Rohstoffe Wochenrückblick Teil I
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 6. Juni 2008, 20:00 Uhr
ENL5454
Energie
In dieser Woche trat das unverhoffte und dennoch als Möglichkeit erwartete Szenario ein. Wie erwartet setzen die Rohölpreise zunächst ihren Abwärtstrend weiter fort um zum Ende der Woche aufgrund einer - wie in der letzten Woche als unerwartete Möglichkeit angegebenen - erneuten EUR/USD-Aufwertung wieder massiv zuzulegen.
Fundamental unterstützt wurde in dieser Woche das Bärenlager. Denn in den USA erweist sich die Kraftstoffnachfrage weiterhin als rückläufig. Die hohen Preise an den Zapfsäulen lassen nicht einmal mehr den traditionellen Mehrverbrauch durch die Summer Driving Season zu. Laut MasterCard sei der Benzinverbrauch in den USA in der letzten Woche um weitere 4,7 % gefallen. Dem US-Energieministerium zufolge war der Kraftstoffverbrauch im Mai um 1,1 % niedriger als im Vorjahr. Doch nicht nur die Autofahrer drücken die Nachfrage. Auch vielen US-Airlines sind die Preise inzwischen zu hoch. Mehrere Fluglinien fahren ihre Inlandskapazität zurück, oder grounden mehrere Flugzeuge.
Auch die Lagerbestandsdaten sprechen für die Rohölbären. Laut US-Energieministerium sind die Benzinvorräte in der vergangenen Woche um 2,94 Millionen Barrel gestiegen. Die Destillatsbestände um 2,28 Millionen Barrel.
Zudem steigen auch in Asien weiter die Preise. Nun hat auch Indien eine Anhebung der Verbraucherpreise für Benzin, Diesel und Kochgas bekannt gegeben.
Weitere Unterstützung fand der Abwärtstrend der Rohölpreise durch den Beginn der Untersuchungen des Geschehens an den Rohölfutures-Börsen durch die CFTC. Die Börsenaufsicht untersucht ob der massive Preisanstieg auf Manipulationen im Handel zurückzuführen ist.
Massiv unterstützt wurde der Rohölpreisrückgang dann schließlich vor allem durch die neue strategische Ausrichtung der FED. Am Dienstag hatte FED-Chef Bernanke die Bekämpfung der Inflation als neue Strategie auf die Agenda der Notenbank gesetzt. Ziel sei es vor allem die Preisstabilität zu erhalten und - auch ganz neu - den schwachen US-Dollar zu unterstützen. Diese Strategie ist neu für die FED und wird als ein Signal für das Ende der Zinssenkungsserie gewertet. Dadurch erhielt der US-Dollar neue massive Unterstützung, die sich in Negativ-Korrelation auf die Rohölpreisentwicklung auswirkte.
So fiel der Preis pro Barrel Light Sweet Crude gestern bis auf 121,60 US-Dollar.
Doch dann wurde die schwache Preisentwicklung unterbrochen. Auslöser dafür war eine Rede des EZB-Präsidenten Trichet. Auch Trichets Priorität ist nach wie vor und in erster Linie die Eindämmung der steigenden Teuerungsrate. Trichet gab allerdings in seiner gestrigen Rede eine Anhebung des Leitzinssatzes sei in absehbarer Zeit möglich. Bislang hatte die EZB ihren Leitzins konstant gehalten.
Das Ergebnis dieser Rede war eine erneute Abschwächung der US-Währung gegenüber dem Euro. Durch Trichets Rede war praktisch die gesamte Unterstützungsarbeit für den USD durch Bernanke wieder zunichte gemacht worden.
In Korrelation zur weitere EUR/USD Aufwertung zogen auch die Rohölpreise wieder massiv an.
Unterstützung fanden die Rohölbullen zudem durch eine Verschärfung des Konflikts im Nahen Osten, als Israels Transportminister Mofaz einer israelischen Tageszeitung gegenüber bemerkte, Israel werde den Iran angreifen müssen, wenn dieser nicht sein Atomprogramm einstelle. In Nigeria bereiten sich offensichtlich die Arbeiter bei Chevron auf einen Streik vor.
Gegenwärtig notiert WTI im Julifuture bei 134,40 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX. Brent Crude zur Lieferung im Juli notiert gegenwärtig bei 133,41 US-Dollar pro Barrel an der ICE Futures Exchange in London.
Metalle
Edelmetalle
Wie erwartet setzten die Goldpreise zunächst bis zur Wochenmitte hin ihre schwächere Tendenz weiter fort.
Ausschlaggebend dafür war die Korrelation zu den Rohölpreisen einerseits und die Negativ-Korrelation zur US-Dollar-Entwicklung auf der anderen Seite. So schloss Gold auf dem Spotmarkt gestern in New York noch bei 878 US-Dollar pro Feinunze.
Heute setzte allerdings dann wieder ein neuer Aufwärtstrend ein. Unterstützung erhält dieser durch mehrere Faktoren: zum einen durch die bereits oben genannte Korrelation zu den Rohölpreisen, ebenso wie zur EUR/USD-Entwicklung. Zum anderen aber treiben nun auch wieder wachsende Inflationsängste die Goldpreisentwicklung an.
Gold zur Lieferung im Juli notiert gegenwärtig bei 898, 40 US-Dollar pro Feinunze an der NYMEX. Gold auf dem Spotmarkt notiert gegenwärtig bei 893,90 US-Dollar pro Feinunze in New York. Der London Gold FIX PM wurde heute bei 890,50 US-Dollar pro Feinunze fest gesetzt.
Basismetalle
Auch die Kupferpreise bewegten sich in dieser Woche wie erwartet in hoher Korrelation zu den Rohölpreisen. So gaben auch sie zunächst weiter ab. Der Julifuture fiel gestern bis auf 3,51 US-Dollar pro Pfund an der NYMEX.
In ebensolcher Korrelation zogen auch die Kupferpreise, im Zuge steigender Rohölpreise und US-Dollar-Abschwächung heute wieder massiv an.
Kupfer zur Lieferung im Juli notiert gegenwärtig bei 3,62 US-Dollar pro Pfund an der NYMEX.
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