Rohstoffe Wochenrückblick: Energie und Metalle
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 13. Februar 2009, 20:00 Uhr
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Liebe Leser,
diese Woche war wieder einmal geprägt von starken Stimmungsschwankungen" an den Märkten.
Zu Beginn der Woche verunsicherte zunächst US-Finanzminister Timothy Geithner mit seinen Plänen für einen Public Private Investment Fund und enttäuschte damit die Bad Bank Hoffnungen, die sich zum Teil auch am schwedischen Modell während der schwedischen Immobilienkrise orientiert hatten. Das von Geithner vorgestellte Modell sieht vor, dass der Staat mit Hilfe von Kapital und Finanzierungsanreizen, privates Kapital "nutzt" um die toxischen Immobilien-Assets aus den Büchern der Banken "herauszuschmelzen". Ohne dass der Staat eben diese zu 100% aufkauft. In Schweden hatte man damals während der Immobilienkrise einen privat geführten Fonds gegründet der erst alles aufgekauft hatte und danach dann private Investoren ins Boot geholt hatte.
Dies führte zu Verunsicherung in Bezug auf die Geschwindigkeit bei der Umsetzung der Pläne.
Ähnliche Enttäuschungen rief der US-Kongress mit seinen Debatten in Bezug auf das geplante Konjunkturprogramm hervor. Zwar hatte der Senat ein Konjunkturpaket in Höhe von 838 Milliarden US-Dollar verabschiedet, doch mittlerweile geht man davon aus, dass das Repräsentantenhaus für ein Konjunkturpaket mit der Gesamtsumme von 789 Milliarden US-Dollar votieren wird.
Wenn auch die Differenz in der Höhe des Pakets nicht genügen Begründung für die Verunsicherung liefert, so ist es ähnlich wie beim Bad Bank Plan das Fehlen signifikanter Details, ebenso wie die Verunsicherung darüber, wann das Konjunkturprogramm überhaupt erste Auswirkungen auf die Realwirtschaft zeigen wird, die zur Enttäuschung beigetragen haben.
In der Nacht von Donnerstag auf Freitag hat sich die Stimmung wieder leicht aufgehellt. Australasien begann die Runde mit steigenden Aktienmärkten. Der australische Senat hat letzte Nacht nun doch ein 42 Milliarden AUD umfassendes Konjunkturpaket gebilligt, was sich positiv für Aussie und Kiwi abzeichnete.
Die chinesische Wirtschaft zeigt zudem Anzeichen einer beginnenden Erholung, nachdem bereits die zweite Tranche des Konjunkturprogramms angelaufen ist. Einer Bloomberg-Umfrage zufolge erwartet der Konsens für das zweite Quartal ein BIP-Wachstum von 6,6 % nachdem für das laufende Quartal ein Wachstum von 6,3 % prognostiziert wird. Den Daten der Peoples Bank of China zufolge hat sich das Kreditvergabe-Volumen im Januar gegenüber dem Rekordvolumen des letzten Jahres bereits mehr als verdoppelt, was in besonderer Weise die Anstrengungen der chinesischen Zentralregierung unterstützt.
Aus den USA wurde immerhin berichtet, dass Kapital für die Reduktion der Mortgage Zinsen und für Kreditumschuldungen bereit gestellt wird. Was allerdings im Grunde nichts Neues ist, da der Financial Stability Plan bereits 50 Milliarden USD für den Housing Markt vorsieht.
Jedenfalls steigt der Risikoappetit graduell wieder an! Investoren zeigen wieder erstarkendes Interesse an chinesischen Aktien. Am 11. Februar sind die Aktienmarkt-Transaktionen auf den höchsten Stand der letzten 3 Jahre gestiegen. Der Shanghai Composite Index konnte 3,2 % zulegen.
USD/JPY als Stimmungsindikator konnte am Freitag wieder stark zulegen und notiert aktuell bei 91,82.
