Rohstoffe Börse
Miriam Kraus in Investoren Wissen
vom 27. Juli 2009, 16:00 Uhr
ENL5454
Rohstoffe Wochenrückblick
Auch die vergangene Woche stand wieder ganz im Zeichen des positiven Denkens. Die Aktienmärkte konnten weiterhin deutliche Zugewinne verbuchen und setzten ihre Aufwärtsbewegung fort. Nach wir vor wird diese durch die besser als erwartet ausgefallene Quartalsberichtssaison unterstützt. Bislang haben von den rund 197 S&P-Unternehmen, welche ihre Quartalsberichte vorgestellt haben, rund 74% die Erwartungen übertroffen.
Der DAX konnte im Wochenvergleich mit 5% im Plus schließen, der Nikkei legte 5,8 % zu und der Dow Jones notiert aktuell mit 3,4 % Plus im Vergleich zur Vorwoche.
Weitere Unterstützung erhielt die positive Stimmung durch positive US-Konjunkturdaten. So wurde sowohl ein Anstieg des National Activity Index veröffentlicht, als auch ein Anstieg der Frühindikatoren für Juni. Zudem wurde ein Anstieg der Hypothekenanträge gemeldet, sowie ein Anstieg der US-Häuserpreise.
Auch aus Deutschland wurden wieder positive Daten gemeldet. So berichtet das Ifo-Institut von einem Anstieg des Geschäftsklima-Index von 85,9 im Juni auf 87,3 im Juli.
Trotzdem waren die Kommentare des FED-Chefs Bernanke während seiner Rede vor dem Kongress am Dienstag eher als dovish zu werten. Bernanke warnte, dass trotz einer teilweisen Verbesserung der Lage an den Finanzmärkten, die Erholung der US-Wirtschaft gefährdet sei. Als Gründe nannte er die schwierige Lage bei der Vergabe von Krediten an Unternehmen und Konsumenten, sowie jene am US-Arbeitsmarkt, aufgrund steigender Arbeitslosenzahlen.
Der USD zeigt weiterhin eher die Tendenz zur Schwäche, insbesondere gegenüber den Risikofreudigeren Währungen. So legte CAD gegenüber USD im vergangenen Monat um über 6,7% zu, während EUR/USD in dieser Woche weiterhin in einer breiten Range zwischen 1,41 und 1,43 notiert.
Energie
Im Angesicht der allgemein freudigen Stimmung, bestehender USD-Schwäche und der weiterhin starken Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten legten auch die Erdölpreise in dieser Woche weiter zu.
Erst gestern erreichte WTI ein 3-wöchiges Hoch, um dieses bereits heute wieder zu überschreiten.
Von fundamentaler Sicht aus, bestehen weiterhin wenig gute Gründe, die diese Preisentwicklung rechtfertigen könnten. Obwohl, laut Oil Movements, die OPEC-Exporte in den vier Wochen bis zum 8.August um 1,7% fallen dürften, liegt dies wohl eher an der nach wie vor schwachen Nachfrage. In den USA verzeichnete das Energieministerium in der sechsten Woche in Folge einen Anstieg der Benzin- und Destillatsbestände.
WTI zur Lieferung im September notiert aktuell bei 67,83 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX.
Brent Crude zur Lieferung im September notiert aktuell mit deutlichem Aufschlag bei 69,99 US-Dollar pro Barrel an der ICE Futures Exchange in London.
Metalle
Edelmetalle
Auch der Goldpreis kann in dieser Woche weiter zulegen und hält sich aktuell tapfer über der 950 USD-Marke.
Hier sind neben der Ölpreisentwicklung und den Inflationserwartungen, welche offensichtlich wieder zunehmen, vor allem die Währungsmärkte der treibende Faktor.
Die Negativ-Korrelation zwischen USD und Gold ist mittlerweile im letzten Monat auf 0,8 gestiegen, von 0,5 in den drei Monaten zuvor. Ein Wert von 1 würde bedeuten, dass USD-Rückgang und Goldpreis-Anstieg sich 1:1 bewegen.
Gold im Spotmarkt notiert aktuell bei 952,20 US-Dollar pro Feinunze in New York. Der London Gold Fix PM wurde heute bei 951,50 US-Dollar pro Feinunze festgesetzt.
