Rohöl – Jahresausblick 2011
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohöl als Geldanlage
vom 12. Januar 2011, 20:00 Uhr
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Nachdem wir uns gestern einen Rückblick auf die Entwicklung im Rohölmarkt im vergangenen Jahr 2010 gegönnt haben, wollen wir uns heute den Aussichten für 2011 widmen.
Betrachten wir zunächst Angebot und Nachfrage:
Das Öl-Angebot in 2011
Im vergangenen Jahr konnte das Angebot weiter ausgeweitet werden, nicht zuletzt auch seitens der Nicht-OPEC-Fördernationen. Eine Entwicklung, die sich nach Schätzung der EIA (US Energy Information Administration) auch in diesem Jahr fortsetzen dürfte, allerdings nicht mehr so stark wie im vergangenen Jahr. Die EIA geht zwar davon aus, dass China, Brasilien und Kanada ihre Produktion ausweiten dürften, allerdings mit weiterhin rückläufiger Produktion in Mexiko und UK zu rechnen ist.
Generell sollte man sich aber auch vor Augen halten, dass gerade die Nicht-OPEC-Förderer deutlich höhere Preise von mindestens über 80 US-Dollar pro Barrel Öl benötigen, damit sich Investitionen in die Ausweitung rentieren.
Für die OPEC lässt sich schwer sprechen. Die OPEC hat an sich kein Problem damit, die Produktion rasch auszuweiten, wenn es nötig sein sollte. Überdies haben viele OPEC-Mitglieder in der Vergangenheit nicht gerade die beste Quotendisziplin bewiesen. Seitens der OPEC (oder besser gesagt von Seiten Saudi-Arabiens) wird derzeit ein Ölpreis von rund 90 US-Dollar pro Barrel favorisiert. Man kann aber davon ausgehen, dass einzelne OPEC-Mitglieder höhere Preise durchaus "mitzunehmen" wissen.
Die Öl-Nachfrage in 2011
Viel wichtiger aber ist aktuell die Nachfrageentwicklung. Es ist davon auszugehen, dass die Nachfrage in den Emerging Markets und insbesondere in China auch weiterhin wächst, obgleich es fraglich bleibt, ob das Verbrauchswachstum sich ebenso stark zeigt, wie im vergangenen Jahr. Die EIA geht davon aus, dass der weltweite Verbrauch in diesem Jahr um 1,4 Millionen Barrel pro Tag wachsen wird. Das entspricht aber einem deutlichen Rückgang gegenüber dem Verbrauchswachstum bei 2,2 Millionen Barrel pro Tag vom vergangenen Jahr.
Es wird sich zeigen, ob diese Schätzung nicht doch etwas zu konservativ ist. Selbst wenn man von eine stagnierenden Nachfrage in den OECD-Staaten ausgeht, sollte man nicht vergessen, dass Chinas Straffungspolitik bereits im vergangenen Jahr dem Verbrauchswachstum keinen Abbruch getan hat. In diesem Zusammenhang sollte man sich zudem das Investitionsprogramm des chinesischen Ölriesen CNOOC vor Augen führen. CNOOC plant bis 2015 rund 151 Milliarden USD im In- und Ausland zu investieren, um der wachsenden Nachfrage Chinas beizukommen.
Lagerbestandsentwicklung
Der große Wermutstropfen ist und bleibt die Lagerbestandsentwicklung. Auch im vergangenen Jahr befanden sich die Rohöl-Bestände in den USA noch immer deutlich über dem 5-Jahresdurchschnitt für die jeweilige Periode. Und auch für die gesamten OECD-Staaten sieht es nur unwesentlich besser aus. Seit Beginn der Krise liegen die Rohöl-Bestände in den OECD-Staaten deutlich am oberen Ende des 5-Jahres-Durchschnittslevels.
Die Prognosen der EIA für das Jahr 2011 sind allerdings durchaus interessant!
Sehen wir uns hier einmal folgende Grafik der EIA an, die einen Überblick über die Rohöl-Lagerbestandsentwicklung in den USA in den vergangenen Jahren und eine Prognose für die kommenden 2 Jahre wiedergibt:
Quelle: EIA
Und nun stellen wir dies folgender Grafik der EIA gegenüber, die einen Überblick über die Rohöl-Lagerbestandsentwicklung in den OECD-Staaten (gemessen an den Tagen an durchschnittlichem Verbrauch) in den vergangenen Jahren und eine Prognose für die kommenden 2 Jahre wiedergibt:
Quelle: EIA
Wir sehen in der oberen Grafik, dass die EIA davon ausgeht, dass sich das extrem hohe Lagerbestandslevel in den USA langsam und graduell bis Jahresende etwas absenkt. Zwar bleibt das Level am oberen Ende der Durchschnitts-Range, aber immerhin...
Dagegen die Aussichten für die OECD-Staaten. Zwar geht auch hier die EIA zum Jahresende von einem langsamen und schwachen Rückgang der Bestände aus, aber die Bestände dürften sich, nach Prognose der EIA, in diesem Jahr weiterhin am oberen Ende der 5-Jahres-Durchschnitts-Range, also weiterhin auf hohem Niveau befinden.
Lesen Sie im zweiten Teil, welches Fazit ich aus all dem ziehe...

