Rohstoff-Explorer und ihre Börsen-Umsätze
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 14. Mai 2010, 12:00 Uhr
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Thema Rohstoff-Explorer.
Am Montag hatte ich begonnen, Ihnen Hinweise zur Analyse von Rohstoff-Explorern zu geben. Den Begann machte der Punkt „PR-Politik". Ich schrieb danach: „Ich werde in lockerer Folge weite Punkte zur Bewertung von Rohstoff-Explorern bringen."
Heute der Punkt: Die Umsätze mit Explorer-Aktien.
Die meisten Rohstoff-Unternehmen haben ihre Heimatbörse im Ausland. Das Börsenlisting an einer deutschen Börse ist fast immer nur ein Zweitlisting. Das gilt auch für die Rohstoff-Unternehmen und die Explorer. Diese kommen zu einem Großteil aus Kanada, Australien und den USA.
Gegen ein Zweitlisting ist nichts einzuwenden. Viele Unternehmen aus Europa oder den Emerging Markets streben neben ihrem ursprünglichen Listing an ihrer Heimatbörse ein Zweitlisting an den großen US-Börsen, z.B. der NYSE, an. Durch das Zweitlisting an einer anderen Börse erschließt sich einem Unternehmen nämlich eine neue Anlegerschaft. So haben inzwischen zahlreiche deutsche Standardwerte ein Zweitlisting an den US-Börsen.
Denn wie Sie wissen, dürfen die mächtigen und finanzstarken US-Pensionfonds aufgrund ihrer Statuten zumeist nicht in Aktien investieren, die nicht an den US-Börsen gelistet sind. Amerikanische Fondsmanager können von einer Bayer-Aktie noch so überzeugt sein - wenn sie nicht in den USA notiert ist und es die Fondsstatuten nicht zulassen, dann dürfen sie die Aktie nicht kaufen. Da macht es für das ausländische Unternehmen natürlich Sinn, sich in den USA listen zu lassen und sich so eine neue und vor allem sehr finanzkräftige Aktionärsschicht zu erschließen.
Fast immer sind die Börsenumsätze an den Zweitbörsen aber deutlich niedriger als an den Heimatbörsen. Das ist ja auch logisch. Es ist ja nur die „zweite" Börse und soll lediglich zusätzliche Aktienkäufer anzuziehen. Der Großteil der Aktionäre, vor allem Großinvestoren und internationale Fonds, kaufen natürlich immer an der Heimatbörse. Denn dort gibt es die höchsten Umsätze und damit fairere Kursstellungen.
Mit diesen Hintergrundinformationen schließt sich jetzt der Kreis zum zweiten Analyseansatz. Hier geht es um die unterschiedlichen Umsätze an der jeweiligen Heimatbörse und in Deutschland. Wenn die Umsätze an der Heimatbörse niedrig sind, aber an den deutschen Börsen um ein vielfaches höher liegen, dann sollten Sie ganz vorsichtig werden.
Liste von Rohstoff-Explorern, deren Umsätze an deutschen Börsen deutlich höher sind als an der Heimatbörse
| Name | ISIN | Umsätze Heimatbörse | Umsätze an umsatzstärkster deutscher Börse |
| xxxxxx Minerals | CAxxxxxxxxxx | 11.000 | 27.650 |
| Xxxx xxxx Resources | CAxxxxxxxxxx | 20.900 | 141.256 |
| Xxxx xxxx Energy | USxxxxxxxxxx | 20.000 | 155.479 |
| Xxxx xxxx Exploration | CAxxxxxxxxxx | 76.500 | 137.270 |
Quelle: Eigenes Research, CortalConsors
Die hier aufgelisteten Unternehmen existieren alle, wie Sie anhand der Umsätze sehen können. Die Aufstellung ist zwar etwas älter, und auch die Namen sind geschwärzt, aber das ist nicht relevant. Es geht "ums Prinzip". Der entscheidende Punkt wird trotzdem klar: Die Umsätze in Deutschland sind um ein x-faches höher als an den Heimatbörsen.
Dies kann ein Warnzeichen sein, dass an den deutschen Börsen eine Aktie kurzfristig gepusht wird. Dafür müssen Sie wissen: Für die Amerikaner (und das gilt auch für viele die Kanadier) hat der deutsche Finanzmarkt kaum eine Bedeutung. Für die ist es wichtig, dass man in dem amerikanischen bzw. kanadischen Markt präsent ist. Deshalb sind die Pressemitteilungen auch nur auf Englisch.
Die typisch amerikanisch ignorante Sichtweise lautet hier: Englisch ist die Finanzsprache Nr.1, und wenn der Rest der Welt diese Meldungen nicht versteht, dann ist das eben das Problem vom Rest der Welt.
Mit einer Ausnahme: Die Explorer. Für die Explorer-Industrie ist Deutschland der wichtigste Kapitalmarkt geworden. Jetzt lehnen Sie sich mal zurück und fragen, warum das wohl so ist? Warum können so viele Explorer die Investoren aus dem eigenen Heimatland von ihren Unternehmen nicht überzeugen, sondern brauchen dafür den tausende Kilometer weit weg gelegenen deutschen Markt? Vergleichen sie also immer die Umsätze an den deutschen Börsen und den Heimatbörsen. Das könnte ein Hinweis sein.
Das war ein weiterer Hinweis zur vernünftigen Analyse von Rohstoff-Explorern.
Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende!
Michael Vaupel