Rendite XS
Mr N. N. in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 17. August 2010, 07:30 Uhr
ENL5462
Mitten im regierungsoffiziell und massenmedial euphorisch gefeierten Aufschwung XL erklimmt der für den deutschen Rentenmarkt maßgebliche Euro Bund Future tagtäglich neue Rekorde. Und dementsprechend fallen die Renditen für Bundesanleihen. Ebenfalls auf neue historisch tiefe Pegelstände. Gestern rentierte die zehnjährige deutsche Bundesanleihe nur mehr mit 2,33 Prozent.
Zinsen auf Talfahrt
Die Umlaufrendite sank auf das Rekordtief von 2,04 Prozent und befindet sich weiter im freien Fall. Noch zum bisherigen Höhepunkt der Finanzkrise im Herbst des schwarzen Jahres 2008 pendelte die Umlaufrendite um die drei Prozent, also fast einen Prozent höher als gegenwärtig. In den diversen Marktberichten zum Anleihenmarkt wird fast schon gebetsmühlenartig auf die Angst vor einer weltweiten wirtschaftlichen Schwächephase hingewiesen, die die Flucht der Investoren in den scheinbar noch sicheren Hafen der deutschen Staatsanleihen beflügelt. Gestern kamen schwache Wirtschaftsdaten aus Japan und vom US-Immobilienmarkt hinzu, die abermaligen Abwärtsdruck bei den Renditen auslösten.
Ja, liebe Leserin, lieber Leser, langsam aber sicher nähern sich die XS-Renditen am deutschen Staatsanleihenmarkt japanischen Verhältnissen an. Und es erscheint wahrlich nicht unrealistisch, dass aus der gegenwärtigen Rendite XS auch noch die Rendite XXS wird. Warum sollte die Rendite für zehnjährige deutsche Staatsanleihen nicht noch weiter in Richtung 1,5 Prozent fallen? Die Parallelen zwischen Deutschland und Japan (überalterte Bevölkerungsstruktur, hohe Exportabhängigkeit und hohe Staatsverschuldung (wobei Japan hier bei der expliziten Staatsverschuldung mit fast 200 Prozent in Relation zum BIP deutlich höher liegt als Deutschland) sollten wahrlich nicht unterschätzt werden.
Wie auch immer, jedenfalls ist der von Bundeswirtschaftsminister Brüderle gefeierte Aufschwung XL bisher bei der Beschäftigung im deutschen verarbeitenden Gewerbe alles andere als angekommen. Gestern vermeldete das Statistische Bundesamt, dass Ende Juni 2010 in den Betrieben des Verarbeitenden Gewerbes mit 50 und mehr Beschäftigten nach vorläufigen Ergebnissen gut 4,9 Millionen Personen tätig waren. Das waren rund 134 800 Personen oder 2,7% weniger als im Vorjahresmonat.
Überdurchschnittlich stark fiel der Jobabbau bei der Metallerzeugung und -bearbeitung aus. Hier wurden 5,3 Prozent aller Stellen gestrichen. Ebenfalls deutlich weniger Beschäftigte gab es im Maschinenbau (Minus 3,6 Prozent), bei den Herstellern von elektrischen Ausrüstungen (Minus vier Prozent) und bei den Herstellern von Metallerzeugnissen (Minus 4,7 Prozent).
Indes wird nach den jüngsten schwachen Konjunkturdaten in Japan bereits wieder über die Neuauflage eines neuerlichen Konjunkturprogramms nachgedacht. Noch jubilieren die Verantwortlichen in Deutschland über die unerwartet positive Entwicklung im zweiten Quartal diesen Jahres. Dabei sei hier nur kurz angemerkt, dass nach dem fünf Prozent-BIP-Taucher des Jahres 2009 selbst bei einem Wachstum von 2,5 Prozent in 2010 man noch immer um gut 2,6 Prozent unter dem Stand des Jahres 2008 liegt.
Und wer weiß, ob nach dem kurzen konjunkturellen Sommermärchen der kommende Herbst und Winter ebenfalls Rückenwind verspricht. Falls nicht, wird Herr Brüderle wohl schon relativ rasch - wie in Japan - über ein neuerliches Konjunkturprogramm XL, vielleicht sogar XXL, nachdenken müssen...
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