Rohöl: Der Kampf um die 60er-Marke bleibt offen
Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 08. Februar 2007 07:30 Uhr
ENL5454
Noch immer ist das Ringen um den Abwärtstrend offen ... aber der Ölpreis bleibt auf Tuchfühlung. Nachdem der Kurs die Widerstandszone 55 zu 58 US-Dollar pro Barrel recht schnell überwinden konnte, geht es jetzt um die 60 Dollar-Marke, Scheidepunkt zwischen einer möglichen Beruhigung des Kursanstiegs und einem erneuten, schnellen Run an die nächsten Hürden im Bereich 64 bis 66 US-Dollar.
Grundsätzlich waren die gestern veröffentlichten US-Öllagerbestände für die abgelaufene Kalenderwoche kurstreibend. Wenngleich der Bestand bei Benzin mit +2,6 Millionen Barrel stärker zulegte als die erwarteten +1,75 Millionen ... ansonsten fand sich eher Nahrung für die Öl-Bullen: Die Rohöl-Vorräte fielen um fast eine halbe Million Barrel, während die Prognosen von einem Anstieg um zwei Millionen Barrel ausgingen. Bei Heizöl sank der Lagerbestand um –3,63 Millionen Barrel (Prognose –3,0 Millionen). Nur:
Der Kurs konnte davon nur wenige Minuten profitieren. Nachdem bereits ein erster Anlauf an die Abwärtstrendlinie zu Wochenbeginn abgewiesen werden konnte, gab es kurz nach Veröffentlichung der Zahlen einen erneuten Versuch mit in der Spitze 59,70 Dollar ... aber die Haussiers vermochten sich nicht durchzusetzen. In den nächsten drei Stunden drehte der Kurs und setzte wieder auf 58,20 zurück. Entwarnung?
Nicht zwingend. Denn das war nichts anderes als die alte Börsianer-Regel: Wenn es nicht rauf geht, dann eben nach unten. Kurzfristige Trader wechseln blitzschnell vom Bullenfell zum Bärenpelz und drehen ihre Positionen. Das alleine hat bislang keine Bedeutung über den Tag hinaus, das lässt sich schon am Chart gut erkennen.
Neben der Entwicklung der Temperaturen – der Kälteeinbruch im Nordwesten der USA war ja letztlich der Auslöser der vorherigen Rallye – wird für die kommenden Tage ein Blick auf die OPEC interessant sein. Hier wird in Investorenkreisen gerade heiß diskutiert, was denn die Willenserklärungen hinsichtlich weiterer Förderkürzungen zur Stützung der Preise wert sind.
Bislang nämlich ist es dem in der OPEC zusammengeschlossenen Staatenkonglomerat nicht einmal gelungen, die im Dezember beschlossenen Förderkürzungen voll durchzusetzen ... faktisch wurde bislang nur ca. zwei Drittel der angestrebten Angebotsverknappung realisiert. In dieser Woche sollten noch einmal 500.000 Barrel pro Tag weniger gefördert werden, was zunächst kurstreibend wirkte. Nur ... was, wenn wie so oft einige Staaten ausscheren und sich um diese beschlossenen Maßnahmen nicht kümmern? Ich vermute, dass die kommenden Erfolge der OPEC in dieser Hinsicht einerseits und das Wetter andererseits das Zünglein an der Waage sein werden, ob wir in Kürze wieder mit Ölpreisen über 60 Dollar leben müssen.
