Risse im finanziellen Polster
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 31. Oktober 2007 07:30 Uhr
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Die Verkäufe von Häusern aus dem Bestand sind in den Vereinigten Staaten im vergangenen Quartal um 8% zurückgegangen – um doppelt so viel, wie von den Experten erwartet. Gleichzeitig sind die Verkäufe von Autos auf das Jahr hochgerechnet um 15% zurückgegangen.
Und in Kalifornien sinken die Hauspreise … der Dollar fällt ... und Vermögen im Wert von Millionen von Dollar löst sich in Rauch auf – im wahrsten Sinne des Wortes. Kalifornien brennt. Mehrere Menschen sind ums Leben gekommen ... und Millionen wurden evakuiert. „Es ist die größte Mobilisierung in der Geschichte der Vereinigten Staaten“, hieß es in einer Ausgabe der Zeitung La Nacion. Die armen Menschen in Kalifornien. Ich hoffe, dass meine Leser in diesem Staat außer Gefahr sind.
Bislang sind es nur die Käufer am äußersten Rand ... und die Kreditgeber am Rande ... und die Investoren am Rande ... und die Hausbesitzer am Rande ... wirklich betroffen. Aber wäre es möglich, dass die Probleme am Kreditmarkt sich über die Ränder hinausbewegen und die breiten Massen betreffen? Könnte es sein, dass der Feuersturm in Kalifornien auf weitere Feuerwerke an anderen Orten hinweist?
Meine Finanzanalystin aus Argentinien, Paola Pecora, hat Ende vergangener Woche meinen Newsletter gelesen.
„Das Problem mit euch amerikanischen Finanzautoren ist, dass ihr alle zu naiv seid“, kommentierte sie.
“Hier unten in Argentinien”, fuhr sie fort, “fragen wir uns nicht, OB es zu einer Finanzkrise kommen wird, wir fragen uns hier lediglich WANN es dazu kommen wird.“
Die Argentinier machen sich auch keine Gedanken darüber, wer leiden wird, wenn es zur Krise kommt. Sie haben diesen Film bereits gesehen. Sie kennen den Handlungsverlauf. Die Regierung versucht immer, die Preise des Marktes zu manipulieren oder den Markt zu korrigieren. Sie lebt ganz routiniert über ihre Verhältnisse – und versucht politische Unterstützung zu kaufen, indem sie mehr Geld ausgibt oder die Preise kontrolliert. Und dann wird, unabänderlich, versucht, den Tag der Abrechnung immer weiter hinauszuzögern. Und dann gibt es, wenn die Sache in die Luft geht, ein ganz großes Chaos.
Die klugen Leute … die reichen Leute … kommen normalerweise ganz gut dabei weg. Sie haben ihr Geld – oder einen großen Teil davon – außer Landes geschafft. Abgesehen davon kann man sagen, dass Reichtum, wenn man schuldenfrei ist – ein schönes Haus hat ... genug zu essen ... ein gutes Auto – nur noch eine Zahl ist. Und es ist eine Zahl, die sich mit den Devisenkursen und der Inflationsrate verändert.
Doch die Mittelschicht hat nicht so viel Glück. Wenn es Schwierigkeiten gibt, dann ist normalerweise sie es, die leidet. Sie haben einiges zu verlieren ... aber nicht genug. Der Lebensstandard sinkt. Wie sie durch die Krise betroffen werden, hängt natürlich davon ab, um was für eine Krise es sich handelt. Inflation kann ihre Ersparnisse und ihre Renten ausmerzen. (Heute wird in Amerika und Argentinien vieles an die Inflation angepasst. Doch in beiden Ländern verdrehen die Behörden die Zahlen so sehr, dass die Verluste, die durch die Inflation entstehen, nie vollständig ausgeglichen werden.) Markteinbrüche, Deflation, Zahlungsunfähigkeit und Währungsentwertungen betreffen die Mittelschicht auch – sie reduzieren die Einkünfte, zerstören das finanzielle Polster, und machen ganz allgemein fast jeden ärmer.
“Den Amerikanern ermangelt es an Erfahrung”, erklärte ich meiner Spanischlehrerin Gabriela. Der letzte große finanzielle Rückschlag ereignete sich in den Dreißigern. Heute lebt fast niemand mehr, der damals erwachsen war und sich noch daran erinnern kann. Nach so vielen Jahren mit so wenigen Schwierigkeiten, können wir uns heutzutage nicht mehr vorstellen, dass etwas Schreckliches passieren könnte, es passiert nie etwas wirklich Schreckliches.“
Wirklich schreckliche Dinge passieren anderen Menschen, aber nicht uns.
Natürlich ermangelt es mir deutlich lieber an finanzieller Erfahrung als an Geld. Aber ich habe so ein Gefühl, dass das eine zum anderen führen könnte.
Und das ist der Grund, warum ich Ihnen, liebe Leser, den Rat gebe, sich selbst fortzubilden – so dass sie die Mittel haben, ihre Vermögenswerte vor diesem gewaltigen Rückfall der amerikanischen Wirtschaft zu schützen. Aber wo soll man sein Geld in solchen Zeiten hinstecken? Ich empfehle Ihnen, die Marktsektoren zu prüfen, die oft von der Wall Street übersehen werden. Kleinaktien beispielsweise.
Seit 1926 hat keine andere Aktienklasse den Anlegern mehr Geld eingebracht, als die Kleinaktien. Das heißt mit anderen Worten, dass die Anleger, die Aktien von den kleinsten Unternehmen am Markt kaufen, diejenigen schlagen, die Unternehmen wie Microsoft, General Electric, IBM, Intel oder Cicso kaufen. Wir wollen der Sache ins Auge sehen: Jeder Nachbar, Freund oder Verwandte den Sie haben, investiert in die gleichen großen Aktien wie der Rest der Welt.