Relatives Profitieren
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 07. Dezember 2006 07:30 Uhr
ENL5454
Jeder profitiert von der Globalisierung ... zumindest theoretisch.
Einige profitieren mehr als andere. Und das ist der Haken. Die meisten Leute sind nicht wirklich daran interessiert, reicher zu werden – zumindest theoretisch. Reicher zu sein, bedeutet ihnen nichts. Es ist zu abstrakt. Es ist wie mit dem Essen. Wenn man einmal genügend Kalorien hat ... dann kann man die Lebensqualität nicht mehr steigern, indem man noch mehr isst.
Und nur weil Essen teuerer wird, stellt es den Magen nicht besser zufrieden. Und d.h. dass man Foie Gras vermutlich nicht lieber mag als Cornflakes, es sei denn, dass Foie Gras der eigenen Eitelkeit eher schmeichelt. Man fühlt sich damit vielleicht besser, weil man beweist, dass man in der Lage ist, gutes Essen zu schätzen ... und weil man in der Lage ist, es sich leisten zu können.
Genauso ist es, wenn man 100.000 Dollar auf der Bank hat ... oder 1.000.000 Dollar ... welchen Unterschied macht das noch? In beiden Fällen wird man vermutlich weder hungrig sein noch kein Dach über dem Kopf haben. Es geht dann nur noch um die eigene Vorstellung von sich selbst ... um die Eigenliebe ... um den Platz im Leben. Mit anderen Worten, es tut der Eigenliebe und der Eitelkeit gut, und der Vorstellung von sich selbst und dem eigenen Umfeld.
Diese Überlegungen gelten nicht absolut. Sie sind relativ. Die Eitelkeit wird nicht geschmeichelt, indem man reicher wird ... sondern indem man reicher wird als andere Leute im eigenen Umfeld. Man hat auch nicht viel Freude daran, in einem besseren Haus zu leben, die Freude rührt daher, dass man in einem besseren Haus lebt als die eigenen Freunde, die Familie und die Nachbarn.
Daraus folgt, dass selbst wenn jeder – zumindest in der Theorie – dadurch, dass die Menschen der Welt in der Lage sind, miteinander freien Handel zu treiben, besser dasteht, es noch nicht bedeutet, dass die Ergebnisse auch jedem gefallen. Die Leute sehen nicht gerne, wenn andere schneller reicher werden, als sie selber – selbst dann nicht, wenn dabei wirklich auch für alle mehr Wohlstand entsteht. Sie werden schnell dahinter kommen, dass andere reich werden – AUF IHRE KOSTEN.
Und ehe man sich versieht fordert irgendein Prahlhans im Kongress Zölle, fairen Handel und Sanktionen.
Wir wissen, dass Asien der große Gewinner der Globalisierung ist. Fabriken werden in jedem Dorf und in jedem Ort errichtet. Die Reallöhne in China und Indien verdoppeln sich alle zehn Jahre – oder noch schneller. Der Konsum von Proteinen aus Fleischprodukten steigt rapide. Wohn- und Bürogebäude schießen über Nacht aus dem Boden. Die Produktion steigt. Die Schatztruhen der Zentralbanken – und die privaten Konten – beulen sich mit den Gewinnen aus dem Ausland.
In der vergangenen Woche war zu lesen, dass auch Europa zu den Gewinnern der Globalisierung zählt. Europa verkauft Luxusartikel an Asien und den Rest der Welt. Parfüm, Handtaschen, Schokolade, Uhren, Mode, Schmuck – reiche Asiaten können von dem Zeug offenbar nicht genug bekommen.
Die Europäer produzieren zudem einen großen Teil der Werkzeuge und Maschinen auf dem neuesten Stand. Schweizer und deutsche Werkzeughersteller sind überall auf dem Globus bekannt. Und sie entwickeln Flugzeuge, Züge, Autos, U-Bahn-Systeme und Pharmazieprodukte. Insgesamt erfreut sich Europa gegenüber dem Rest der Welt eines Handelsüberschusses und eines ordentlichen Überschusses gegenüber Asien.
Damit bleibt nur noch Amerika. Amerikanische Unternehmen sind auf der Weltbühne außerordentlich aktiv ... doch immer mehr von dem, was sie verkaufen, wurde in den asiatischen Ländern hergestellt. Aus Sicht des Handels sind die USA der größte Verlierer der Welt. Die Defizite der USA übertreffen die aller anderen Nationen ... und sogar das, was die Wirtschaftswissenschaftler überhaupt für möglich hielten. Natürlich ist das noch nicht die ganze Geschichte. Amerikanische Unternehmen sind nach wie vor sehr rentabel ... und viele von ihnen wissen, wie sie am weltweiten Marktplatz auf ihre Kosten kommen. Sie stellen Asiaten ein, um die Kosten gering zu halten und verkaufen an Europäer, um die Gewinne in die Höhe zu treiben.
Aber wie steht es mit den Mitgliedern der breiten Masse in den USA? Die Globalisierung könnte sie nur unwesentlich reicher werden lassen (sie werden in die Lage versetzt, bei Wal-Mart mehr Zeug für weniger Geld einzukaufen). Dennoch sind die Löhne in den vergangenen 30 Jahren nicht wirklich gestiegen ... und sie haben sich natürlich auch ein wenig im letzten Auftrieb des Kreditzyklus treiben lassen. Heute schulden sie mehr Menschen als je zuvor mehr Geld als je zuvor.
Die Kreditgeber haben ihnen erzählt, dass die neue globalisierte Wirtschaft sie reich machen würde. Und zählen sie nicht immer noch zu den Amerikanern – den Bürgern der dynamischsten, freiesten und wettbewerbsfreudigsten Wirtschaft der gesamten Welt? Wie kann es dann möglich sein, dass es für diese Leute immer schwerer wird, mit dem Geld auszukommen?