Rohöl – Ausblick auf 2012
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohöl als Geldanlage
vom 24. Januar 2012, 20:45 Uhr
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Heute wollen wir uns mit dem Ausblick auf den Rohölmarkt in 2012 beschäftigen! Wie ich im Jahresrückblick 2011 vom 11.01. geschrieben hatte, war das Rohöl-Jahr 2011 von Konjunktur- und Angebotsrisiken bestimmt. Zum Teil dürfte dies auch in 2012 wieder zutreffen, doch sehen wir uns die fundamentale Ausgangslage lieber etwas genauer an.
Die Angebotsseite - ist weiterhin eine Risikoprämie auf den Ölpreis gerechtfertigt?
Im vergangenen Jahr war es nicht der weltweit geringe Nachfrageanstieg, welcher den Ölpreisen schließlich doch noch zu einem Jahresplus verhalf, sondern das insgesamt unzureichende Angebotswachstum, mit den Förderausfällen aufgrund des Arabischen Frühlings und den geringeren freien Förderkapazitäten.
Wie sieht es dabei in diesem Jahr aus?
Nun Libyen, das im vergangenen Jahr ganz ausfiel, wird in diesem Jahr wieder mit voller Produktion von 1,6 Millionen Barrel pro Tag an den Markt zurück kehren. Dies sollte wohl bis spätestens Ende des Jahres der Fall sein, könnte aber auch schon früher geschehen.
Hinzu kommt die Produktion in den Nicht-OPEC-Ländern, die in diesem Jahr schätzungsweise um 900.000 Barrel pro Tag wachsen dürfte.
Angesichts des weltweit eher schwächeren Nachfragewachstums (s.u.), könnte der Markt damit sogar auf ein Überangebot zusteuern, dem es allerdings aus dem Weg zu gehen heißt. Das heißt es insbesondere für die OPEC und hier vor allem für Saudi-Arabien, welches hauptsächlich die Ausfälle des vergangenen Jahres kompensiert.
Fahren die OPEC-Staaten (also vor allem Saudi-Arabien) die Produktion entsprechend zurück, dann entstehen dabei aber auch höhere freie Förderkapazitäten, die im Ernstfall, also wenn es zu weiteren Ausfällen in den aktuell kriselnden Regionen (wie Iran, aber auch Syrien, Jemen und Sudan) kommt, zur Verfügung stehen. [Das aktuelle EU-Ölembargo beeindruckt noch nicht nachhaltig, weil die Umsetzung schrittweise erfolgen wird und der Iran überdies im Moment ja noch andere Abnehmer hat, über die das Öl weiter fließen kann].
Alles in allem würde ich eine gewisse Risikoprämie also auch in diesem Jahr nicht unbedingt ausschließen, aber die Gefahren dürften sich wohl vor allem ab Mitte des Jahres eher verringern, wenn die freien Förderkapazitäten ansteigen können.
Die Nachfrage - Treiber bleiben einzig und allein die Emerging Markets
Natürlich hängt die Nachfrageseite insbesondere von der weltweiten Konjunkturentwicklung ab. Nun sind die Wachstumsaussichten ja gerade für Europa nicht die besten, aber auch die US-Erholung (obwohl sie sich aktuell überraschend robuster zeigt, als erwartet) macht keine übermäßigen Luftsprünge. Dies natürlich nur von den aktuellen Aussichten aus betrachtet, die tatsächliche Wachstumsentwicklung muss natürlich abgewartet werden (vielleicht wird es sogar positive Überraschungen geben, allerdings unter der Voraussetzung, dass die Zone nicht schlapp macht).
Dementsprechend haben die Ölagenturen auch zuletzt immer wieder ihre Öl-Nachfrageprognose für dieses Jahr nach unten revidiert. Die IEA geht beispielsweise nur noch von einem weltweiten Nachfragewachstum in Höhe von 1,1 Millionen Barrel pro Tag für 2012 aus.
Dass es überhaupt zu einem Nachfragewachstum kommt, ist dabei fast ausschließlich den Nicht-OECD-Staaten geschuldet. Insbesondere China steht mit seiner wachsenden Nachfrage, welche in diesem Jahr auf 10 Millionen Barrel pro Tag steigen soll, wie immer an vorderster Front. Insgesamt dürften die Nicht-OECD-Staaten in diesem Jahr ein Nachfragewachstum von mindestens 1-1,5 Millionen Barrel pro Tag begründen.
...welches die prognostiziert sogar leicht rückläufige Nachfrage in den OECD-Staaten mehr als kompensieren wird.
Besonders interessant: angesichts der robusten Nachfrageentwicklung der Nicht-OECD-Staaten ist davon auszugehen, dass diese spätestens im kommenden Jahr die Nachfrage seitens der OECD-Staaten überholen werden.
Fazit
Der zu erwartende Anstieg der freien Förderkapazitäten ab Mitte des Jahres, sowie die aktuell verhaltenen Nachfrageprognosen in den OECD-Staaten, lassen für dieses Jahr nicht gerade fulminante Preissprünge erwarten. Auf der anderen Seite aber steht die wachsende Nachfrage seitens der Emerging Markets und das generell nach wie vor vorhandene Risiko weiterer Ausfälle auf der Angebotsseite, welche die Preise nach unten hin gut absichern dürften. Der saudische Ölminister Ali al-Naimi hat es schon deutlich gemacht: ein Ölpreis von 100 USD pro Barrel wäre wünschenswert. Auf diesem Niveau sollten die Ölpreise (zumindest Brent) also generell eine gute Unterstützung finden. Wie viel Spielraum nach oben dann tatsächlich möglich ist (vor allem wohl eher in der ersten Jahreshälfte), bleibt abzuwarten, ebenso wie die tatsächliche konjunkturelle Entwicklung vor allem in Europa und den USA. Langfristig aber dürften, sobald die großen Konjunkturrisiken in Europa und den USA überwunden sind, die Ölpreise wieder deutlicher steigen, wofür neben der wachsenden weltweiten Nachfrage, auch die wachsenden Ausgaben der OPEC-Staaten stehen.
Zum zweiten Teil von: Brent-WTI-Spread in 2012