Reminiszenzen und Profite
J. Christoph Amberger in Baltimore in Traders Daily
vom 08. Juni 2004 12:00 Uhr
ENL5454
Ronald Reagan verstarb am Wochenende "nach langer, schwerer Krankheit," wie's in deutschen Nachrufen immer so schön heißt. Gelegenheit dazu, sich seine Rolle in der Weltgeschichte des ausgehenden 20. Jahrhunderts zu vergegenwärtigen – und sich darüber zu wundern, wie wenig sich doch trotz aller Ereignisse im Kern geändert hat.
Ich hatte nur einmal Gelegenheit, Ronald Reagan live zu erleben. Das war im Sommer 1982, als ich mit 18 inmitten einer Menge Berliner Zivilisten und Alliierter Soldatenfamilien im Garten vom Schloss Charlottenburg stand und auf einen umstrittenen amerikanischen Präsidenten wartete. Ein Mann, den die oberlehrerhafte Überheblichkeit der deutschen Medien und Politik gern als "Schauspieler", "arrogant" und "ignorant" abtat ... weil er das Wort "böse" (wie in "Evil Empire") benutzt hatte ... nicht links genug war ... und sich keinen Deut um die Meinung der "Strasse" scherte.
West Berlin hatte für den Reagan-Besuch mobilisiert: Die Polizei hatte Hilfskräfte aus ganz Westdeutschland anrücken lassen, um der alternativen Szene und dem linken Radautourismus entgegenzuwirken. Die Gegend ums Schloss war voll von hasserfüllten perma-adoleszenten Demonstranten und Losern in Motorradhelmen und Palästinensertüchern. Strassen wurden aufgerissen, Pflastersteine flogen, Geschäfte brannten und wurden geplündert. Alles für den Weltfrieden, versteht sich: Damals waren Nicaragua, Cruise Missiles und SDI die aktuellen Aufhänger, die das autonome Sentiment des Anti-Amerikanismus rechtfertigten. Plakate trompeteten "USA=SA, SS" und "Kampf dem US Imperialismus." (Sie erinnern sich: Das waren die frühen 80er ..."Kein Blut für Öl" wurde erst populär, als der Erste Bush Saddam aus Kuwait beförderte ...) In den öffentlich-rechtlichen Radiostationen sang ein törichter Greis "Wir wollen Sonnenschein und keinen Reagan ..."
Reagans Rede an diesem Tag ist mir nicht mehr gegenwärtig. Im Ohr habe ich lediglich noch seinen Kennedy-esken One-Liner: "Was immer sei, Berlin bleibt frei". Zwei Jahre vor Amtsantritt Gorbachevs war das noch ein recht konservatives Anliegen ... dem die USA und die westlichen Alliierten allerdings auch kompromisslos nachkamen. Der Heimweg ist mir da doch besser in Erinnerung: Mitten durch die Hass-Schreier, mit meinen zusammengerollten Stars & Stripes an Mutterns Besenstiel. Den unversehrten Verlauf schreibe ich der Gegenwart eines amerikanischen Familienfreundes zu, eines US Special Forces Soldaten, der die meisten Feiertage bei uns verbrachte.
Dank Reagan und seines Geschicks im globalen Machtpoker gibt es heute, 22 Jahre später, keine Mauer und keine Sowjetunion mehr. (Schön, die Nachfolger der SED sitzen wieder im Berliner Rathaus ... aber immerhin verstecken auch sie sich hinter dem schönen Oxymoron "demokratischer Sozialismus".) Die "alternativen" Demonstranten sind heute kultureller und politischer Mainstream. Nicaragua ist auf dem Wege der Besserung und hat inzwischen eine in Zentralamerika als "Nica ricas" bekannte Bevölkerungsschicht, die ihr Geld mit Vorliebe in Costa Rica ausgibt. (Taipans Muttersciff, Agora Inc., hat sogar für unsere Kunden eine ganze Urlaubssiedlung am nicaraguanischen Pazifikstrand entwickelt, für die zur Zeit eine Klinik eingerichtet wird.) Es gibt sogar "Ostalgie" in Deutschland ... ein Konzept, das mir als Westberliner mit DDR-Verwandtschaft so unbegreiflich ist wie die Popularität David Hasselhoffs als deutscher Popikone.
Die Plakate der 80er Jahre haben sich jedoch als wunderbar haltbar erwiesen: Mit wenigen Pinselstrichen lassen sich alte Parolen neuen Gegebenheiten anpassen ...
*** Anlässlich der Beerdigung Ronald Reagans bleiben die amerikanischen Märkte am Freitag geschlossen. Heute erschien es fast, als ob sämtliche Märkte schon das ausfallende Geschäft wettmachen wollten.
Besonders der Nikkei 225 in Tokio legte ordentlich zu – ein 2,8 %iger Zuwachs in Reaktion auf die Arbeitsmarktnachrichten aus Washington vom Freitag.
Toyota (TM-NYSE) setzte sogar ein neues Jahreshoch bei US$76,89 ... eine Rechtfertigung unserer Taipan-Maxime, dass man nie dabei fehlgeht, TM unter US$50 zu kaufen, wie wir dies seit 9/11 mehrmals empfohlen haben. Leser, die unserer letzten TM-Empfehlung in 2003 nachkamen, sitzen auf Renditen von über 50 %.
Mit herzlichem Gruß,
Ihr
J. Christoph Amberger, Executive Publisher, The Taipan Group