Rohöl auf dem Stand vor der Libanon Eskalation
Andreas Lambrou in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 24. Juli 2006 20:45 Uhr
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Liebe Leser,
Naher Osten - Nichts genaues weiß man nicht
Die geopolitische Lage im Nahen Osten ist immer noch hoffnungslos. Leider weiß ich nicht, ob die Vernunft in dieser Woche siegt und es zu einem Waffenstillstand kommen kann. Gäbe es auf dieser Welt mehr Vernunft, dann wäre dieser Konflikt vermutlich gar nicht so schnell eskaliert, wie er dies getan hat.
Chance auf Friedensverhandlungen gewachsen?
Heute wird an den Terminmärkten schon auf die realistische Chance für den Frieden spekuliert. Ich halte diese Spekulation für verfrüht. Das Gold handelt bei 605 US-Dollar je Unze um 15 US-Dollar tiefer und der Rohölpreis liegt mit knapp über 73 US-Dollar je Barrel bereits wieder über 5 % unter seinem Spitzenwert von vergangener Woche.
Börse reagiert umgekehrt
Der Markt hat somit genau umgekehrt reagiert, wie es von den meisten Berichterstattern erwartet wurde. Das ist aber auch normal, schließlich wurde im Rohölpreis bereits zuvor eine heftige geopolitische Prämie eingepreist. Zudem sind die Marktteilnehmer immer noch uneins über die zukünftige Konjunkturentwicklung und die dementsprechende Nachfrage nach Rohöl.
Ich denke, dass die Nachfragekomponente den Markt zurzeit stark verunsichert.
Ben Bernanke löst Kursanstieg an der Wallstreet aus
Die Kommentare von Ben Bernanke in der letzten Woche halfen da auch nicht weiter. Er sagte mit vielen Worten hauptsächlich "die Konjunktur in den USA könnte sich abkühlen und die Zinsen sollten dann nicht weiter steigen".
Allerdings möchte ich den von Bernanke genannten Zusammenhang zwischen Konjunktur und Inflation etwas in Frage stellen. Bernanke geht nämlich davon aus, dass mit einem Rückgang des Wirtschaftswachstums auch ein Inflationsabschwächung einhergeht. Dies könnte jedoch ein Trugschluss sein, denn die Inflationsentwicklung orientiert sich sehr viel stärker an der Geldmengenentwicklung.
Vielmehr sehe ich deshalb ein Szenario, dass ein Rückgang des Wachstums eine erhebliche Lockerung der Geldpolitik mit sich bringen würde, welche die Inflation weiter anheizen dürfte. Stichwort Stagflation, die in den 70er Jahren eine hohe Inflation bei einer schwachen Wirtschaft brachte.
Noch ist es nicht so weit
Allerdings muss man immer noch festhalten, dass ein Einbruch des US-Wirtschaftswachstums bislang noch nicht eingetreten ist. Allerdings nehmen die Gefahren immer weiter zu. Der US-Immobilienmarkt schwächt sich spürbar ab und wenn die Preise für Immobilien nicht weiter steigen, so fehlt es den US-Verbrauchern an der Möglichkeit ihre Hypotheken zu erhöhen. Dies wiederum wirkt sich negativ auf den US-Konsum aus und beeinträchtigt dann die Importe aus Asien.
Aussichten für Rohstoffe
In einem solchen Umfeld wären Aktien ein sehr schlechtes Investment und Rohstoffe und hier insbesondere Edelmetalle (Gold, Silber, Palladium, Platin) wären der "sicherste Hafen". Rohöl dürfte dann seine Hochs für die nächsten 1-2 Jahre ebenfalls gesehen haben und sich zwar auf relativ hohen Niveaus halten, wenngleich keine neuen Rekorde brechen. Gleiches gilt für die Basismetalle.