Rohöl – Jahresrückblick 2009
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 7. Januar 2010, 20:00 Uhr
ENL5462
heute möchte ich nun, wie am Dienstag angekündigt, mit meiner neuen Beitragsreihe zu einem gesonderten Jahresrück- und Ausblick für die wichtigsten Rohstoffklassen beginnen.
Obgleich ich, wie bereits gesagt, für das Gesamtjahr 2010 eher von einer gewissen Ernüchterung ausgehe (vor allem im Vergleich zu 2009), erfordert dieser Eindruck doch eine differenziertere Betrachtungsweise für die einzelnen Rohstoffmärkte. Denn obgleich sich eine generelle Tendenz nie von der Hand weisen lässt, muss doch jeder Markt anhand der jeweiligen Erwartungshaltung, sowie der jeweiligen fundamentalen Ausgangslage selbstständig betrachtet werden.
Zudem bin ich davon überzeugt, dass in 2010, trotz eines generellen Trends, die gezielte Selektion wichtiger werden wird.
Beginnen möchte ich nun heute mit dem Energiekomplex und hier an erster Stelle natürlich mit dem Erdöl.
Erdöl in 2009 - getrieben durch Liquidität und Erwartungshaltung
Wir alle wissen, dass in einem Markt oft genug die jeweils aktuellen, vorherrschenden realen Verhältnisse ignoriert werden. Stattdessen setzen die Marktteilnehmer bisweilen richtiggehend euphorisch oder zu Tode betrübt auf eine langfristige Erwartungshaltung, die sich dann im Preis niederschlägt.
Erweist sich die Erwartungshaltung im Laufe der Zeit als "richtig", kann sich der Trend fortsetzen. Tritt dagegen ein Umstand ein, der die Erwartungen verändert schlägt mit Macht die Realität zu, was zu einer sehr raschen und plötzlichen Preisanpassung führen kann.
Mitte 2008 erreichte der Preis für ein Fass Rohöl bereits 147 US-Dollar - obwohl die Weltwirtschaft bereits auf Talfahrt war und sich die US-Wirtschaft schon längst in einer Rezession befand.
Eine Preisspitze, die genauso nach oben übertrieben wurde, wie das Preistief Anfang 2009 bei 32,70 US-Dollar pro Barrel nach unten übertrieben wurde. Ich erinnere mich, dass damals schon viele ein Preisziel bei 20 US-Dollar anvisiert hatten - ein Preislevel allerdings, welches ich schon damals für genauso unrealistisch hielt, wie die zuvor geäußerten Prognosen von einem Ölpreis bei 200 US-Dollar im Jahr 2008.
Seit dem Tief im Januar 2009 hat sich der Ölpreis stetig und standhaft deutlich erholt. Um 79% ist der Preis im vergangenen Jahr gestiegen. Und auch nach der kurzen Korrekturphase im Dezember notiert der Preis aktuell schon wieder nahe der 83 US-Dollar-Marke.
Denn die Erwartungen, vor allem an die Dynamik der Emerging Markets - und allen voran China - ist hoch. Im November importierte China rund 17,1 Millionen Barrel an Erdöl - das entspricht einem Anstieg von 28% gegenüber dem Vorjahr. Damit ist China nun die weltweite Nummer 3 der Rohölimporteure - nach den USA und Japan. Auf der anderen Seite baut China aktuell seine strategischen Lagerbestände aus. Und weltweit befinden sich die Lagerbestände überhaupt auf rekordhohem Niveau. Anstelle eines Angebotsdefizits, herrschen aktuell wachsende Überschüsse vor. Doch - wie gesagt - die Erwartungen sehen wieder anders aus.
Neben der positiven Erwartungshaltung sehe ich persönlich allerdings noch einen weiteren Grund für die deutliche Aufwärtsbewegung das Vorhandensein von ausreichend, oder besser gesagt, einem hohen Maß an Liquidität.
So long liebe Leser....so viel einmal für den Anfang...am kommenden Montag geht es weiter mit dem Erdöl- Ausblick für 2010...im 2.Teil möchte Sie noch einmal mein Kollege Andreas Lambrou, diesmal in seiner Eigenschaft als Chefredakteur des Rohstoff-Investor-Börsenbriefs, im Neuen Jahr willkommen heißen....morgen gibt's an dieser Stelle - wie gewohnt - den ersten Wochenrückblick des Neuen Jahres...damit möchte ich mich für heute von Ihnen verabschieden und wünsche Ihnen noch einen schönen Abend...bis morgen
Ihre Miriam Kraus
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