Rezession voraus?
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 12. August 2010, 16:00 Uhr
ENL5462
kürzlich las ich im Online-Bereich des Handelsblatts einen Bericht darüber, dass der Euro-Zone ein Konjunkturdämpfer drohe und die Weltrezession eine Krise mit sieben Leben sei, die nach wie vor in vielen Ländern weit unterschätzt werde.
Ist also tatsächlich mit einer Rezession zu rechnen?
Blicken wir doch einmal ein Stück zurück und halten unsere Augen auf den internationalen Finanzmarkt-Taktgeber USA.
Dort begann man beim Ausbruch der Krise mit massiven "Rettungspaketen" auf Kosten der Staatsschulden und damit der Steuerzahler vermeintlichen "Aufschwung" zu kaufen. Die Masse der Mainstream-Ökonomen berauschte sich hierauf an manipulierten und in diesem Fall nahezu irrelevanten Zahlen wie dem US-BIP und freute sich darüber, wie dies doch gestiegen sei (rechnet man hier die neu gemachten Schulden mit ein und berücksichtigt, dass damit eine ineffiziente und schädliche Wirtschaftsstruktur subventioniert wurde, sieht man schnell, dass die US-Gesamtwirtschaft damit rein überhaupt nichts gewann. Im Gegenteil).
Doch es tut sich mehr an der amerikanischen "Wirtschaftsfront":
Wichtige ökonomische Frühindikatoren wie der ECRI-Index fielen auf alarmierende Level hinsichtlich einer drohenden Rezessionsgefahr.
Und es gibt noch mehr Punkte, die für ein weiteres Rezessionsrisiko sprechen:
- Die "Erholung" seit 2009 wurde durch massive Steuergeldverschwendung erkauft. Aus der Wirtschaft heraus entwickelte sich kaum ein breiter und tragfähiger Aufschwung. Viel mehr wird der Junkie Entzugserscheinungen bekommen, wenn der Dealer keine Spritzen mehr herausgibt.
- Trotz der Rekordverschleuderung von Steuergeldern ist diese "Erholung" mit eine der schwächsten überhaupt.
- Gut 80% der staatlich verordneten Verschwendungsorgie sind bereits verprasst. Die Luft wird hier also langsam dünner.
- Der Arbeitsmarkt ist immernoch in erbärmlich und somit natürlich auch die Konsumentenausgaben, die einen großen Teil der amerikanischen "Bubble"-Wirtschaft ausmachen.
- Der US-Häusermarkt ist nach wie vor zerbombt.
Noch ist die Entscheidung nicht gefallen, aber nicht nur ich halte das Risiko einer weiteren Rezessionswelle für sehr hoch.
Beste Grüße
P.S.:
Mein amerikanischer Kollege Alexander Green ist grundsätzlich optimistischer, wenn es um das Thema Rezession und den Glauben an die Macht der FED geht. Herr Green und ich stimmen natürlich (unabhängig davon) darin überein, dass man auch in einer Rezession an den Märkten durchaus Geld verdienen kann.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Wilfried Geschwind (12.08. 2010 17:53 Uhr):
Sehr geehrter Herr Hahn, vielen Dank für Ihren interssanten Artikel. Ich bin in allem fast Ihrer Meinung. Ich hatte vor einigen Tagen mit einem Vermögensverwalter ein Gespräch. Dieser hatte eine These, die es meiner Meinung nach würdig ist zu diskutieren. Er sagte, dass die "Mächtigen des Kapitalismus" alles, ja alles tun werden, um das System, von dem sie hauptsächlich profitieren, erhalten werden und es zu keinem großen Knall kommen wird. Was halten Sie davon und ev. andere? Mit freundlichen Grüßen, Wilfried Geschwind.
Antworten- Antwort von Alexander Hahn (12.08. 2010 22:00 Uhr):
Guten Abend Herr Geschwind, diese "These" ist nicht nur in meinen Augen bereits Tatsache (man denke hier nur an den Goldmarkt, die Aktionen der FED, die Bankenbailouts, u.v.m.). Die Frage ist nur, wird es ewig gelingen, den Deckel drauf zu halten, während der Druck langsam aber sicher immer weiter steigt? Die Finanzmärkte sind ein äußerst komplexes System mit einer großen Reihe an Teilnehmern, die alle verschiedene Interessen haben. Wenn sich hier mal eine Eigendynamik oder ernste Panik bildet und die Kontrolle entgleitet, geht es sehr schnell. Ich gehe auch davon aus, derr der "Kollaps" sicher nicht morgen vor der Tür steht, sondern dass wir uns langsam und allmählich über die nächsten Monate und Jahre immer tiefer in die Probleme bewegen werden. Dabei gilt sicher das Prinzip "Drei Schritt vor, zwei zurück" und jedes Mal wird man davon erzählen, dass jetzt aber die große Erholung da sei. Ich denke, das Beste ist es, diese Entwicklung ernst zu nehmen, sich abzusichern und vorauszuschauen, was kommen wird, so gut es geht. Auf den Crash hinleben oder ihn sehnsüchtigst erwarten, wie manch ein Krisenfetischist es tut, würde ich aber nicht. Denn schon Mises und die Sowjetunion hat gezeigt, dass Jahrzehnte vergehen können bis etwas, das zum Scheitern zwangsweise verurteilt ist, dann auch wirklich mit lautem Knall scheitert. Beste Grüße Alexander Hahn
- Antwort von Alexander Hahn (12.08. 2010 22:00 Uhr):
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