Risk-und Moneymanagement 1 - Trail-Stop-Loss
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 14. April 2010, 16:00 Uhr
ENL5454
in den nächsten Wochen werde ich in mehreren Artikeln auf einen der Grundpfeiler des langfristigen Erfolgs an der Börse eingehen: Auf das Risiko- und Moneymanagement (kurz: R&MM) eines aktiv geführten Depots.
Wissen Sie, wie die meisten Börsenneulinge in der Finanzindustrie oder unter Profitradern auch gerne einmal hinter hervorgehaltener Hand genannt werden? Quartalskunden... Sie schaffen es, innerhalb eines Quartals ihr gesamtes Portfolio gegen die Wand zu fahren. Damit Ihnen (besonders wenn Sie vielleicht noch relativ neu an der Börse sind) nicht das Gleiche zustößt, will ich an dieser Stelle auf die Grundstützen eines seriösen R&MM eingehen. Beginnen möchte ich die heutige Serie mit der Verlustbegrenzung (Stop-Loss).
Wie Sie wissen, ist ein Stop- Loss eine bestimmte Bedingung für eine Verkaufsorder, um eine Position und / oder aufgelaufene Gewinne vor Verlusten zu schützen.
Ich werde hier nicht auf die einzelnen Stop-Bedingungen wie „bestens“, „limitiert“ etc. eingehen, da diese Ihnen bekannt sein dürften und sich auch von Broker zu Broker etwas unterscheiden können.
Stattdessen möchte ich Ihnen in der heutigen Ausgabe den Trail-Stop-Loss (oder auch "Trailing Stop") vorstellen, welcher in Deutschland einer großen Masse der Privatanleger immernoch nicht wirklich bekannt ist, und Ihnen anhand eines kleinen Beispiels zeigen, wie eine vernünftige Stop-Loss-Setzung aussehen kann (nicht muss). Bitte beachten Sie, das Trading (egal, auf welchem Horizont) an sich eher eine Kunst als eine Wissenschaft ist und „viele Wege nach Rom führen“.
Aus Vereinfachungsgründen sind alle Angaben auf eine Longposition bezogen.
Der Trail-Stop-Loss
Eine Trail-Stop-Loss-Order wird in einem bestimmten Abstand unter den aktuellen Kurs gelegt. Der Abstand kann dabei absolut (also in Punkten) oder relativ (in %) gewählt werden. Sobald der Kurs Ihrer Position ansteigt, wird der Stop-Loss in diesem Abstand nachgezogen.
Beispiel:
Sie halten 100 Aktien von Apple und möchte diese mit einem Trail-Stop absichern. Der aktuelle Kurs von Apple beträgt $240. Bei einem relativen Trail-Stop-Loss von 10% wäre Ihre Stop-Loss-Marke bei $216 ($240 - $24 = $216). Steigt Apple nun auf $300 ohne vorher einen Rücksetzer von über 10% zu haben, liegt Ihr Stop-Loss bei $270 ($300 - $30 = $270). In beiden Fällen ist der relative Abstand gleich, der absolute (gemessen in Punkten / Dollar pro Aktie) jedoch verschieden.
Anders bei einem absoluten Trail-Stop-Loss. Wenn Sie hier 20 Punkte ($20) pro Aktie als Abstand eingeben, wird dieser Abstand bei neuen Höchstständen auch eingehalten. Gleichzeitig verringert sich aber der relative Abstand, weil der Kurs Ihrer Long-Position im Wert steigt, während der Abstand in Punkten gleich bleibt.
Beispiel:
Sie möchten Ihre Apple-Position bei dem Kurs aus dem obigen Beispiel von $240 pro Aktie mit einem 20-Punkte-Trail-Stop-Loss absichern. Ihr Stop-Loss wird damit auf $220 gesetzt, was einem Abstand von 8,3% ($20 / $240 = 8,3%) entspricht. Steigt Apple nun auf $300, wird Ihr Stop-Loss auf $280 nachgezogen ($300- $20 = $280). Der relative Abstand Ihrer Verlustbegrenzung hat sich jedoch auf 6,66% verkleinert ($20 / $300 = 6,66%).
Für wen eignen sich Trail-Stop-Orders?
