Risikofaktor 3: Gedankenlosigkeit gegenüber dem eigenen Besitz
Markus Miller in Kapital & Steuern Global zum Thema Kapitalschutz
vom 23. September 2008, 16:00 Uhr
Sobald Sie glauben, Ihr Geld sei "in guten Händen" und sicher angelegt, ist es bereits in Gefahr.
Denn Sorglosigkeit und die naiv-lässige Einstellung gegenüber dem eigenen Vermögen ist eine der häufigsten Ursachen für Vermögensaushöhlung und -verlust. Im ersten Stadium ist sie ein "Renditekiller". In besonders bösen Fällen kann sie sich zu einer Existenz-Gefahr ausweiten. Sorglosigkeit macht inaktiv und verringert die Wachsamkeit. Und das kann sich heute keine normaler Anleger mehr leisten.
Aber warum ist die Lässigkeit so weit verbreitet?
Viele vermögende Privatleute wähnen sich und ihr Geld in sicherer Obhut. Die Banken mit ihren Private-Banking-Beratern geben sich ja auch alle Mühe, ihnen dieses schöne Gefühl zu vermitteln.
Die Realität sieht aber anders aus. Auch Private-Banking-Berater sind nur Vertriebsmitarbeiter. Sie haben Umsatzziele. Daher leiden sie an einer fatalen "Verengung des Gesichtswinkels" - sie betrachten Ihre "individuelle" Situation durch die Brille der eigenen Bankprodukte und der zu erzielenden Provisionen:
Ein Bankberater...
+ berät immer mit "Tunnelblick"
+ schaut niemals offen auf den ganzen Fächer der Möglichkeiten, die man heute im Blick haben muss
Oder können Sie sich vorstellen, dass ein Berater einer deutschen Bank Ihnen empfiehlt, Sie sollten den größten Teil Ihrer Liquidität bei einer österreichischen Bank platzieren, um dadurch eine Steuerstundung zu erzielen?
Natürlich nicht! Sein Ausgangspunkt ist ein anderer und läuft Ihren Interessen entgegen: Wie hole ich möglichst viel Provision und Gebühren für meine Bank heraus, ohne dass der Kunde es merkt?
Vermögensfraß durch Kosten
Der "Enteignungskoeffizient" bzw. der Vermögensfraß durch die Private-Banking-Kosten liegt höher, als viele glauben. Die Kosten werden bewusst verschleiert. So können die Banken einigermaßen unbemerkt ihre vermögenden Kunden "rentabilisieren", sprich: Sie können so mehr Gebühren aus ihnen herausholen.
Die Methoden werden immer feiner und sind für das unbedarfte Auge nicht zu durchschauen. In einzelnen Fällen ist die Grenze zur Unverschämtheit deutlich überschritten.
Diese Zustände hat inzwischen auch das Finanzinstitut Tetralog durch eine umfangreiche empirische Studie bestätigt, die das Institut im Auftrag der Zeitschrift "Capital" durchführte. Einmal mehr sprechen die Ergebnisse eine deutliche Sprache. In vielen Fällen beträgt die Auslaugung durch offene und versteckte Kosten zwischen 3% und 5%:
"Die exklusive Untersuchung bringt ans Licht, wie dreist selbst renommierte Adressen [...] ihren vermögenden Privatkunden Gebühren und teure Produkte unterjubeln." (Capital 9/07, S. 24/25)
Private Banking von der Stange
Zudem stellt die Studie fest, dass sich hinter vielen Empfehlungen nur eine teure Form von "Retail-Banking" verbirgt: Der Berater stellt hierbei aus Standardprodukten der Bank ein gemischtes Depot zusammen - alles andere also als eine durchdachte Portfolio-Strategie, die sich allein am Wohl des Kundenvermögens orientiert.
Sicherlich darf man nicht alle Banken über einen Kamm scheren. Das ist auch nicht meine Absicht. Es gibt durchaus Beispiele für sehr gute Leistung zu gerechtfertigten Kosten.
