Rohöl-Wächter
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Rohöl als Geldanlage
vom 4. Juni 2008, 07:00 Uhr
ENL5454
Wir wollen uns noch einmal dieses beachtliche Gemälde des Ölmarktes ansehen. Zusätzlich zu dem Bild von Angebot und Nachfrage, passiert auf diesem Bild eine ganze Menge. Auf der einen Seite sind die Zentralbanker - angeführt von Ben Bernanke und der amerikanischen Zentralbank.
Was tun sie dort? Wir wollen genau hinsehen... ach ja, sie scheinen Geld zu drucken! Ja, die Zentralbank - die Hüter der amerikanischen finanziellen Integrität - verleiht Geld für 2% unter der Inflationsrate. (Vermutlich eher für 6% unter der wahren Inflationsrate.)
Und sie lassen zu, dass die Geldmenge um geschätzte 16% im Jahr steigt. Bedenken Sie, wenn die Geldmenge schneller steigt als die Menge der Güter und Dienstleistungen, dann steigen die Preise. Bei einem Bruttoinlandsprodukt, das flach verläuft oder kaum steigt, bedeutet ein 16%iger Anstieg der Geldmenge einen gewaltigen Inflationsdruck.
Und siehe da! Die Preise steigen, genau wie sie sollten. Wollen sie einen Beweis dafür? Fahren Sie doch einfach mal zu einer Tankstelle... oder gehen sie Lebensmittel einkaufen. Wie auf diesen Seiten berichtet, sind die Preise für die Zutaten eines typischen Mittagessens zum Memorial Day in den vergangenen 12 Monaten im zweistelligen Bereich gestiegen.
Und jetzt auch das noch. Gegenüber... was sehen wir da? Eine Gruppe von Wächtern.
Ja, liebe Leser, sie sind zurück... die Wächter... bereit auf ihre Pferde zu steigen und dahin zu reiten, wo sie glauben, dass die Zentralbank zu inflationär handelt. Damals in den Siebzigern und Achtzigern haben sich die Wächter ihre Sporen am Anleihenmarkt verdient.
Sobald sie sahen, dass die Zahlen der Geldmenge daran empor kletterten, schnallten sich die Wächter ihre Gewehre um, und schossen den Anleihenmarkt zu Scherben. Die Anleihenpreise sind gefallen... die Erträge wurden nach oben gezwungen... und damit zwang man die Behörden, sich zurückzuhalten.
Es waren die Wächter des Anleihenmarktes, die die Verantwortlichen in den Siebzigern irgendwann davon überzeugten, dass das Spiel aus ist. Sie hatten immer noch die Macht, die Geldmenge auszudehnen, so wie sie sie in den Sechzigern hatten. Aber sie kamen damit nicht mehr davon.
Als die Wächter die Anleihen fallen ließen, und damit die Zinssätze nach oben trieben, ist die Wirtschaft in einen derartigen Konjunkturrückgang verfallen, dass es die Sache einfach nicht mehr wert war.
Ich habe mich schon gefragt, was mit diesen Wächtern geschehen ist. Die Verantwortlichen haben die Geldmenge um das Doppelte, das Dreifache... und jetzt ein Unendliches Maß schneller als das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts erhöht.
Wie kommt es, dass die Wächter sie damit davonkommen ließen? Wie kommt es, dass der Markt nicht eingestürzt ist? Wie konnten sie immer noch Anleihen kaufen... wussten sie denn nicht, dass sie Geld verlieren würden?
Ich kenne die Antwort immer noch nicht. Vielleicht sind die Wächter alt geworden und zu müde, ihren Revolver umzuschnallen... vielleicht leiden sie mittlerweile unter Alzheimer und wissen nicht mehr, wie es geht.
Aber siehe da!... da sind sie wieder - am Ölmarkt. Sie haben eine Möglichkeit gefunden, wieder etwas finanzielle Disziplin und monetäre Rechtschaffenheit in die Verantwortlichen zu bringen.
Der deutliche Aufwärtstrend bei Öl begann zu ungefähr der Zeit, zu der die Zentralbank anfing, mehr von ihrer Währung zu drucken, den Investmentfirmen Finanzspritzen zu verpassen und den Leitzinssatz zu senken. Die Situation von Angebot und Nachfrage hat sich nicht verändert, aber die Geldsituation hatte sich verändert - und die Wächter konnten das sehen.
Anstatt die Anleihen zu verkaufen... haben sie Öl gekauft.
Höhere Ölpreise bringen die Wirtschaftsaktivität natürlich in eine Krise. Sie sind zusammen mit den fallenden Hauspreisen die beiden Dinge, die die amerikanischen Wirtschaft in einen Konjunkturrückgang treiben. Normalerweise würde eine solche wirtschaftliche Abschwächung zu Leid führen... aber auch zu etwas Erleichterung.
Die Preise, ganz besonders die Ölpreise, sollten fallen. Aber jetzt, tritt uns die Globalisierung - die in all den Jahren der Great Moderation eine solche Freude war - in den Allerwertesten. Die Amerikaner sind gezwungen, ihren Energieverbrauch einzuschränken. Aber die Ausländer nehmen das, was übrig bleibt... und noch etwas mehr. Die Ölpreise wollen einfach nicht fallen.
Und die Verantwortlichen versuchen, das auszugleichen, indem sie die Zinssätze senken und die Geldmenge erhöhen. Sie sind so verzweifelt in ihrem Versuch, die Party weiter in Gang zu halten. Aber da kommen die Rohöl-Wächter. In wenigen Sekunden haben sie den Stecker aus dem Verstärker gezogen und die Zapfanlage ausgeschaltet.
Öl steigt, und die Wirtschaft sinkt weiter.