Rezession - Es gibt keinen besseren Zeitpunkt zum Kaufen
Sven Weisenhaus in Wave Daily
vom 13. Januar 2012, 13:00 Uhr
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Eine Rezession definiert sich durch ein schrumpfendes Bruttoinlandsprodukt in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen. Das erste negative Quartal liegt bereits hinter uns (4. Quartal 2011). Sollte nun ein zweites folgen, was ich erwarte, läge die Rezession vor.
Börse nimmt wirtschaftliche Entwicklung vorweg
Schon sehr früh hatte ich darauf hingewiesen, dass gerade inmitten einer Rezession meist der beste Zeitpunkt ist, um am Aktienmarkt aktiv zu werden. Und unzählige Male konnten Sie hier im Wave Daily, und sicherlich auch in vielen anderen Publikationen lesen, dass die Börse die wirtschaftliche Entwicklung 6 bis 9 Monate vorweg nimmt.
Das letzte Quartal 2011 begann im Oktober. Zwar lag das Tief im DAX bei knapp unter 5.000 Punkten im September, doch markierte auch der DAX auch im Oktober noch ein Tief nur leicht darüber bei 5.150 Punkten. Von dort aus konnte der DAX bis heute um über 20 % zulegen.
Bleibt es bei einer kurzen und milden Rezession und kann die Wirtschaft ab dem 2. Quartal 2012 wieder zulegen, dann hätte die Börse erneut ziemlich exakt 6 Monate zuvor den Tiefpunkt der Wirtschaft antizipiert.
Kontinuierliche Beobachtung der Wirtschaftsdaten lohnt sich
Es stellt sich also die Frage, wie man eine Rezession frühzeitig erkennt. Denn nur wer den Wirtschaftsabschwung rechtzeitig kommen sieht, kann sich gewinnbringend oder verlustvermeidend positionierend. Eine Rezession wird man nie frühzeitig vorhersehen. Dies ist erst möglich, wenn sich die Anzeichen verdichten, also eine Vielzahl von Konjunkturdaten negativ ausfällt. Allerdings kann man anhand einiger Indikatoren einen kommenden Wirtschaftsabschwung erahnen. Nicht einzelne Daten, sondern nur eine Häufung ergibt ein vollständiges Bild. Zudem gibt es bei den Daten zyklische Muster.
Wirtschaftsdaten im Wirtschaftszyklus
Gerade die Stimmungsindikatoren, die ich hier für Sie verfolgt habe, haben die aktuelle Entwicklung frühzeitig angezeigt. Erst später begannen die Frühindikatoren (wie z. B. die Auftragseingänge, Produktionszahlen) den Negativ-Trend. An den Spätindikatoren (z. B. Arbeitsmarkt) wird man die Rezession erst ablesen können, wenn die Wirtschaft schon wieder zulegt.
Für den DAX war ich trotz oder gerade wegen des Crashs in Kombination mit der fundamentale Bewertung und Entwicklung rechtzeitig im letzten Jahr bereits bullisch, als viele noch deutlich tiefere Kurse sahen. Es lohnt also, sich mit den Wirtschaftsdaten auseinander zu setzen.
Vielfach stellt sich in diesem Zusammenhang nun auch die Frage, welcher Analyseansatz der bessere ist - Charttechnik oder Fundamentalanalyse. Ich werde diese Frage am Montag einmal aufgreifen.
Bis dahin wünsche ich Ihnen ein erholsames Wochenende
Sven Weisenhaus
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Trautmann (13.01. 2012 14:49 Uhr):
"Gerade die Stimmungsindikatoren, die ich hier für Sie verfolgt habe, haben die aktuelle Entwicklung frühzeitig angezeigt. " Wann waren Sie denn bearish und haben den August-2011-Abschwung der Kurse vorausgesehen? Bitte Kopie Ihres Artikels an mich, Vielen Dank, Mit freundlichen Grüßen Günther Trautmann
Antworten- Antwort von Sven Weisenhaus (14.01. 2012 11:08 Uhr):
Guten Tag, Herr Trautmann! - - - Nun, genau weiß ich auch nicht mehr, was ich wann im letzten Jahr geschrieben habe. Ich habe aber für Sie einmal einen Blick ins Newsletter-Archiv geworfen. - - - Werfen Sie doch einmal einen Blick auf den Artikel vom 20. Juni 2011. Hier habe ich mich deutlich skeptisch geäussert. Insbesondere vor dem Hintergrund schwacher Konjunkturdaten. Die passt auch zu den Aussagen im oben stehenden Beitrag, dass uns die Konjunkturdaten rechtzeitig zukünftige Kursverläufe anzeigen. Werfen Sie doch auch einmal einen Blick in das Newsletter-Archiv und auf die Beiträge im Juni und Juli. Dort finden Sie genügend Beiträge, in denen ich über sehr schlechten Wirtschaftsdaten schreibe (z. B. 25. und 29. Juli). - - - Bereits am 6 Juni habe ich für den Dow Jones ein Korrekturkursziel ausgesprochen (ich kann also auch bärisch), welches am 23. bis 25. Juni erreicht werden sollte. Tatsächlich markierte der Dow genau zu diesem Zeitpunkt ein Tief. Charttechnisch standen die Ampeln, auch wegen des Bruchs des Abwärtstrends, damit wieder auf grün, weshalb ich wieder bullisch wurde. - - - Noch am 20. Juli hatte ich zum wiederholten Male (auch schon am 6. Juni) auf die Saisonalität und die schwachen Sommermonate hingewiesen, die bis Oktober anhalten sollte oder könnte. - - - Als die Wirtschaftsdaten noch durchaus positiv waren, schrieb ich bereits zum Thema Verschuldung am 18. Mai: "Doch