Aber dies ist nicht der Punkt. Ich möchte scharf akzentuieren: Glauben Sie nicht, Ihr Vermögen sei schon allein deshalb in guten Händen, weil Ihnen der Berater unerwartet höflich begegnet, kompetent wirkt, sich mit Ihnen ausführlich unterhält und Ihnen zu Weihnachten exklusive Geschenke ins Haus schickt.
Delegieren Sie Ihr Vermögen nicht aus der Hand
Sie dürfen deshalb auf keinen Fall darauf verzichten, sich über die Zusammenhänge selbst "schlau zu machen". Selbst wenn Sie möglichst viel delegieren möchten, sollten Sie dafür eine Strategie haben, die bestimmte Risiken verringert.
Um den kritischen Verstand der Kunden auszuschalten, fahren die Banken bei vermögenden Privatkunden eine Sympathie-Attacke auf den ökonomischen Verstand. "Als Privatbank bestimmen traditionelle Werte unser Handeln ...", "über 130-jährige Tradition...", "Diskretion ... Vertrauen ..." - solche Beteuerungen sind typisch für die Werbung der Privatbanken. Über Gebühren und tatsächliche Leistung redet man dagegen nicht so gerne, geschweige denn so offen.
Das Hauptproblem der Bankberatung
Die Kunden sollen vor allem das Gefühl erhalten, gut aufgehoben zu sein. Doch hinter der mehr oder minder geschickt entwickelten Vertrauensbeziehung verbergen sich:
+ Rückvergütungen der Fondsgesellschaften (sogenannte "Kick-backs"),
+ schwache Renditen,
+ Fehlinvestitionen und mangelndes Risiko-Management,
+ systematische steuerliche Nachteile.
Wussten Sie zum Beispiel, dass die Fondsgesellschaften inzwischen schon gewohntermaßen von der jährlichen Management-Gebühr bis zu 50% an die Bank zurückgeben? Wofür?! Die Bank managt doch den Fonds überhaupt nicht, sondern nur das Wertpapierdepot (wofür sie ja auch bereits eine Vergütung bekommt).
Meiner Meinung nach handelt es sich hier um eine Art "Korruption", weil die zusätzlich gezahlten Managementgebühren die Neutralität der Bankberater beeinträchtigen.
Gebühren im Quadrat ohne Mehrwert!
Bitte führen Sie sich das einmal klar vor Augen: Eine Bank vermittelt Ihnen als Privatinvestor den Fonds X; solange Sie diesen Fonds im Depot haben, bekommt die Bank Jahr für Jahr von Ihnen eine Depotgebühr und von der Fondsgesellschaft einen prozentualen Anteil von der Managementgebühr ("Bestandsprovision"). Dies wirkt wie eine Zusatz-Inflation: Ihr Vermögen erleidet dadurch einen völlig unnötigen Geldschwund von rund 1% pro Jahr.
Nun ja, denken Sie jetzt vielleicht, 1% kostet es eben - so viel ist das doch nicht ... aber es kommen ja noch weitere Abzüge hinzu: Beispielsweise die Steuern, die offen berechneten Gebühren der Banken, die allein zwischen 1,5% und etwas über 3% betragen können, ganz zu schweigen vom Ausgabeaufschlag, der in der Regel bis zu 5% beträgt. Das läppert sich zu beträchtlichen Summen.
Ich stelle nicht in Abrede, dass 6% Rendite ein immerhin befriedigendes Ertragsniveau darstellt. Doch was bleibt nach Abzug der Inflation übrig?
Mein Fazit
+ Ihr Vermögensverwalter präsentiert Ihnen alljährlich eine "ordentliche" Rendite von 5 oder 6%
+... aber real nimmt Ihr Geld ab, ohne dass Sie auch nur 1 Euro ausgegeben hätten.
Rechnen wir doch einmal grob zusammen: Inflation 2%, Depotgebühren, Management-Gebühr und Kick-backs ergeben zusammen noch einmal mindestens 2%, Höchstsatz-Steuern auf 6% Rendite macht circa weitere 2,5%. Das macht zusammen 6,5% Abzug gegenüber 6% Rendite. Die Fässer Ihres Vermögens haben viele kleine Lecks, aus dem die Münzen und Scheine heraussickern...