Dieser Ordertyp eignen sich für Anleger, welche keine Lust haben, jeden Tag ihre Positionen und Stop-Loss-Marken zu überprüfen. Durch das automatische Nachziehen können Sie auch eine längere Zeit in Urlaub fahren, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen.
Welche Anlagestrategie bietet sich für Trail-Stop-Orders an?
Eine Trail-Stop-Order sollten Sie nur dann einsetzen, wenn sich die zugrundeliegende Aktie / Fonds in einem technischen Aufwärtstrend befindet, da ansonsten die Gefahr besteht, dass Sie recht schnell ausgestoppt werden.
Eine Trail-Stop-Loss-Order eignet sich somit nicht für das langjährige Halten einer Aktie / eines Fonds aus fundamentalen Beweggründen (etwa so wie wie Warren Buffett es gerne praktiziert).
Wie soll ich meinen Abstand bei Trail-Stop-Orders wählen?
Das hängt einerseits von Ihrer Risikoaversion und andererseits von der Volatilität der abzusichernden Aktie ab. Bei einer volatilen Aktie wie Apple, welche innerhalb einiger Tage um 10% steigen oder fallen kann, sollten Sie den Trail-Stop-Loss weiter weg legen, um nicht innerhalb einer normalen Korrektur der vorangegangenen Aufwärtsbewegung ausgestoppt zu werden.
Schauen Sie sich deshalb die Bewegungsspanne der Aktie vor Wahl des Trail-Abstandes an. Auch statistische Werte wie Standardabweichungen etc. können in Ihre Entscheidungsfindung mit einfließen.
Natürlich sollte auch die Lage des Gesamtmarktes Berücksichtigung finden. In einem kurzfristig überkauften Gesamtmarkt wie im Moment ist die Gefahr natürlich sehr groß, dass es zu einem größeren Rücksetzer kommt und folglich Ihr Stop-Loss schneller ausgelöst wird.
Sie sehen, dass es kein Standardrezept für „den richtigen“ Trail-Stop-Loss gibt. Durch Ihre gesammelten Erfahrungen werden Sie im Laufe der Zeit ein gutes Gefühl dafür entwickeln, in welchen Marktphasen Sie bei welchen Aktien welchen Trail-Abstand nehmen sollten.
Nächste Woche gehe ich auf die "manuelle" Stop-Loss-Setzung ein.
Beste Grüße
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Wolfgang Dahms (14.04. 2010 16:26 Uhr):
Sehr geehrter Herr Hahn, ein guter Artikel - aber welches Institut nimmt Trailing-Stopps an?? Ich kenne keine Sparkasse, keine Bank, keinen Broker, der auf (fast) alle in Frankfurt gehandelten Papiere ein Trailing-Stopp annimmt! Selbst eine Software in Deutscher Sprache gibt es nicht!! Was nützen Ihre schönen Ausführungen, wenn man sie nicht realisieren kann? Mit freundlichen Grüßen, WD
Antworten- Antwort von Alexander Hahn (14.04. 2010 20:59 Uhr):
Sehr geehrter Herr Dahms, dass die Hausbank hier nicht auf dem aktuellen Stand der Dinge ist, sollte eigentlich nicht überraschen. Ansonsten sind die Stopps durchaus eigentlich relativ weit verbreitet. Meines Wissens nach bieten gängige Online-Broker wie Comdirect, Cortal Consors, etc. durchaus diese Formen an. Notfalls sicherheitshalber dort einfach nochmal rückfragen. Beste Grüße Alexander Hahn
- Antwort von Alexander Hahn (14.04. 2010 20:59 Uhr):
- Kommentar von R Stahl (15.04. 2010 11:15 Uhr):
Ich halte es für wichtig, ein technisches Grundproblem des Trailing Stop Loss anzusprechen, mit dem ich bereits zweimal gekämpft habe: Gibt ein Börsenbroker versehentlich einen zu hohen Kurs ein (er hat sich z.B. vertippt), so wird der TSL hochgezogen. Als Folge wird bei der nächsten Kursfeststellung die Aktie verkauft. Dagegen kann man nur nachträglich direkt bei der Verkaufsbörse vorgehen. Ihr Broker (Ihre Bank) wird Ihnen dabei kaum behilflich sein. MfG R.Stahl
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