Richtig billig ist fast nichts mehr
Von Georg Pröbstl in Investoren Wissen
vom 16. August 2005 16:00 Uhr
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Es ist ja seit längerem schon Tagesthema: Der DAX steigt und steigt und kratzt täglich hart an der 5.000 Punkte Marke. Damit steht der Index so hoch, wie seit mehr als 3 Jahren nicht. Die Aktien im MDAX ebenso. Sie markieren sogar ein Allzeithoch. Der Index steht rund 30 % höher, als im Boomjahr 2000. Ähnlich sieht es im SDAX aus. Auch die Aktien aus der 3. Reihe notieren etwa 20 % höher als in der Hausse 2000. Aktien sind eben wieder gefragt.
Das zeigt sich auch am Börsenwert der Aktien. Nach Angaben der Deutschen Bundesbank sind alle deutschen Aktien, die entweder im Freiverkehr, dem Amtlichen oder Geregelten Markt zugelassen sind, derzeit 943,1 Milliarden € wert. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Anstieg um 7,9 %. Gegenüber dem Tief im März 2003 bei 589,5 Milliarden € stieg der Wert der deutschen Aktiengesellschaften damit sogar um 60,5 %.
Dabei greifen auch ausländische Anleger wieder öfter zu. Während es im April noch Nettoverkäufe in Höhe von rund 45 Milliarden € gab, gab es einen Monat später im Mai bereits Nettokäufe von knapp 37 Milliarden €.
Auf jeden Fall ist nach dem Kursplus die Bewertung der Aktien wieder deutlich gestiegen. Günstige Aktien können Sie inzwischen an den Fingern abzählen.
Ich habe mir einmal das 2005er KGV der Aktien aus den 3 Indizes angesehen. Auf Basis 2005 notieren im deutschen Leitindex derzeit einige Firmen beim KGV über 20. Die teuersten im DAX sind derzeit SAP mit einem 05er KGV von 29, gefolgt von der Deutschen Börse mit 25 und Siemens mit 21. Am billigsten bewertet sind die Deutsche Bank, die Münchner Rück und Thyssen Krupp jeweils mit einem erwarteten 05er KGV zwischen 9 und 10.
Nach dem starken Kursanstieg der Aktien aus der 2. Reihe ist die Bewertung im MDAX wie nicht anders zu erwarten sogar noch höher. Etwa 20 von 50 Firmen haben dort ein 05er KGV von mehr als 20. Mit einem geschätzten KGV von 60 ist Premiere am teuersten, gefolgt von Lanxess mit etwa 45 und SGL Carbon mit 40. Am günstigsten sind noch die Depfa Bank mit 8,5, die Hannover Rück mit 9 und Südzucker mit einem KGV von 10.
Ähnlich teuer wie im MDAX geht es im SDAX zu. Hier werden sogar schon bei 22 von 50 Firmen KGV's von 20 und mehr für 2005 erwartet. Eindeutig am teuersten sind dabei Thiel Logistik mit etwa 90, gefolgt von D. Logistics, EM.TV und Fluxx, jeweils mit einem geschätzten 05er KGV von etwa 45. Wirklich billig sind im SDAX nur noch BayWa mit KGV 10 und Indus mit etwa 8,5. Bei der KGV-Schätzung mit Abstand am billigsten schneidet die Deutsche Beteiligungs AG mit 6,5 ab.
Was wirklich zu denken geben sollte: Von 130 Firmen aus den 3 Indizes haben derzeit nur noch etwa 10 ein erwartetes 05er KGV im einstelligen Bereich.
Tipp:
1) Sehen Sie sich einmal Aktien außerhalb der 3 Indizes an. Hier gibt es noch einige ganz kleine wirklich interessante Werte.
2) Sie sollten Aktien nicht nur nach dem statischen KGV zum Beispiel für 2005 auswählen. Sehen Sie sich auch die Gewinnerwartung für die nächsten Jahre sowie die Wachstumsraten bei Gewinn und Umsatz in der Vergangenheit an.
Kann ein Unternehmen über Jahre deutlich im zweistelligen Prozentbereich zulegen, dann ist auch ein KGV von 20 bis 25 vertretbar. Schwächelt das Unternehmen beim Wachstum aber unerwartet, dann haben Sie auf jeden Fall ein deutlich höheres Kursrisiko, als mit Aktien, die moderat mit einem KGV von etwa 15 bewertet sind.
3) Auch eine gute Substanz, zum Beispiel viel Eigenkapital und ein hoher Cash-Bestand oder eine hohe Dividendenrendite rechtfertigen manchmal höhere KGV's.