Rezessionsängste überzogen
Uwe Lang in Investors Daily
vom 26. August 2008, 18:00 Uhr
ENL5454
Die Definition einer Rezession verlangt zwei aufeinanderfolgende Vierteljahre mit negativem Wirtschaftswachstum. Übersetzt bedeutet dies, dass das Bruttoinlandsprodukt ein halbes Jahr lang fallen muss. Deutschland durchlebte seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges fünf Rezessionsphasen. Die letzte ereignete sich in den Jahren 2001/2002. Jede dieser Phasen war unter anderem begleitet von einem Anstieg der Arbeitslosigkeit, wachsender Staatsverschuldung und stark ansteigenden Teuerungsraten. Die Aktienmärkte korrigierten bereits vor dem Eintreten der Rezession deutlich und erholten sich dann, mitten in der Rezession, überaus stark. Im Durchschnitt legte der DAX in jeder dieser Phasen um mehr als 40 Prozent zu.
DAX-Entwicklung im Rezessionsjahr 1993
„Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen." Ob sich die Konjunkturschwäche zu einer handfesten Rezession auswächst, möchte ich heute bezweifeln. Allein der Rückgang des Euro seit seinem Hoch im Juli wirkt wie ein zusätzliches Konjunkturprogramm. 0,3 Prozent mehr Wirtschaftswachstum seien dadurch für die Eurozone möglich, schätzen die Chefvolkswirte mehrerer Banken.
Zwar verteuert dies die Importe nach Europa und belastet zum Teil die ohnehin schon gestiegene Inflation, jedoch hat der Ölpreisrückgang einen wesentlich stärker dämpfenden Effekt auf die Teuerungsraten.
Es gibt keinen Grund, die wirtschaftliche Lage in so düsteren Farben zu malen, wie es viele Experten derzeit tun. Staatliche Konjunkturprogramme, wie sie einige Politiker jetzt fordern, snd gegenwärtig völlig verfrüht und würden nur die Staatsausgaben wieder in die Höhe treiben.
Mit den besten Wünschen
Ihr Uwe Lang
Chefredakteur Börsen-Signal-Strategie
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