gerade wegen der notwendigen und auch bereits umgesetzten Sparmaßnahmen, die sich in der Regel auch negativ auf das Wirtschaftswachstum auswirken, hatte ich deutlich schlechtere Zahlen erwartet. Ich denke, das wird sich in den kommenden Quartalen aber noch zeigen." Am selben Tag lautete mein "Fazit für die Indizes: saisonale Schwäche vor dem Sturm auf die Allzeithochs" - - - Vergessen Sie auch bitte nicht die Keilformationen, die ich in den US-Indizes Dow Jones und S&P 500 bereits seit dem Jahr 2010 beobachtet habe. Der August-Crash ging in die zweite Runde genau zu dem Zeitpunkt, also die Kreuzunterstützung aus Keil und waagerechter Unterstützung bei 11.940 Punkten durchbrochen wurde. Gerader Bruch der einer bärischen Keilformation steht für stark fallende Kurse. - - - Es gab also genug Beiträge, in denen ich mich auch sehr skeptisch äußerte. Dennoch: Ich habe den August-Crash in der Form nicht vorhergesehen. Das habe ich im Wave Daily auch mehrfach aufgegriffen. Und ich habe auch öffentlich analysiert, wie es gerade zu diesem Zeitpunkt zu dem Crash kommen konnte. Griechenland war zu diesem Zeitpunkt schon längst "gerettet". Die Probleme waren also schon Monate lang bekannt. Die US-Schuldengrenze wurde angehoben. Es gab nichts, was auf einen Crash genau zu diesem Zeitpunkt deutete. Auch die SEC ermittelte wegen dem Verdacht auf Insiderinformationen rund um die angekündigte Herabstufung der Bonität der USA, was letztlich für den Crash verantwortlich gemacht wurde. Eine solche Entscheidung kann man allerdings nicht vorhersehen. - - - In Summe denke ich, dass ich, abgesehen von dem Crash im August, auch sehr oft richtig lag. Das "Fazit für die Indizes: saisonale Schwäche vor dem Sturm auf die Allzeithochs" stimmt heute mehr denn je. Schauen Sie sich doch die US-Indizes (und auch den DAX) an, die genau am Ende der saisonal schwachen Zeit (September) ihre Tiefpunkte hatten und seit dem nur 4,5 % unter dem Hoch Mitte 2011 und nur 12 % unter dem Allzeithoch stehen. - - - Mit freundlichen Grüßen - - - Sven Weisenhaus
- Antwort von Sven Weisenhaus (24.01. 2012 12:54 Uhr):
Guten Tag, Herr Trautmann! - - - Ich hoffe, Sie haben die Beiträge seit Ihrem Kommentar hier verfolgt. Hier habe ich, wie üblich, auf vergangene Analysen verlinkt und bin darauf eingegangen, wie sie sich im Verlauf der Zeit entwickelt haben. - - - Vielleicht überdenken Sie Ihren Kommentar vor diesem Hintergrund noch einmal. - - - Mit freundlichen Grüßen - - - Sven Weisenhaus
- Antwort von Sven Weisenhaus (14.01. 2012 11:08 Uhr):
- Kommentar von fatbobger (14.01. 2012 11:58 Uhr):
Das Problem mit der Vergangenheit ist, dass sie sich nie exakt wiederholt. Im Unterschied zu den bisherigen Rezessionen ist dieses mal ein zusätzliches politisches Problem vorhanden und gleichzeitig sind massive Zielkonflikte, die rezessionsverstärkend sind, in Wirkung: 1. Die Griechenlandrettung kann wegen der mangelhaften Beteiligung einiger Gläubiger scheitern Alle die die eine CDS Versicherung haben, brauchen einen Default um an ihr Geld zu kommen. Nichteuropäische Banken lassen sich da nicht zwingen, die gehen ohnehin aus Europa heraus. 2. Die Staatsfinanzkrisen erlauben kein Deficit Spending, vielmehr soll gespart werden, was die Wirtschaft noch weiter belastet. 3. Baltic Dry Intex = voll abgekackt!! 4. Wir hatten eine moderate Jahresendrally, die jetzt an der 200 Tage Linie steht und mE. nach unten abprallen wird. 5. Die (bereits erwarteten) Länderabstufungen sind da. Das ist fürs Ausland kein guter Grund in der EU Vermögenspostitionen aufzubauen (vgl. dazu die Entwicklung des griech. Aktienmarktes) 6. Die EZB wirft viel Geld auf den Markt, aber nicht genug, sie muss den Markt unlimittiert fluten, das ist momentan noch nicht möglich und erst die Umstände werden die EZB dazu zwingen. Dazu müssen die Umstände dramatisch werden, also viel schlimmer als heute. 7. Wer soll in diesem Umfang Geld in die Hand nehmen. Die Allianz meldete, dass sie bei einem Aktienanteil von 6% bleiben. Auch die Riesterverträge können die Aktienmärkte nicht stützen, weil sie einen zwingenden nominalen Kapitalerhalt beinhalten. Ins Bild passt der Anstieg des risikolosen BUND Future. Die ganzen Aktienfonds sind im Minus, was der Normalbürger nicht so gut verkraftet und was zu Mittelabflüssen führen wird. Fazit: Die Prädsidentenwahlen in den USA, die vergangenen Statistiken über saisonale Kursentwicklungen, alte Daten über Rezession und Aufschwung interessieren mich nicht. Der Einfluss der aktuellen Lage ist viel größer. Alle Argumente, die auf diesen Schwankungen fußen, sehe ich als minderwichtig an. Grüße Fat_bob_ger Disclosure: Ich bin am Freitag im DAX short gegangen, meine Silberoptionen habe ich verkauft.
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