Rezession, Inflation, Baum, Borke und kleine Schwindeleien
Lynn Carpenter in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 04. Februar 2008 08:30 Uhr
ENL5454
Eine gute Rezession ist wie eine gute Ehe – Sie kennen die Wahrheit nicht, bevor Sie nicht eine ganze Weile darin verbracht haben. Es wird Sommer werden, bevor wir wissen, ob die Unzufriedenheit im Winter dazu ausreicht, eine Rezession hervorzubringen. Aber die Chancen stehen gut, dass es sich bewahrheitet, denn die richtigen Katalysatoren sind vorhanden. Also was dann?
Wenn Sie sich darum Gedanken machen, Ihren Job zu verlieren, ist die Rezession etwas, das Ihnen Angst macht. Aber für die meisten von uns ist eine vorübergehende Unannehmlichkeit. In den Vereinigten Staaten hatten wir neun davon seit dem Zweiten Weltkrieg und nur zwei von ihnen waren richtig schlimm.
Das Interessante dieser Rezessionen war, dass die Federal Reserve absichtlich eingriff, um der Inflation Einhalt zu gebieten. Die schlimmste dieser Rezessionen - 1973-1975 – ließ das Bruttoinlandsprodukt um 4.9 Prozent schrumpfen. War es wirklich die schlimmste?
Die Arbeitslosigkeit erreichte damals 9 Prozent, aber in der „milderen“ 1981-1982 war die Arbeitslosigkeit auf fast 11 Prozent, aber weniger Branchen waren betroffen.
Jetzt kommen wir zu der Baum und Borke Situation- festgeklemmt.
Darum musste die Fed die Situation verschlechtern , um es in den Rezessionen der siebziger und achtziger Jahre besser zu machen, weil Inflation die Regierung mehr ängstigt als die Rezession. Inflation und Rezession rufen zu gegensätzlichen Strategien auf. Aber wenn beides droht, muss die Fed die Medizin auswählen.
Gibt es eine Rezession, kann die Fed eingreifen und die Liquidität steigern. Das bedeutet unter anderem die Zinsen zu senken. Das ist die gegensätzliche Strategie gegen eine Inflation. Bei einer Inflation will die Fed die Ausgaben senken, also erhöht sie die Zinsen, um Kredite und Konsum zu senken.
Jetzt haben wir ein Problem: Bei der aktuellen Immobilienkrise sitzen die Kreditgeber auf ihren Scheckheften. Die Liquidität ist gering. Eine Rezession scheint sich anzuschleichen. Die Fed hat versucht, durch das Senken der Zinsen die Kreditgeber und -nehmer wieder zu motivieren. Und das wäre ein einfaches Problem mit einer einfachen Lösung, hätte sich die Fed nur darum Gedanken zu machen.
Aber nun wirft auch die Inflation ihre Schatten voraus.
Und ich bin hier, um Ihnen zu sagen, dass die Inflation bemerkenswert höher ist als Ihre lokale Zeitung oder sogar das mächtige Wall Street Journal Ihnen berichten wird. Wir stecken zwischen Baum und Borke und die Fed ist abhängig von kleinen netten Schwindeleien, um jedermann zu beruhigen. Welche Lüge? Der Index der Verbraucherpreise … er ist falsch, aber Ihnen wird das nicht gesagt.
Die Inflationszahlen der Regierung sind Ammenmärchen. Sie wissen, dass mit diesen Zahlen etwas nicht stimmt. Vom Jahr 2000 bis 2007 beträgt die akkumulierte jährliche Inflation 23.5 Prozent, so die Regierung. Alles in allem. Aber wenn Sie im Lebensmittelladen einkaufen, wissen Sie, das etwas nicht stimmt.
Die Lebensmittel, die Sie im Jahr 2000 für $100 kaufen konnten, können Sie heute nicht für nur $123 kaufen. Auf der Grundlage der Regierungseigenen Daten stieg der Preis für Orangen um 70 Prozent und für Eier um 60 Prozent. Vom Einkaufswagen einmal abgesehen stieg das Benzin um 132 Prozent bis Ende 2007 und die Kosten für die Gesundheitsversorgung stiegen um mehr als 40 Prozent. Die Kosten für die Krankenversicherung – sie befindet sich auch nicht auf dem Index - sind sogar noch mehr gestiegen.
Das hört sich eher real an. Eine durchschnittliche Familie ist nicht "leicht" durch Inflation betroffen, sie wird hart angetestet. Also wie kommt die Regierung zu solch zahmen Ergebnissen aus gültigen Zahlen?
Die endgültige Zahl des Verbraucherpreisindex ist eine Zusammenstellung vieler Kosten, aber darunter machen die Kosten für Lebensmittel, Energie und Gesundheit nur rund ein Viertel der Gewichtung aus.
Sagen Sie das einer durchschnittlichen Familie, deren Lebensmittel- und Energiekosten ein Drittel ihres Budgets ausmachen; und das noch ohne die Kosten für das Gesundheitswesen und die Kinderbetreuung.
Also jedes Mal, wenn der Index der Verbraucherpreise ein lausiges Prozent hochgeht, ist die Auswirkung wesentlich schlimmer.
Die “Kern”-Inflation ist noch mehr verzerrt. Sie lässt Lebensmittel- und Energiekosten außen vor, da diese zu volatil seien und das Verfahren sich nicht auf sie konzentrieren sollte. Wir kennen die Wahrheit.
Das da draußen ist eine inflationäre Welt. Und nur zwei Gruppen von Leuten schlagen die Inflation. Die erste Gruppe sind Arbeitnehmer, die aktiv ihre Karrieren voran treiben und das Gehalt schneller steigt als die Inflation. Das hilft Rentnern gar nicht weiter.
Die zweite Gruppe sind Investoren. Wir entnehmen die Daten des S&P von 1926 bis 2006. In diesem Zeitraum erreichten Anleihen 4.86 Prozent pro Jahr. Die Inflation lag bei 3.04 Prozent. Also schlagen die Anleihen die Inflation leicht…vor Steuern. Nach Steuern? Da bleibt nicht viel.
Aktien hingegen erreichten 10.5 Prozent, mehr als das Doppelte der Inflationsrate.
Der Index der Verbraucherpreise ist eine Charade. Anleihen sind langweilig und halten so gerade das Geld statt es zu vermehren.
Es sind Aktien, die Sie in der realen Welt brauchen. Und auch wenn sie in einigen Jahren Geld verlieren, fand dieselbe S&P Studie heraus, dass sie nie in einem Zeitraum über 20 Jahren verloren. Langzeit-Investitionen in Aktien sind der Weg, die Inflation zu besiegen.
Beste Grüße,
Lynn Carpenter