Rettungsaktion mindert Angst – USD/JPY steigt kurzfristig
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 17. September 2008, 11:00 Uhr
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Liebe Leser,
die Angst vor dem Dominoeffekt ist noch nicht gänzlich ausgestanden. Nachdem die FED und das US-Finanzministerium das alte ehrwürdige Traditionshaus Lehman Brothers in die Insolvenz ziehen ließen traten die Offiziellen damit eine wahre Lawine los.
Die Lehman Brüder in der Insolvenz - nicht vor dem Schicksal bewahrt durch die US-Offiziellen, wie es gerne erwartet worden wäre -, damit zerfiel das so mühsam erarbeitete Vertrauen der Finanzwelt förmlich zu Staub.
Stattdessen machte sich nackte Panik breit! Die Banken, aufs Äußerste gespannt, beriefen am Montag ihre Krisensitzungen ein und zogen kurzerhand den Nothebel. Dieser Nothebel heißt: absoluter Vertrauensverlust gegenüber anderen Banken und Angst vor dem Zusammenbruch des Finanzsystems. Es ist die Angst vor dem großen Dominoeffekt, die Angst vor weiteren Abschreibungen gerade aufgrund der Lehman-Pleite, die Angst vor neuen Pleiten, die Angst schließlich aufgrund anderer Bankpleiten selbst betroffen zu sein, die Angst davor die Banken könnten der Reihe nach umkippen wie die Dominosteine am Domino Day. Eine Angst, die schließlich zu horrend hohen Interbankraten geführt hat, d. h. die Banken vertrauen einander nun so wenig, dass sie sich gegenseitig nur noch zu horrenden Konditionen Geld leihen.
Ein Desaster wenn das so bleibt, denn diese Interbankengeschäfte sind die Pulsadern des Finanzsystems.
Schließlich wurde auch den Zentralbanken bewusst, was da angerichtet wurde. Nun heißt es handeln. Seit Montag haben die Zentralbanken notfallmäßig Liquidität ins System gepumpt. Aber das reicht nicht. Der Markt erwartet ein Zeichen, ein Zeichen auf welchem er neues Vertrauen begründen kann. Und Vertrauen ist dieser Tage das Wichtigste überhaupt. Kehrt das Vertrauen zurück, läuft das Finanzsystem weiter...
Ein wenig enttäuschend mutet da die gestrige FED-Zinsentscheidung an. Die FED hatte den Leitzins unverändert belassen, obgleich der Markt eine Senkung um 25 BP erwartet hatte.
Doch die FED scheint mittlerweile zu verstehen, dass man Lehman besser wohl nicht hätte pleite gehen lassen sollen. Obschon ich auch der Meinung bin, dass nicht jedes insolvente Unternehmen vom Staat gerettet werden sollte. Und ich kann auch verstehen, dass der Markt erzogen werden muss, wo sich die FED in den letzten Wochen so viel Mühe gegeben hat Stärke zu vermitteln und nicht mehr wie der Fahnenträger des Marktes zu erscheinen wie noch vor einigen Monaten. Dennoch - Lehman war ein zu großer Fisch im Teich.
Nichts desto trotz versucht die FED nun alles wieder gut zu machen und hat nun kurzerhand beschlossen AIG zu retten, d.h. mit 85 Milliarden US-Dollar unter die Arme zu greifen. Das wirkt wie ein Tropfen auf den heißen Stein, doch die US-Regierung wird nun auch Mehrheitsanteilseigner an AIG mit einem Anteil von 79,9 %. Wieder eine Verstaatlichung also - das muss jetzt Vertrauen zurückbringen. Da muss man sich bald die Frage stellen, ob am Ende nicht das ganze US-Finanzsystem in staatlicher Hand sein wird. Doch diese Frage sollte man sich vielleicht gar nicht mehr stellen, denn wenn es hilft, soll es mir erst einmal Recht sein.
Ein Effekt der AIG-Rettungsaktion ist durchaus im Yen-Stimmungsbarometer abzulesen. USD/JPY fiel gestern auf ein Tief bei 103,50. Wenn der Yen so stark steigt, dann heißt das, dass der Risikoappetit schwindet und die Angst massiv zugenommen hat. Heute kann sich USD/JY wieder erholen und notiert gegenwärtig bei 105,46. Das heißt, die Angst hat wohl nach AIG nun ein wenig abgenommen. Hoffen wir, dass es so bleibt. Dann könnte USD/JPY kurzfristig noch einmal die 107,18 testen, mittelfristig dürfte USD/JPY aber weiterhin unter Druck bleiben.