Rising Wedge in Theorie und Praxis
Jürgen Nowacki in Investoren Wissen
vom 18. Januar 2012, 16:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leserin, lieber Leser
mit dem Thema warum wird das Börsenjahr 2012 besser" habe ich bereits vor 2 Wochen deutlich gemacht warum jetzt schwere Zeiten für die Bären heran brechen. Nachdem ich wegen eines Krankenhausaufenthalts einige Tage pausieren musste hoffe ich dass ich Sie mit lukrativen Handelsideen, die wie immer einer kritischen Überprüfung nach den Regeln der Technischen Analyse standhalten müssen, weiter so gut versorgen kann wie bisher.
Das -Falling Wedge- mit einer Trefferquote von 74 Prozent
Es ist noch gar nicht solange her, dass ich Ihnen das Grundlagenwissen über Keilformationen an die Hand gegeben habe. Ich möchte jetzt immer dann, wenn es aktuelle Tradingchancen gibt diese Lerninhalte wiederholen. Das hat den Vorteil dass Sie gleich überprüfen können wie gut die Trefferquote wirklich ist und dann stellt sich ja auch immer noch die Frage wieweit Theorie und Praxis auseinander klaffen.
Wenden wir uns deshalb aus gegebenem Anlass noch einmal der Keilformation des Rising Wedge zu. Hier noch einmal die Theorie: Keilformationen gehören zu den Trendumkehrformationen (Reversals). Insbesondere nach längeren Trendbewegungen tauchen Sie beinahe aus dem Nichts auf und häufig zu einem Zeitpunkt wo man es am wenigsten erwartet. Das liegt daran, dass sich unsere Medien ebenfalls auf Trends einstellen und uns entsprechend der Confirmation-Bias in unserer Meinung und in unseren Investments bestätigen. Da wir Menschen gerne übersehen und ausblenden was nicht unserer Meinung entspricht beachten wir die veränderte Faktenlage erst wenn es bereits zu spät ist. Im normalen Leben ist das vielleicht nicht weiter kritisch, aber im Handel kann das sehr teuer werden.
Im folgenden Dell-Beispiel sehen Sie sehr gut wie sich die Trendumkehr innerhalb der blauen Linien, die den steigenden Keil bilden, entwickelt hat. Trügerisch ist diese Kursentwicklung auch deshalb weil sie mit steigenden Tiefs einhergeht und das spricht immerhin für einen Aufwärtstrend. Aber es heißt auch dass der Trend so lange besteht bis er gebrochen wird und damit Sie bereits im Vorfeld gewarnt sind gibt es in diesem Chart noch zwei Hilfsmittel aus dem Werkzeugkasten der Technischen Analyse mit denen Sie sich absichern können. Zum Einen sehen Sie im oberen Chart den PPO, den Percent Price Oszillator mit einer negativen Divergenz. Er warnt bereits sehr früh und macht den kundigen Chartisten darauf aufmerksam, dass der Aufwärtstrend in Dell gefährdet ist. Der PPO misst den die Differenz zwischen zwei Gleitenden Durchschnitten. Wir werden in den nächsten Tagen noch genauer auf die Unterscheidungsmerkmale zum MACD eingehen, den Sie sicherlich bereits regelmäßig nutzen.
So kommen wir zum Kurschart von Dell und den eingezeichneten divergierenden blauen Linien zurück. Beide Linien laufen nach oben aber da es keinen neuen Hochpunkt gibt laufen beiden Linien in einen Keil hinein. Der Keil, damit wir uns nicht missverstehen ist nicht der Anlass jetzt gleich short zu gehen, aber wenn der Ausbruchspunkt kommt und der kommt nach statistischen Erhebungen von Thomas Bulkowski in 74 Prozent alle Fälle dann sollten Sie handelsbereit sein. Der durchschnittliche Kursrückgang liegt übrigens bei ca. 19 Prozent. Ein weiterer Hinweis auf eine bevorstehende Trendschwäche ist, dass sich die Handelsvolumen innerhalb des steigenden Keils zurück bilden. So sehen Sie das auch bei der Dell-Aktie, denn ab Juni fallen die Umsatzsäulen unterhalb der blauen Durchschnittslinie von 40 Mio. Aktien/Tag. Ja und dann habe ich Ihnen noch den CMF, den Chaikin Money Flow Indikator zu bieten. Sie erinnern sich, denn kurz vor Weihnachten habe ich Ihnen gezeigt wie Sie großvolumige Insiderkäufe und Käufe von institutionellen Anlegern erkennen können. In unserem Fall bildet sich der CMF ab April zurück und zeigt damit an das sich Fondsmanager bei steigenden Kursen von ihren Aktien verabschieden und Kasse machen. So das soweit noch einmal zu Wiederholung und jetzt zum praktischen Beispiel.
Zum zweiten Teil von: Wieweit können die Deutschen Bund-Renditen noch fallen?ähnliche Beiträge:
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Albert Karl (18.01. 2012 23:50 Uhr):
Sehr geehrter Herr Nowacki, machen Sie uns keinen Kummer, wir brauchen Sie weiter dringend. Alles Gute und Grüße aus München, AK
Antworten - Kommentar von Folker W (19.01. 2012 18:22 Uhr):
Sehr geehrter Herr Nowacki, schön, dass Sie wieder zurück sind. Ich/Wir hoffen, dass es Ihnen gut geht. Bzgl. der Thomas Bulkowski-Werte bin ich mir jetzt nicht sicher: Am 25.11.2011 haben Sie noch in Investoren Wissen unter "Die Keilformation für Einsteiger - schweres Terrain" im letzten Absatz (über steigende Keilformationen) geschrieben: "Thomas Bulkowski schreibt in seiner Enzyklopädie der Chartmuster: Was die Performance betrifft gehört der steigende Keil zu den schwächeren Formationen. Die Fehlerquote beträgt 24 Prozent, sinkt aber auf sechs Prozent, wenn man den Ausbruch nach unten abwartet. Der durchschnittliche Kursrückgang liegt dann bei 19 Prozent." Eine Fehlerquote von 24% würde ich einer Erfolgsquote von 76% gleichsetzen; in Ihrem Artikel schreiben Sie jetzt aber von 74% (die 19% durchschnittlicher Gewinn sind unverändert zitiert). Handelt es sich da um unterschiedliche Betrachtungen - oder nur um geringe "Zahlenverdreher". Danke, alles Gute, Folker W.
Antworten- Antwort von Nowacki (20.01. 2012 09:02 Uhr):
Sie haben recht, es muss natürlich 76 % heissen, mea culpa :-)
- Antwort von Folker W (21.01. 2012 13:59 Uhr):
Hallo Hr. Nowacki, schön, wieder von Ihnen lesen zu können. Ich hoffe, es geht Ihnen gut. Wahrscheinlich hat sich mein Kommentar v. 22.12.11 zu "Muster einer Tradingstrategie" mit Ihrem Krankenhausaufenthalt überschnitten. Ich würde Sie daher ersuchen, mir auf den Kommentar zu "Muster einer Tradingstrategie" zu antworten - da mich Ihre Antwort zu meinen Ausführungen und meiner Sichtweise - gerade bei diesem Artikel - besonders interessieren. Ich bin wirklich schon gespannt, was Sie meine Sichtweise betrachten. Ich hoffe, Sie können mir noch antworten und bedanke mich schon jetzt herzlich. Freundliche Grüße, Folker W.
- Antwort von Nowacki (20.01. 2012 09:02 Uhr):
