Rohöl – Jahresausblick 2010
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 11. Januar 2010, 20:00 Uhr
ENL5462
heute möchte ich wie versprochen mit der Beitragsreihe zum Jahresrück- und Ausblick verschiedener Rohstoffklassen fortfahren. Nachdem wir uns am letzten Donnerstag einen Rückblick auf die Erdölpreisentwicklung im vergangenen Jahr gegönnt haben, ist heute der Erdöl-Ausblick für 2010 an der Reihe.
Fundamentale Ausgangslage
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Überangebot
Wie Sie alle wissen, herrscht im Ölmarkt nach wie vor ein Überangebot vor. Volle Tanker lagern in den Häfen vor Anker und warten darauf ihre Fracht irgendwann in den Markt zu schütten. Die Lagerbestände sind reichlich gefüllt! Ende 2009 halten die OECD-Staaten rund 2,77 Milliarden Barrel auf Lager. Diese Menge deckt 58 Tage an durchschnittlichem Verbrauch. Damit liegen die Bestände deutlich über dem 5-Jahres-Durchschnitt für diese Periode. Und auch die Prognosen gehen nicht von einem Rückgang der Lagerbestände auf das 5-Jahres-Level aus. Im Gegenteil, die EIA (US Energy Information Administration) geht folgerichtig sogar von einem weiteren Anstieg der Lagerbestände aus:
Quelle: EIA
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Nachfrage bleibt schwach
Von einem deutlichen Nachfragewachstum in den OECD-Staaten ist weit und breit erst einmal noch nichts zu sehen. Die EIA prognostiziert im Moment (die nächste Prognose wird erst morgen veröffentlicht) ganz vorsichtig ein Ölverbrauchswachstum in den OECD-Ländern von 0,1 Millionen Barrel pro Tag in 2010. Die gesamte globale Nachfrage, so die EIA im Moment, solle um 1,1 Millionen Barrel pro Tag wachsen in 2010 (wobei diese Prognose bereits nach unten revidiert wurde).
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China und die Emerging Markets
Und das ist der springende Punkt: ein deutlicheres Nachfragewachstum besteht momentan in den Emerging Markets (die man mittlerweile wohl eher in Zugpferde der Weltwirtschaft umbenennen sollte), allen voran natürlich China. Das Land hat, aktuellen Daten zufolge, im vergangenen Jahr eine Rekordmenge von 203,8 Millionen Tonnen Erdöl importiert. Kein Wunder, China wächst nach wie vor schneller als der Rest der Welt und Pekings Stimulierungsprogrammen sei Dank, haben die Chinesen unlängst die US- Amerikaner von Platz 1 der weltweiten Rangliste der Autokäufer verdrängt. Doch der wachsende Verbrauch an Ölprodukten ist nur die eine Hälfte der Wahrheit - denn China baut eben auch ganz gezielt seine strategischen Lagerbestände aus. Also - auch in China steigen die Lagerbestände.

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