefordert hatten. Daraufhin wurde bekannt gegeben, dass Griechenlands Premier Papandreou sich mit EU und IWF zu Gesprächen treffen will. Gegenstand der Gespräche? Man kann es sich wohl vorstellen, obwohl von griechischer Seite nach wie vor betont wird, man wolle seine Probleme lieber selbst lösen. Dennoch fragt Griechenland ganz offiziell nach präziseren Details des Notfall-Kreditplans. Man will wohl vorbereitet sein...und die Marktteilnehmer fragen sich indessen wohl nicht mehr nur, wann Griechenland die Hilfe annehmen wird, sondern auch ob die potenziellen Gläubiger, dann auch geschlossen zu ihrem Wort stehen (können). In Deutschland (und hierbei handelt es sich nun einmal um das Land, welches den Löwenanteil des EU-Kredits tragen wird) existiert nach wie vor eine starke Opposition gegen diesen Rettungsplan. Zudem rücken weiterhin die übrigen hoch verschuldeten Länder der Euro-Zone in den Fokus der Medien.

Währungen

Alles in allem bleibt auch das Enttäuschungspotenzial für den Euro hoch. Während EUR/USD, dank Bekanntgabe des Rettungsplans, zur Wochenmitte hin noch deutlich zulegen konnte und zwischenzeitlich bei über 1,3662 handelte, setzte wiederum die Bekanntgabe der kommenden Gespräche zwischen Papandreou und EU/IWF, mit der steigenden Wahrscheinlichkeit, dass der Notfallkreditplan tatsächlich in die Tat umgesetzt wird, das Währungspaar zum Ende der Woche erneut deutlich unter Druck. EUR/USD notiert aktuell bei 1,3492.

Rohstoffe Wochenrückblick: Energie und Metalle

Energie

Das europäische Referenzöl Brent Crude handelt in dieser Woche interessanterweise wieder mit Aufschlag gegenüber dem amerikanischen Referenzöl WTI. Normalerweise handeln die WTI-Preise mit leichtem Aufschlag gegenüber Brent. Es ist davon auszugehen, dass dies auf eine höhere Nachfrage nach dem Nordseeöl zurückzuführen ist.

Dagegen sind die WTI-Ölbestände am nordamerikanischen Knotenpunkt Cushing in den letzten Wochen weiterhin angestiegen. Dem US-Energieministerium zufolge lagen die US-Rohölbestände in der vergangenen Woche um 5,1% über dem 5-Jahres-Durchschnitt. Weiterhin belastend wirken sich auch die schwachen US-Arbeitsmarktdaten aus.

Darüber hinaus bewegten sich die Ölpreise im allgemeinen weiterhin in Korrelation zur EUR/USD-Entwicklung.

Am Freitag setzte dann der Betrugsvorwurf der SEC gegenüber Goldman Sachs die Ölpreise im Besonderen und die Rohstoffpreise im Allgemeinen zusätzlich unter Druck. Goldman Sachs ist die größte Rohstoff-Maklergesellschaft gemessen am Kapital.

Brent Crude zur Lieferung Juni, das am Donnerstag noch ein 18-Monats-Hoch bei über 89,25 US-Dollar pro Barrel erreicht hatte, fiel heute deutlich ab und notiert aktuell bei 85,55 US-Dollar pro Barrel an der ICE Futures Exchange in London.

WTI zur Lieferung im Mai, gab von über 86 US-Dollar am Mittwoch deutlich ab und notiert aktuell bei 82,89 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX.

Metalle

Edelmetalle

Der Goldpreis bewegte sich aufgrund der starken Nachfrage in dieser Woche zunächst stabil zwischen 1.155 und 1.160 US-Dollar pro Feinunze.

Am Freitag brach der Preis dann im New Yorker Handel deutlich ein, bis auf 1.130 US-Dollar. Ich gehe davon aus, dass dies nur zum Teil auf die EUR/USD-Entwicklung zurückzuführen ist.

Hier belastet stattdessen vor allem der Betrugsvorwurf gegenüber der Investmentbank Goldman Sachs. Die US-Börsenaufsicht wirft der Bank unter anderem vor, Investoren nicht mitgeteilt zu haben, dass der Hedge-Fonds Paulson & Co. gegen CDOs gewettet habe und die Auswahl von Wertpapieren für Portfolios beeinflusst gewesen sei. Sowohl Paulson & Co. als auch Goldman Sachs, sind zwei der größten Anteilseigner am weltweit größten Gold-ETF SPDR Gold Trust. Die Marktteilnehmer sind nun besorgt, dass aufgrund der Geschehnisse größere Asset-Abverkäufe eben auch in den Rohstoffmärkten und aufgrund der hohen Beteiligung der beiden Finanzunternehmen am Gold-ETF, eben auch im Goldmarkt bevorstehen könnten.

So fallen die Rohstoffpreise und insbesondere der Goldpreis heute schier aufgrund der Angst vor dem unbekannten. Viele Marktteilnehmer bleiben heute zudem an der Seitenlinie.

Der Goldpreis notiert aktuell bei 1.135 US-Dollar pro Feinunze in New York. Der London Gold Fix PM wurde heute bei 1.151,50 US-Dollar pro Feinunze festgesetzt.

Basismetalle

Die Industriemetallpreise, die sich die Woche über eher seitwärts bewegten (mit Ausnahme von Nickel, das weiterhin zulegen konnte) gerieten am Freitag ebenfalls unter Druck.

Dies ist aber vor allem auf Neuigkeiten aus China zurückzuführen. Da die Grundstückspreise in China im März so schnell gestiegen sind, wie nie zuvor, kündigte Peking Maßnahmen zur Abkühlung des Immobilienmarktes an.

Hinzu kommt, dass - nach Angaben des Nationalen Statistikbüros - die chinesische Metallproduktion im März deutlich gestiegen ist. Damit dürften sich die weltweiten Lagerbestände weiter erhöhen.

Kupfer notiert aktuell bei 3,50 US-Dollar pro Pfund an der COMEX.


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