Male ich Horrorszenarien?
Bei mittlerer Risikoakzeptanz haben die europäischen Privatbanken 2006 im Durchschnitt gerade mal eine Performance von 5,6% erzielt, gemessen am FTSE Private Banking Index.
Dieser Index fasst die Anlageergebnisse von immerhin 40 europäischen Banken für den vermögenden Privatkunden zusammen und wird auch von den Banken selbst als Messlatte eingesetzt (kein Wunder, sie liegt ja nicht gerade hoch).
Der Vermögensschwund von 0,5% jährlich ist gering - aber was für ein erbärmliches Ergebnis bei so hohem Aufwand! Und was noch wichtiger ist: Ein solchermaßen gemanagtes Depot liefert keinen Beitrag zum Ausgleich von Risiken bei Ihren Immobilien oder anderen Vermögensgegenständen.
Gewiss: Einige Vermögensverwalter sind besser als der Durchschnitt (und andere zwangsläufig schlechter). Aber sehen Sie die prinzipielle Erosionsgefahr, in der Ihr Vermögen schwebt?! Selbst wenn Sie äußerst sparsam damit umgehen? Alles geht seinen "normalen" vermögensverwalterischen Gang, die Durchschnittsrendite wird ungefähr erreicht - und nichtsdestotrotz werden die Fundamente Ihrer Existenz stetig dünner!
Was ist wenn nun noch Banken oder Emittenten ausfallen?
Wenn nun noch etwas Unvorhergesehenes geschieht? Eine besondere Belastung oder ein Einbruch an den Märkten? Dann kann es eng werden, schneller als man dies kurz zuvor noch gedacht hat. Der gewohnte Lebensstandard ist dahin. Sie verlassen den Club der Vermögenden und irgendwann lädt Sie auch Ihre Bank nicht mehr zu den Beratungsgesprächen ein.
Der Vermögensfraß - die kriechende Auflösung von Vermögenswerten - ist eine häufige Erscheinung, die schnell einmal einige 10.000 bis 100.000 Euro und noch mehr vernichten kann. Er entsteht meist infolge von nicht identifizierten oder mehr oder weniger bewusst ignorierten Risiken. Sie bleiben unbearbeitet und unbeachtet und entfalten so ihre Wirkung, manchmal langsamer, manchmal schneller, und manchmal bis zur Verarmung.
Die Betroffenen merken zunächst kaum etwas (oder wollen es nicht merken), bis sie sich eines Tages eingestehen müssen, dass sie "finanziell schon einmal bessere Zeiten erlebt" haben.
Waren sie denn die ganze Zeit schlecht beraten? Fehlten Ihnen Informationen?
Beides trifft gelegentlich zu. Oft spielen auch Fehler eine Rolle, die allein der Betroffene selbst zu verantworten hat. Warnungen werden überhört, man lebt lässig bis fahrlässig über seine Verhältnisse, "versenkt" zu viel Geld in extrem teure Hobbys oder dergleichen.
Man kann niemandem helfen, der ständig über seine Verhältnisse lebt. Allen anderen kann jedoch mit Informationen und klaren Empfehlungen, was zu tun ist, was ihr Vermögen schützt und ihren Lebensstandard bewahrt geholfen werden aus meiner Sicht.
Stoppen Sie den heimlichen "Vermögensfraß"!
Gerade den unbewussten Vermögensschwund habe ich besonders aufmerksam im Auge. Er lauert an vielen Stellen. Wenn Sie den "Vermögensfraß" nur um 2% drücken, haben Sie bei 1 Million Euro Anlagekapital in 10 Jahren 219.000 Euro mehr Vermögen, nach 20 Jahren sogar 486.000 Euro! Dies ist ein realistisches Minimum, welches Sie aus meiner Sicht erzielen können, mit einem professionellen Vermögens- und Risikomanagement.
Ihr
Markus Miller
...das Steuern ist wichtiger als die Steuern!
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