Rohöl und der Psycho-Effekt der IEA
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohöl als Geldanlage
vom 28. Juni 2011, 20:30 Uhr
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Gönnen wir uns heute einen lockeren Überblick über die Ereignisse an den Rohstoffmärkten in den letzten Tagen.
Energie
Am vergangenen Donnerstag überraschte die Internationale Energie Agentur (IEA) die Welt mit einer unerwarteten Ankündigung: so werden auf Geheiß der IEA nun die strategischen Rohöl-Reserven der Mitgliedsstaaten angegriffen. Rund 60 Millionen Barrel sollen gestaffelt über 30 Tage hinweg freigegeben werden. Rund die Hälfte stammt dabei aus den strategischen Lagern der USA.
Angesichts eines globalen Verbrauchs von derzeit knapp über 88 Millionen Barrel pro Tag, erweist sich zwar ein Zusatzangebot von 2 Millionen Barrel pro Tag eher als Tropfen auf den heißen Stein, doch es geht hier wohl sowieso weniger darum einen ausgetrockneten Markt zu bewässern.
Denn abgesehen davon, dass die Lagerbestände in den OECD-Staaten nach wie vor über ihren Durchschnittswerten liegen, herrscht auf dem Ölmarkt, trotz des Produktionsausfalls durch Libyen (welcher zur Begründung des IEA-Entscheids herangezogen wurde) keine massive Knappheit, sondern nach wie vor eher eine entspannte Lage.
Dementsprechend darf die IEA-Entscheidung unter anderem auch als Antwort auf das fehl geschlagene letzten OPEC-Treffen (wo sich die OPEC-Mitglieder nicht auf eine Erhöhung der Förderquoten einigen konnten) gelten.
Auch wenn sich fundamental betrachtet aktuell eigentlich nicht mehr ereignet hat, als wenn im Sudan ein Sack Kartoffeln umgefallen wäre, konnte sich zumindest kurzfristig ein psychologischer Effekt durchsetzen.
WTI zur Lieferung im August gab vom Hoch am Mittwoch etwas über 6% ab, hält sich aber gut über der 90 US-Dollar-Marke und kann heute schon wieder auf aktuell 91,67 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX steigen.
Brent Crude zur Lieferung im August dagegen gab von seinem Hoch am Mittwoch letzter Woche bis zum Tief am Montag um über 10% ab, befindet sich aber mittlerweile ebenfalls wieder auf Erholungskurs und notiert aktuell bei 108,04 US-Dollar pro Barrel an der ICE.
Ausblick
Der Spread zwischen WTI und Brent hatte sich nach dem Preisrückgang zunächst wieder deutlich eingeengt, da die IEA-Maßnahmen auch der Entlastung der etwas angespannteren Lage in Europa (gegenüber den USA) dienen, mittlerweile aber lässt der psychologische Effekt nach und mit wieder steigenden Preisen, weitet sich auch die Differenz zwischen Brent und WTI, die am Montag noch bei 13 USD gelegen hatte, wieder etwas aus.
Morgen werde ich auf die Entwicklung im Ölmarkt noch einmal gesondert eingehen. Dann werden wir auch die Hintergründe und Auswirkungen der IEA-Maßnahmen noch einmal stärker beleuchten und überlegen, wie sich die Preise weiterhin entwickeln könnten.
Metalle
Edelmetalle
Auch der Goldpreis musste in der vergangenen Woche entlang der Rohölpreise mit abgeben, ebenso der Silberpreis.
Daran vermochten auch die Aussagen von FED-Chef Bernanke nichts zu ändern, der Tiefzins- und Geldpolitik weiter behält, wobei die Prognosen für das US-Wirtschaftswachstum nach unten revidiert worden waren, und davor gewarnt hatte, dass ein Fehlschlag bei der weiteren Finanzierung Griechenlands durch die EU, die weltweiten Finanzmärkte bedrohen würde.
Auch die anhaltend unsicher Lage um Griechenland konnte kurzfristig nicht zur Unterstützung beitragen. Morgen wird das griechische Parlament über das Sparpaket abstimmen, welches die EU zur Bedingung für weitere Finanzhilfen gemacht hatte. Derzeit geht die Mehrheit der Marktteilnehmer aber, trotz anhaltender Proteste und Streiks in Griechenland, davon aus, dass das Paket abgesegnet werden wird.
So fiel der Goldpreis in USD von seinem Hoch bei 1.558 US-Dollar pro Feinunze am vergangenen Mittwoch auf 1.491 USD im Tief am Montag. Seitdem kann sich der Goldpreis in USD dank eines wieder etwas schwächeren US-Dollar und entlang der wieder steigenden Rohölpreise erholen und notiert aktuell bei 1.500 US-Dollar pro Feinunze. Der Goldpreis in Euro fiel von seinem Hoch bei 1.082 Euro in der letzten Woche bis unter die Marke bei 1.050 USD und notiert aktuell bei 1.044,84 Euro pro Feinunze.
Der Silberpreis in USD, immer etwas stärker betroffen und volatiler als der Goldpreis, verlor von seinem Hoch bei 36,74 US-Dollar pro Feinunze letzten Mittwoch bis zum Tief bei 33,34 US-Dollar pro Feinunze am Montag und notiert aktuell leicht erholt bei 33,71 US-Dollar pro Feinunze.
Ausblick
Wie ich schon Ende des vergangenen Jahres schrieb, müssen wir uns generell auf volatilere Bewegungen an den Märkten einstellen, wobei die Gegenbewegung im Gold mit einem Verlust von um die 3% eigentlich nicht besonders stark ausfiel. Silber, generell etwas dynamischer und von mehr Faktoren abhängig als Gold, verbuchte mit über 8% einen höheren Verlust. Allerdings ist die fundamentale Ausgangslage, mit der anhaltenden Unsicherheit hinsichtlich der Schuldenproblematik vieler Staaten, der anhaltenden Tiefzinspolitik, den sich abschwächenden Wachstumserwartungen und der nach wie vor hohen physischen Nachfrage (insbesondere auch in China), weiterhin hervorragend für Gold (und im Fahrwasser auch Silber) und sollte die Preise wieder unterstützen.