Rohstoffe - Teil 2 von 2
Jim Rogers in Kapitalschutz Akte zum Thema Rohstoffe
vom 5. Januar 2011, 07:30 Uhr
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Es ist so verrückt. Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, dass Investitionen in Rohstoffe nicht riskanter sind als Investitionen in Aktien oder Anleihen - und zu bestimmten Zeiten im Geschäftszyklus sind Rohstoffe bessere Investitionen als die meisten anderen Dinge, die es gibt.
Einige Investoren machen Geld am Aktienmarkt. Andere machen Geld, indem sie in Rohstoffe investierten, während die Wirtschaft boomte und auch dann wenn sie den Rückwärtsgang einlegte. Und wenn ich die Leute darauf hinweise, dass ihre Technologieaktien deutlich volatiler waren als praktisch jeder Rohstoff im Laufe der Zeit, dann nicken sie höflich und halten schon Ausschau nach der nächsten großen Geschichte bei den Wertpapieren.
Einer der Hauptgründe, warum ich an die Öffentlichkeit gehe, ist die Absicht, die Haltung der Investoren gegenüber den Rohstoffen zu lockern. Es geht mir darum, deutlich zu machen, dass es alle dreißig Jahre einen Bullenmarkt bei Rohstoffen gab, und dass diese Zyklen immer dann auftauchten, wenn sich die Muster von Angebot und Nachfrage bewegten. Ich will, dass die Leute wissen, dass ich kein Genie sein musste, um festzustellen, wann Angebot und Nachfrage so aus dem Ruder geraten waren, dass die Rohstoffpreise davon profitieren.
Es konnte doch nicht so schwer sein deutlich zu machen, dass während Bullenmärkten bei Aktien und Bärenmärkten bei Rohstoffen, so wie bei den letzten in den Achtzigern und den Neunzigern, nur wenige Investitionen in die produktiven Kapazitäten für natürliche Rohstoffe gesteckt wurden. Und dass es, wenn niemand in Rohstoffe investiert oder sich um weitere Rohstoffe kümmert, gar nicht mehr darum geht, wie groß der Überschuss ist und dass es nicht so schwer ist zu verstehen, dass diese Vorräte dann zurückgehen werden und höhere Preise höchstwahrscheinlich die Folge sind.
Der nächste Schritt könnte klarer und logischer in der Wirtschaft nicht sein: D.h. dass im Anbetracht schwindender Vorräte, bei steigender, oder gleich bleibender oder sogar leicht rückgängiger Nachfrage grundsätzlich etwas Beachtliches passiert, und das nennt man einen Bullenmarkt. Aber selbst mit vorzüglichen Argumenten in Sachen Nachfrage und Angebot auf meiner Seite, konnte ich immer noch nicht die Zweifel an der These zerschlagen, dass ohne Rohstoffe kein Portfolio als wirklich diversifiziert bezeichnet werden kann.
Ich konnte meine Argumente auf den Tisch bringen, Beispiele aus meinen eigenen Erfahrungen zitieren, auf historische und gegenwärtige Trends verweisen. Ich hatte es immer noch nicht zu einer wirklich professionellen Analyse gebracht, mit Tabellen und Grafiken, die zeigen, wie sich Rohstoffe gegenüber Aktien und Anleihen verhalten.
Und aus diesem Grund bin ich der Ansicht, dass eine inzwischen sechs Jahre alte Studie aus dem vom Yale School of Management's Center for International Finance mit dem Titel Facts and Fantasies About Commodity Futures" (Fakten und Fantasien über Rohstoff-Futures) ein wirklich revolutionäres Dokument ist. Die Professoren Gary Gorton von der Wharton School der Universität von Pennsylvania und vom National Bureau of Economic Research und Professor K. Geert Rouwenhorst, von der Yale School of Management, haben die Forschungen endlich geleistet und bestätigt, dass:
- seit 1959 die Rohstoff-Futures bessere jährliche Erträge gebracht haben als Aktien und dass sie die Anleihen sogar noch deutlicher überholt haben. Rohstoffe waren auch weniger riskant als Aktien und Anleihen.
- in den Siebzigern Rohstoff-Futures Aktien übertroffen haben; während der Achtziger galt das Gegenteil - das ist ein Beweis für die negative Korrelation" zwischen Aktien und Rohstoffen, die schon vielen von uns aufgefallen ist. Bullenmärkte bei Rohstoffen werden von Bärenmärkten bei Aktien begleitet, und umgekehrt.
- die Erträge aus den Rohstoff-Futures in der Studie in positiver Korrelation" zur Inflation stehen. Höhere Rohstoffpreise waren der Vorbote für allgemein höhere Preise (d.h. Inflation) und dass ist der Grund, warum die Erträge in inflationären Zeiten besser sind, während Aktien und Anleihen schlechtere Ergebnisse zeigen.
- die Volatilität der Erträge von Rohstoff-Futures die sie über einen Zeitraum von 43 Jahren beobachtet haben leicht unter" der Volatilität des S&P 500 im gleichen Zeitraum lag.
- nvestitionen in Rohstoffunternehmen scheinen zwar vernünftig, einen Rohstoff-Bullenmarkt auszuspielen. Es ist aber nicht unbedingt der beste Weg. Die Erträge für Rohstoff-Futures, die in der Studie untersucht wurden, waren wesentlich höher als die Erträge der Aktien in Unternehmen, die diese Rohstoffe produzierten.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Ojlac Kulima (05.01. 2011 13:25 Uhr):
Lieber Herr Rodgers, ich habe ihren Beitrag mit großem Interesse gelesen und stimme grundsätzlich mit ihnen überein. Was ich allerdings vermisse, ist eine klare Aussage warum Investoren keine Investitionen in Rohstoffe machen wollen. Grund 1: Täglich verlieren Tausende von Investoren Millionen weil sie bei Telefonverkäufen mit hohen Gewinnaussichten zu hochspekulativen Investitionen überredet werden. Das Ergebnis: Hohe Verluste und sehr häufig sogar Totalverluste. Beim Erwerb von Aktien sieht es etwas besser aus, allerdings um den Preis, dass Kursentwicklungen häufig nur langsam erfolgen und die Dividend eher mäßig sind. Oder kennen sie einen Fall in dem Dividenden von 15 oder 20% p.a. ausgeschüttet werden unabhängig vom Kurswert der Aktie? Was ist also der Ausweg aus dieser Problematik und vor Allem gibt es einen? Ich behaupte ja!
Antworten - Kommentar von josef schreiber (05.01. 2011 14:54 Uhr):
Guten Tag Herr Rogers. Ich würde eigentlich gerne in Rohstoffe investieren, wenn ich das Thema des "rolling forward" besser verstünde. Ist dieses Thema auch relevant, wenn ich in ETF's investiere, oder fällt dieser Aspekt dann weg? Gibt es überhaupt ETF's (ETC's) auf einzelne Produkte, z.B. Weizen, oder muss immer gleich der gesamte Agri-Market abgedeckt werden? Vielen Dank für eine kurze Antwort. Josef Schreiber.
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