Energie
Der Nearby-Future auf WTI, für Rohöl zur Lieferung im März geriet im Wochenverlauf aufgrund der schlechten Stimmungsindikatoren massiv unter Druck und notierte im Tief gestern bei 33,50 US-Dollar pro Barrel.
Nach wie vor werden zudem Zweifel an der Umsetzungsfähigkeit der Produktionskürzungen durch die OPEC laut. Während der algerische Ölminister Khelil davon spricht, dass bereits 85% der geplanten Förderkürzungen umgesetzt worden seien, schätzt beispielsweise Oil Movements, dass die OPEC bislang nur rund 50% der geplanten Förderkürzungen umgesetzt hat.
Nichts desto trotz zeigt insbesondere nach wie vor die starke Preisdifferenz der WTI-Nearby-Futures zum darauf folgenden WTI-Future, wie auch zum Nearby-Future auf Brent Crude, dass der März-Future auf WTI weniger die tatsächliche fundamentale Datenlage am Ölmarkt widerspiegelt als vielmehr die aktuellen Stimmungsschwankungen.
Aktuell notiert WTI zur Lieferung im März bei 35,78 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX.
Der April-Future auf WTI notiert dagegen bereits bei 41,80 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX.
Wohingegen Brent Crude zur Lieferung im April (Nearby)an der ICE Futures in London gegenwärtig bereits bei 45,05 US-Dollar pro Barrel notiert und damit ein deutlich realeres Bild von der Ölpreisentwicklung liefert.
Metalle
Edelmetalle
Gold konnte in dieser Woche massiv zulegen, aufgrund der allgemein pessimistischen Stimmung und erreichte gestern ein Hoch bei 953 US-Dollar pro Feinunze. Das entspricht dem höchsten Preis seit Juli 2008.
Auch in Euro ist der Goldpreis auf ein neues Rekordhoch bei 743 Euro pro Feinunze gestiegen.
Der Preis für 1 Unze American Gold-Eagle hat bereits die 1.000 US-Dollar Marke nach oben durchbrochen und notierte vorgestern bei 1.004,80 US-Dollar.
Die allgemein schlechtere Stimmung unterstützte weiterhin massiv die Investmentnachfrage nach Gold. Der größte Gold-ETF SPDR Gold Trust meldete für diese Woche einen Anstieg der verwalteten Bestände um 100 Tonnen auf ein Rekordhoch von 970,6 Tonnen Gold. Damit wird das vom ETF verwaltete Volumen in absehbarer Zeit die offiziellen Goldreserven der Schweizer Nationalbank übersteigen. Die Schweiz rangiert mit ihren Goldreserven offiziell auf Platz 6 weltweit.
Am Freitag musste Gold dann aufgrund der leicht verbesserten Stimmung, die vor allem aus Asien kam, wieder etwas abgeben.
Aktuell notiert Gold im Spotmarkt bei 939,50 US-Dollar pro Feinunze in New York. Gold zur Lieferung im März notiert gegenwärtig bei 938,70 US-Dollar pro Feinunze an der NYMEX. Der London Gold Fix PM wurde heute bei 935,50 US-Dollar pro Feinunze festgesetzt.
Basismetalle
Auch die Industriemetalle gaben in der von Enttäuschungen geprägten Woche wieder ab, zeigten sich am Freitag allerdings entsprechend der leicht verbesserten Stimmung wieder freundlicher.
Trotz weiterhin wachsender Lagerbestände an der LME bei den meisten Industriemetallen sind es vor allem die Faktoren die eine Prognose bezüglich der künftigen Nachfrage-Entwicklung zulassen, welche die aktuelle Preisentwicklung gestalten.
Erwartungen einer wieder anziehenden Nachfrage als Resultat der Konjunkturprogramme insbesondere in China und den USA treffen dabei auf die aktuell schwache Nachfragesituation.
Konjunkturmetall Kupfer notiert aktuell bei 1,53 US-Dollar pro Pfund im Spotmarkt.
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