Puru Saxena in Investors Daily
vom
In den vergangenen fünf Jahren ist die Mehrheit der Vermögensanlagen im Preis gestiegen, hauptsächlich weil die Zinssätze auf einem Rekordtiefstwert liegen. Wird dieser Boom bei einigen Vermögenswerten andauern, während die anderen Bereiche Deflation oder Korrekturen erfahren?
Um diese Frage klären zu können, müssen wir uns zuerst der Geschichte zuwenden. Der letzte Bullenmarkt bei Rohstoffen erreichte seinen Höchstwert 1980, als die Sorgen wegen einer Inflation weit verbreitet waren und die Zinssätze in den Himmel stiegen. Während der späten Siebziger hat die Öffentlichkeit ihr Barvermögen gegen jeden greifbaren Vermögenswert eingetauscht, den man in die Finger kriegen konnte. In der Folge stiegen die Rohstoffpreise massiv an. Die Goldpreise stiegen auf das Zwanzigfache, Öl stieg von 1,50 Dollar auf 40 Dollar pro Barrel, und die Zuckerpreise stiegen um das 45fache. Das alles passierte in den Siebzigern, weil die Leute das Vertrauen in das Bargeld verloren hatten und deshalb harte, greifbare Vermögenswerte kauften. In der gleichen Zeit befand sich die amerikanische Wirtschaft in einer Rezession, Großbritannien musste vom internationalen Währungsfonds freigekauft werden und die finanziellen Vermögenswerte litten unter einer Depression.
Es ist interessant, dass zwischen 1980 und 1981 die amerikanischen Schatzanleihen als "Zertifikate der Konfiszierung" bezeichnet wurden. Gleichzeitig verkauften sich die amerikanischen Aktien zu einem Kurs-Gewinn-Verhältnis unter 10, während ihre Dividendenrendite bei über sechs Prozent lag. Nachdem die gesamte Welt überzeugt zu sein schien, dass Bargeld auch weiterhin an Wert verlieren würde, interessierte sich auch niemand mehr für Anleihen, und das ganze Geld ging in die Rohstoffe.
Um diese Inflationsängste zu besänftigen und Bargeld wieder attraktiver werden zu lassen, erhöhte die US-Zentralbank die Zinssätze aggressiv. 1981 erreichten die Leitzinsen mit 19 Prozent (!) ihren Höchstwert. Damals litten die Anleihen unter einer massiven Depression und (im Nachhinein) stellten sie sich als eine hervorragende Investition heraus. Die Anleihen begannen 1981 einen Bullenmarkt, und in den nächsten 24 Jahren machten die Anleiheninvestoren ein Vermögen.
Dieser Trend hat für die finanziellen Vermögenswerte wie Anleihen und Aktien offensichtlich einen Auftrieb bedeutet. Heute liegen die Zinssätze immer noch relativ niedrig, sie steigen langsam wieder. Ich bin tatsächlich überzeugt, dass die Zinssätze in den nächsten fünf oder zehn Jahren deutlich höher liegen werden, als heute. Das wird mit Sicherheit einen massiven Druck auf den Bullenmarkt der Anleihen ausüben, der heute schon über zwanzig Jahre andauert.
In der nahen Zukunft erwarte ich, dass die Ängste wegen einer Inflation wieder zunehmen, ebenso wie die Rohstoffe, angefangen beim Öl, sich auf einen Marsch nach
vorn begeben werden. Um es leicht zu machen, ich erwarte, dass die greifbaren Vermögenswerte in den nächsten Jahren wieder mehr geschätzt werden.
Gegenwärtig spricht das Gros der Analysten und Experten über die geringe Inflation und die noch geringeren Zinssätze. Der amerikanische Markt für Staatsanleihen bestätigt die übereinstimmende Sicht, da die Anleihenpreise weiter steigen, obgleich die Renditen extrem niedrig sind. Aber wie können wir wissen, dass die Inflationsängste nicht wieder ausbrechen werden? Da die Ölpreise Rekordniveaus erreicht haben und immer noch steigen, wie können wir da wissen, dass die Zinssätze nicht wieder steigen werden?
Es ist mein fester Glaube, dass der Aktienmarkt bislang den deutlich höheren Ölpreis noch nicht widerspiegelt. Das Establishment hat seine Sache gut gemacht, als es den Verbraucherpreisindex dahingehend manipulierte, dass er die Inflation abdeckt. So weit es mich betrifft, sind die veröffentlichen Zahlen des Verbraucherpreisindexes ein Witz – und ein wahrer Betrug. Trotz der Tatsache, dass jeder Amerikaner Geld fürs Wohnen und für Energie ausgibt, haben die Zuständigen, die dieses erstaunliche Gebräu, das unter dem Namen "Verbraucherpreisindex" läuft, zusammenbrauten, die Kosten fürs Wohnen und für Energie nicht in ihre Berechnungen aufgenommen. Indem sie die teuren Posten auf der Liste außen vor lassen, können sie die Welt immer noch in Bezug auf die Inflation betrügen. Wenn die Leute also hören, dass der Verbraucherpreisindex um "nur" drei Prozent angestiegen ist, dann haben sie das Gefühl, dass die Inflation unter Kontrolle ist. Diese Inflationsverwaltung hält die Zinssätze offensichtlich unten, während sich der Anleihenmarkt halten kann.
Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber da, wo ich einkaufe, steigen die Preise immer weiter an. Auch der Preis für Lebensmittel steigt graduell. Hört man auf das Establishment, dann liegt die Inflation bei ungefähr drei Prozent. Nur, wie kann das sein, wenn die Preise viel schneller steigen? Eines Tages wird die Öffentlichkeit aufwachen und den Betrug bemerken. Wenn das passiert, dann werden die Zinssätze höher steigen und der Anleihenmarkt wird einen spektakulären Niedergang aufführen. In diesem Szenario werden auch die Aktien unter Druck geraten, wie sie das für gewöhnlich tun, wenn die Zinssätze steigen.
Kehren wir also zu unserer ursprünglichen Frage zurück: Ich erwarte, dass die finanziellen Vermögenswerte, wie z.B. Aktien und Anleihen, in den kommenden Jahren eine Deflation erleben. Kurzfristig, besonders dann, wenn die Fed anfängt, die Zinssätze zu kürzen, werden die Aktien und die Anleihen vielleicht noch weiter steigen. Aber eine solche Rally könnte abrupt enden, wenn die Zinssätze erst einmal wieder anfangen zu steigen.
Im gegenwärtigen wirtschaftlichen Umfeld fühle ich mich wesentlich sicherer, wenn ich in greifbare Vermögenswerte investiere. In den Siebzigern sind die Rohstoffpreise plötzlich mit den Zinssätzen exponential angestiegen. Jetzt sind die Rohstoffpreise wieder aufgetaucht und das Universum der greifbaren Vermögenswerte wird in den kommenden Jahren vielleicht wieder eine beachtliche Inflation erleben. Bislang waren die Preise für Öl und für industriell nutzbare Metalle die Hauptnutznießer, während die Edelmetalle und die landwirtschaftlichen Rohstoffe noch hinterher hinken.
In den folgenden Monaten erwarte ich, dass auch Gold und Silber im Wert steigen und dass gleichzeitig die Energiepreise eine Korrektur erleben. Landwirtschaftliche Rohstoffe sind heute günstiger als je zuvor, deshalb werden sie vielleicht in den kommenden Zeiten massiv ansteigen.