Rohöl 2012: Es kann Überraschungen geben
Daniela Knauer in Nebenwerte Daily zum Thema Rohöl als Geldanlage
vom 6. Januar 2012, 17:00 Uhr
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bevor in der kommenden Woche schon wieder die Berichtssaison mit den Zahlen von Alcoa (über deren angekündigte Produktionskürzungen werde ich in diesem Zusammenhang berichten) startet, wollen wir uns heute noch einmal den Perspektiven für 2012 zuwenden. Schnell ist die gute Stimmung zum Jahresstart vor allem in Europa wieder gedämpft worden, nachdem die neuen Gelder untergebracht waren.
Euro sackt auf neues Tief durch
Erneut wurde uns diese Entwicklung signalisiert durch den Euro, der angesichts der beginnenden Anleihenauktionen schon wieder in die Knie ging und nun auch gegenüber dem USD auf ein neues Tief fiel. Zu unsicher bleibt die Perspektive, wer die vielen 2012 benötigten Milliarden in die europäischen Staaten investieren soll. Zudem belasten die befürchteten Kapitalerhöhungen der Banken, die ihr Eigenkapital weiter stärken müssen ebenso wie die jüngsten Daten über eine weitere Konjunktureintrübung in Europa. Diese Nervosität wird uns sicher noch einige Zeit begleiten, weshalb ich schon am Dienstag davor warnte, unüberlegt auf den anrollenden Neujahrszug aufzuspringen.
Stürme im Anmarsch
Wenn es nicht zu einer Euro-Katastrophe oder ernsten Entwicklungen in anderen überschuldeten Staaten (Japan, USA) kommen wird, rechne ich zwar damit, dass sich im Jahresverlauf die Märkte wieder beruhigen sollten. Denn zumindest außerhalb Europas weisen einige Wirtschaftsdaten bereits darauf hin, dass die Weltwirtschaft noch einmal an einer Rezession vorbeischrammen und es nach einer Wachstumsdelle wieder aufwärts gehen könnte. Doch bis sich die Nerven beruhigen und die Märkte wieder Vertrauen fassen werden, könnten noch einige Stürme über uns hinwegbrausen. Das zeigen auch die Charts vieler Länderindizes, die zwar eine unruhige Erholung nach dem Einbruch 2011 aufweisen, aber noch keine sauberen Bodenbildungen abgeschlossen haben.
Sorgen ums Öl
Eine weitere Unbekannte wird 2012 die Entwicklung der Ölpreise sein. Angesichts des Säbelrasselns des Irans und Plänen für ein Embargos zeigen sich beim Anstieg der vergangenen Wochen bereits die Befürchtungen, dass es zu einer Verknappung kommen könnte. Die gestern veröffentlichten, gestiegenen Rohöllagerbestände in den USA dämpften die Preise jedoch vorerst.
Eskaliert der Streit um die Straße von Hormus?
Wenn sich wie beabsichtigt die Exporte aus Libyen wieder normalisieren werden sowie angesichts eines boomenden Geschäfts in den Öl- und Gasschiefergebieten bleibt trotz drohender Kürzungen aus dem Iran die Frage offen, ob das Angebot nicht mehr als ausreichend ausfallen wird. Die EU importiert mit 450.000 Barrel Rohöl am Tag rund 20% des iranischen Exports. Diese Menge kann im Notfall relativ gut von anderen Golfstaaten ersetzt werden. Doch das Nadelöhr auch für jene Staaten ist die Straße von Hormus, die der Irak zu blockieren droht, sollte es zu einem Embargo kommen. Immerhin ein Drittel des weltweit per Schiff transportierten Öls muss durch diese nur 6,4 km breite Handelsroute, die auch stark von anderen Handelsschiffen befahren ist.
Dass der Iran tatsächlich diese Drohung wahr machen könnte, glauben die Experten bisher nicht so recht. Denn das Land würde sich damit selbst die Einnahmen blockieren und stünde im Nu einer gewaltigen Militärpräsenz gegenüber. Laut Medienberichten seien bereits britische und amerikanische Kriegsschiffe in die Gegend verlegt worden um im Fall des Falles den Schiffsverkehr aufrecht zu erhalten. Hoffen wir, dass es bei diesem Säbelrasseln bleiben wird, denn sonst halte ich einen Ausbruch des Ölpreises aus der mittelfristigen Seitwärtsbewegung nach oben für wahrscheinlich. Dieser hatte sich bereits in den vergangenen Monaten durch eine relative Stärke gegenüber anderen Rohstoffen ausgezeichnet. Nachrichten über eine Eskalation im Nahen Osten würden das Fass daher voraussichtlich zum Überlaufen bringen.