Basismetalle
Auch für die Industriemetalle war es wieder eine weitere fabelhafte Woche entlang steigender Aktienmärkte und Ölpreise und vor allem aufgrund wachsender Erholungserwartungen.
So erreichte Kupfer ein 9-Monats-Hoch bei 2,51 US-Dollar pro Pfund, nachdem das Ifo-Institut einen Anstieg seines Geschäftsklima-Index gemeldet hatte und Xstrata einen Schaden an seine Collahuasi-Mine in Chile meldete, der möglicherweise einen Produktionsrückgang zur Folge hat.
Kupfer im Spotmarkt notiert aktuell bei 2,49 US-Dollar pro Pfund.
Soft Commodities
Die USDA bescherte Mais und Sojabohnen (Weizen bewegte sich in Korrelation dazu) zum Ende der Woche einen deutlichen, zwischenzeitlichen Preishüpfer, nachdem bekannt gegeben wurde, dass eine erneute Anbauflächen-Schätzung auf dem Plan steht.
In ihrer letzten Schätzung vom 30.Juni hatte die USDA einen Anstieg der Maisanbaufläche um 1,2% prognostiziert. Doch aufgrund widriger Aussaatbedingungen (kaltes, nasses Wetter), geht der Markt nun davon aus, dass die neuesten Farmer-Befragungen durch die USDA bis Ende August, zu einer rückläufigen Anbauflächen-Schätzung, sowohl für Mais als auch für Sojabohnen, führen werden.
Mais und Sojabohnen erhielten zusätzliche Unterstützung durch Spekulationen, dass deutlich niedriger Juli-Temperaturen als normal in den Anbaugebieten, die Erträge schmälern könnten.
Mais zur Lieferung im Dezember stieg von 3,16 US-Dollar am Mittwoch bis auf 3,38 US-Dollar am Donnerstag und notiert aktuell bei 3,27 US-Dollar pro Scheffel an der CBOT.
Sojabohnen zur Lieferung im November stiegen von unter 9 USD am Dienstag auf 9,35 US-Dollar am Donnerstag und notieren aktuell bei 9,14 US-Dollar pro Scheffel an der CBOT.
Ausblick
Wie gesagt, halte ich den starken Anstieg der Erdölpreise fundamental im Moment nicht für gerechtfertigt. Doch so lange die Quartalsberichtssaison die Aktienmärkte massiv unterstützt, finden auch die Rohölpreise kurzfristig ihre Unterstützungsfaktoren.
Der starke Einfluss der US-Währung auf den Goldpreis dürfte zunächst weiterhin bestimmend sein. Zudem ist, aufgrund des wachsenden Einflusses der Spekulanten bei Stagnation bzw. Abflüssen aus den ETFs (und damit schwindenden Einflusses der Investoren), mit zeitweilig höheren Volatilitäten zu rechnen.
Nach wie vor gehe ich davon aus, dass auch die Rallye in den Industriemetallen, welche nach wie vor mehr durch Erwartungen und Stimmungen getrieben ist, als einen tatsächlichen Verbrauchsanstieg, ein baldiges Ende finden wird. Dies gilt insbesondere für Kupfer, welches in diesem Jahr dank der hohen chinesischen Importe, bereits um über 81% zugelegt hat. Doch diese massiven Importe Chinas bedeuten keinen vergleichbaren Verbrauchsanstieg, sondern vor allem einen wachsenden Lagerbestandsaufbau, wodurch die Gefahr wächst, dass diese Bestände wieder abgebaut werden und die Überschüsse schließlich auf dem Weltmarkt wieder zurückverkauft werden.
Mais und Sojabohnen dürften im Angesicht der Erwartungen für die kommende USDA-Prognose zumindest keine weiteren starken Preisrückgänge verbuchen. Dennoch gilt es in erster Linie die Prognose abzuwarten und auch weitere Einflussfaktoren nicht außer Acht zu lassen: bei Mais beispielsweise die Ethanolnachfrage.
So long liebe Leser...das war es wieder einmal für diese Woche...ich wünsche Ihnen noch ein angenehmes und hoffentlich sommerliches Wochenende und bis zum nächsten Montag, wenn wir uns wiederlesen....
Ihre Miriam Kraus
Belehrung:
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