Risikofaktor Zertifikate: Lehman, Cobold und Colibri!
Markus Miller in Kapital & Steuern Global zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 25. September 2008, 16:00 Uhr
In meinen letzten Veröffentlichungen habe ich Ihnen ja bereits 3 der aus meiner Sicht 5 wichtigsten Risikofaktoren vorgestellt. Heute möchte ich auch einmal ein wenig in die Tiefe gehen und Ihnen einen "Produktrisikofaktor" vorstellen anhand aktueller Beispiele aus dem Zertifikatebereich. Hier ist der Lehman-Crash zumindest ein warnender Schock der die Problematik des Einzelwert- bzw. des Emittentenrisikos weiter in den Focus rückt. Ebenso möchte ich Ihnen den 4. Risikofaktor "Kapitulation vor dem totalitären Steuerstaat" einmal näher bringen.
Verluste auch für Anleger anderer Emittenten!
Bei dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman-Brothers müssen Anleger, die in Aktien, aber auch in Zertifikate von Lehman Brothers investiert haben, möglicherweise mit einem Totalverlust ihres eingesetzten Kapitals rechnen. Bei Zertifikaten handelt es sich nämlich um Inhaberschuldverschreibungen, welche im Gegensatz zu Investmentfonds eben kein Sondervermögen darstellen, welches nicht in die Konkursmasse fällt. Ebenso unterliegen Zertifikate auch - im Gegensatz zu Kontoeinlagen (Festgelder, Spareinlagen) nicht der Einlagensicherung.
Dominoeffekte durch den "kleinen Zertifikateemittenten" Lehman Brothers
Von verschiedenen Banken und Anlagevermittlern wurden Zertifikate von Lehman-Brothers noch bis in den Sommer 2008 hinein Anlegern als sichere Anlage empfohlen, bei der praktisch nicht viel passieren kann. Ein fataler Irrtum, wie sich nun heraus stellt. Dabei wurde schon seit mehreren Monaten von verschiedenen Analysten angedeutet, dass bei Lehman Brothers ein möglicher Zusammenbruch bevor stehen könnte.
Prüfen Sie eine Vermittler- oder Beraterhaftung als Betroffener
Insbesondere Anleger, die seit Frühjahr 2008 noch in Zertifikate von Lehman-Brothers investierten, haben daher Chancen für eine mögliche Vermittlerhaftung, da sie in der Regel nicht von ihren Beratern auf das drohende Ausfallrisiko hingewiesen wurden.
Aber auch für Anleger von Lehman-Zertifikaten, die vorher bereits in die Zertifikate investiert haben, bestehen Chancen auf Schadensersatz: Bei Anlegern in Lehman-Zertifikate, wurde - wie bei so vielen "Zertifikateverkäufen" vom jeweiligen Berater oftmals völlig einseitig die Sicherheit in den Vordergrund gestellt. Auf ein Verlustrisiko wurde teilweise nur äußerst eingeschränkt hingewiesen. Lehman hat - ironischerweise - sehr viele Garantiezertifikate emittiert gehabt. Was eine Garantie von Lehman nun Wert ist, dürfte sich gegen 0 bewegen. Auch in solchen Fällen dürfte es gute Schadensersatz-Chancen geben. Meist wird bei Zertifikaten eben nur am Rande auf das Totalverlustrisiko hingewiesen.
Auch andere Emittenten wie Commerzbank und DZ Bank sind betroffen
Die US-Finanzkrise kann vielleicht bald ausgestanden ist das Risiko von weiteren Pleiten von Bankhäusern wird aber bleiben. Ebenso drohen deutschen Anlegern auch mit Zertifikaten anderer Emittenten erhebliche Verluste.
Vor allem mit Zertifikaten, welche mit Lehman-Brothers zusammen hängen, müssen Anleger bereits schmerzliche Verluste hinnehmen. Unter anderem bei den sogenannten "Cobold"-Anleihen der DZ-Bank oder bei den "Colibri"-Anleihen der Commerzbank.
Der von der DZ-Bank im Mai 2007 begebene "Cobold 74" hat beispielsweise einen Coupon von fünf Prozent zum Laufzeitende im Juni 2012, falls keine der US-Banken JP Morgan, Goldman Sachs, Lehman Brothers, Morgan Stanley oder Merrill Lynch ein Kreditereignis melden muss. Durch die Lehman-Pleite ist die Anleihe nun auf Talfahrt geschickt worden mit Verlusten von über 90%.
Der bunte Colibri der Commerzbank ist ein grauer Spatz ohne Flügel
Bei den "Colibri"-Anleihen der Commerzbank ist ein Barausgleich zu erwarten. Nach Veröffentlichung der Pflichtmitteilung hat die Commerzbank 40 Tage Zeit, um zu überprüfen, ob ein Kreditereignis bei Lehman-Brothers eingetreten ist oder nicht. Auch hier steht derzeit eine Rückzahlung des Kapitals durch die Commerzbank jedoch noch nicht fest. Auch Zertifikate-Anleger anderer Emittenten mussten bereits -unabhängig von der Lehman-Pleite- mit hohen Verlusten kämpfen. Der Hauptgrund ist dabei, eine vollkommen fehlendes Produktverständnis, vor allem im Hinblick auf die möglichen Risiken.
Sammelklagen - Nicht alles was aus den USA kommt ist schlecht
In unserem Partner- und Expertennetzwerk von Kapital & Steuern vertraulich verfügen wir mittlerweile über acht spezialisierte Anwaltskanzleien für Kapitalanlage- und Börsenrecht. Ich kann Ihnen als betroffener Investor nur Empfehlen, mögliche Regressansprüche zumindest in Erwägung zu ziehen und zu überprüfen. Gerade das kostengünstige anhängen an Sammelklagen ist für Anleger mittlerweile ein Trend auch in Deutschland, welcher aus meiner Sicht in absehbarer Zeit noch weiter deutlichen Zulauf erhalten wird.
Forderungsdurchsetzung auch in den USA durch US-Kanzleien möglich
Sollte es im Fall Lehman Brothers (oder auch in anderen Fällen) für Zertifikate-Inhaber tatsächlich in einiger Zeit erforderlich werden, z.B. im Rahmen des Insolvenzverfahrens auch in den USA tätig zu werden, so ist dies dadurch auch möglich. Die BSZ e.V. (Bund für soziales und ziviles Rechtsbewusstsein) bietet beispielsweise eine "Interessengemeinschaft Lehman Brothers" oder aber auch eine "Interessengemeinschaft Zertifikate".
Ihr
Markus Miller
...das Steuern ist wichtiger als die Steuern!