Risikoaversion kehrt zurück aber USD bleibt unter Druck
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 12. Dezember 2008, 11:00 Uhr
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Liebe Leser,
Es ist wohl tatsächlich die Zeit des Umdenkens angebrochen. Während wir in den ersten drei Tagen nach dem letzten Wochenende (Obama schenkt Hoffnung auf ein gewaltiges Konjunkturpaket) noch eine kleine Rallye beobachten durften, mit deutlich höherem Risikoappetit, kehrt mittlerweile die Risikoaversion wieder in die Märkte zurück. Dies ist in meinen Augen nicht weiter erstaunlich - wie ich erwartet hatte blieb der Effekt nur von kurzer Dauer.
Risikoappetit schwindet - Yen-Stimmungsbaromter bildet dies ab
Nachdem nun die Hoffnungen auf das große Rettungs-Paket für die US-Autoindustrie schwinden (die Mehrheit im US-Senat scheint die Vorlage zu kippen) richtet der Markt wieder seinen Fokus auf die sich verschlechternden Wachstumsaussichten für die Weltwirtschaft und die US-Wirtschaft insbesondere. Das negative Sentiment könnte noch weitere Unterstützung finden, wenn die für heute zur Veröffentlichung angesetzten US-Einzelhandelsumsätze und die Daten zur Konsumenten-Zufriedenheit weiterhin das schwache Szenario unterstützen.
Zudem sehen wir wieder sehr wenig Liquidität in den Märkten - ein Zeichen für die Rückkehr der Risikoaversion.
Wie erwartet handelt der Yen dementsprechend wieder deutlich fester. USD/JPY fiel zum ersten Mal seit 13 Jahren wieder unter die 90er Marke. Gegenwärtig handelt USD/JPY bei 90,35. Im Angesicht der deutlich verschlechterten Stimmung, könnte der Markt die Ablehnung des US-Bailout-Pakets bis in die kommende Woche hinein abstrafen, was weiterhin JPY unterstützen dürfte. Ich gehe davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit einer Intervention durch die Bank of Japan deutlich zunimmt, wenn sich USD/JPY der 80 nähert.
USD verliert zunehmend seinen Status
Die USD-Schwäche überrascht mich nicht! Was mich allerdings überrascht ist, dass es nun doch schon so früh geschieht. Ich war davon ausgegangen, dass der Reserve Status des USD noch eine Weile Unterstützung bieten könnte. Doch gegenwärtig sieht es nicht danach aus. Trotz der Rückkehr der Risikoaversion, was zuvor deutlich USD-positiv gewertet worden wäre, handelt der USD weiterhin schwächer.
Es scheint als habe der Markt - früher als von mir erwartet - damit begonnen, die Auswirkungen der massiven fiskalischen Stimulierungspakete in den USA einzupreisen.
EUR/USD handelt dementsprechend weiterhin deutlich fester und erreichte gestern zweimal die 1,3407 in der Spitze. Gegenwärtig notiert EUR/USD bei 1,3353. Die Geschwindigkeit dieser Entwicklung ist beeindruckend und obwohl EUR/USD von seinem Hoch gestern etwas zurückgekommen ist - was weitere zwischenzeitliche Rücksetzer möglich macht - gehe ich davon aus, dass dieser Trend zunächst weiter anhält.