Rezession in den USA, Bernanke wenig zuversichtlich
Tom Firley in Investors Daily Update
vom 2. Dezember 2008, 10:30 Uhr
Liebe Leser,
Das "National Bureau of Economic Research" (NBER) in den USA ist ein Wirtschaftsforschungsinstitut. Dieses Institut hat zum Beispiel die Aufgabe herauszufinden, ob sich das Land gerade in einer Rezession befindet oder nicht.
In der Regel nutzen Ökonomen zur Feststellung die bekannte Formel: Zwei Quartale mit negativen Wirtschaftswachstum = Rezession. Nicht so die Experten vom NBER. Wichtigstes Kriterium für eine Rezession ist, dass „nach einem Konjunkturhoch ein signifikanter Rückgang der Wirtschaftsaktivitäten zu verzeichnen sei". Und mit diesen Maßgaben sei die US-Wirtschaft bereits ab Dezember 2007 in einer Rezession.
Mit anderen Worten: Die Experten brauchten etwa 12 Monate, um festzustellen, dass zwischenzeitlich ein auffälliger Wirtschaftsrückgang stattfand.
Fraglich ist, wie lange sie brauchen werden, um das Ende einer Rezession festzustellen. Dann wüssten wir wenigstens im Nachhinein, dass der Einstiegszeitpunkt in Aktien schon lange (und zwar sehr lang) hinter uns liegt... Viel wichtiger wäre es von diesen Experten zu erfahren, wie lange denn Rezession denn Ihrer Ansicht nach anhält. Dann hätten wir in etwa einen Anhaltspunkt, ab wann sich wieder Investitionen in US-Aktien lohnen! Nämlich genau mitten in der Rezession (oder etwas nach der zeitlichen „Mitte").
Die US-Börsen hat diese „Feststellung" zwischenzeitlich noch tiefer in die Abwärtsbewegung getrieben. Und dann kam Ben:
Vor der texanischen Handelskammer sagte Ben Bernanke, dass nicht mehr viele Möglichkeiten für weitere Zinssenkungen bestünden (das hätten wir wohl auch selbst gemerkt, da der Leitzinssatz bei 1,0 % steht und die Fed wohl keine Null-Zinsphase einläuten will). Seiner Meinung nach wird die US-Wirtschaft weiterhin (noch einige Zeit) unter Druck sein... (auch das hätten wir uns denken können).
„Druck", das ist das richtige Wort. Denn unter Druck stand gestern nicht nur der Maschinenbau und der Dax, sondern auch dann ganz massiv die US-Börsen (unter anderem wegen der oben aufgeführten Expertenmeinungen). Der S&P 500 gab um 8,93 % nach, der Nasdaq 100 sank 7,98 und der Dow Jones verlor 7,7 %.
Sie sehen es im Chart: Fünf Tage brauchte der Dow Jones, um sich etwas von der 8.500er Marke (blaue Linie) absetzen zu können. Und nur einen Tag brauchte er, um den Bullen den Traum einer Jahresend-Rally vorerst zu versalzen.
Viel Erfolg an der Börse
Tom Firley
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