Rekorde über Rekorde ...
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 08. Mai 2006 18:00 Uhr
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Die erste Woche im Wonnemonat Mai bescherte dem deutschen Leitindex ein neues Jahreshoch. Am Freitag gelang dem Dax gar der Sprung über die Marke von 6100 Punkten. Fürwahr, der Aktienmarkt bereitet den Investoren gegenwärtig große Freude. Nicht nur in Deutschland. Auch die US-Indizes überraschen, und zwar positiv. Der marktbreite S&P 500 Index übersprang den Widerstand bei 1310 Punkten. Indes schickt sich der Dow Jones Index an, ein neues Allzeithoch zu erreichen. Gegenwärtig fehlen dazu nur noch 145 Punkte. Erste Analysten sehen für den US-Leitindex gar weit höhere Kursziele vorher.
Ohne Zweifel, die Stimmung unter den Investoren scheint prächtig zu sein, ein Ende der Hausse kurzfristig nicht in Sicht. Obwohl sich gleichzeitig auch die konjunkturellen Warnsignale mehren, scheint die Zeit für eine Konsolidierung noch nicht reif zu sein. Das Gegenteil ist der Fall. Der deutlich schwächer als erwartet ausgefallene US-Arbeitsmarktbericht und die damit verbundene Hoffnung, dass der Zinserhöhungszyklus der US-Notenbank möglicherweise schon bald beendet sein könnte, vermochte dem Aktienmarkt positive Impulse zu geben. Anders formuliert, die Angst vor weiter steigenden Zinsen scheint gewichtiger zu sein als die vor einer abschwächenden Konjunktur.
Apropos Schwächetendenzen, bei der näheren Betrachtung der jüngsten Daten sticht schon heraus, dass im April im Einzelhandel 36000 Arbeitsplätze verloren gingen. Angesichts der enormen Bedeutung für die US-Konjunktur schon ein beachtlicher Tatbestand. Auch die Verbraucherkredit-Maschine scheint nicht mehr so rund zu laufen. Zwar ist das Volumen der Verbraucherkredite im März um 2,52 Milliarden Dollar auf gigantische 2,161 Billionen Dollar gestiegen. Der Zuwachs fiel aber deutlich schwächer als erwartet aus. Apropos Verbraucher, in Deutschland geht die Zahl der Verbraucherinsolvenzen weiter ungebremst nach oben. In den ersten beiden Monaten des Jahres 2006 war ein Zuwachs von fast 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu verzeichnen. Werktäglich müssen gegenwärtig 350 Verbraucher den Gang zum Amtsgericht antreten.
Parallel zu dieser Entwicklung erreichte die Staatsschuldenuhr des Bundes der Steuerzahler am vergangenen Freitag erstmals die Marke von 1,5 Billionen Euro. Dabei handelt es sich um die gegenwärtig offen (!!!) ausgewiesenen Schulden der öffentlichen Haushalte (Bund, Länder, Kommunen, Sozialversicherung), ohne zum Beispiel auch Rentenanwartschaften bzw. Beamtenpensionsansprüche mit aufzuführen.
Wie auch immer, allein bei den 1,5 Billionen Euro handelt es sich um eine "astronomische Summe". Könnte man die offizielle Staatsschuld Deutschlands in 50-Euro-Scheinen aus einem Automaten ziehen, würde eine 4,2 Millionen Kilometer lange Banknotenkette herauskommen. Diese würde fast zwölf mal zum Mond reichen.
Ob die Staatsschuld jemals reell tilgbar ist bzw. ob seitens der Verantwortlichen überhaupt der politische Wille besteht, die Schulden zu verringern, ist eine andere Frage.
Jedenfalls ist es wohl geschickter, diese Problematik mittels einer langen Phase negativer Realverzinsung anzugehen. Anders formuliert, das Problem wird einfach auf die Gläubiger (Sparer) übertragen, welche zum einen zwar historisch niedrige Zinsen erhalten, zum anderen aber zumindest bei den Produkten bzw. Dienstleistungen des täglichen Gebrauchs (bisweilen monopolistisch bestimmt, siehe Energie, Gesundheit etc) immer höhere Preissteigerungsraten verkraften müssen, die um ein Vielfaches über den Festgeldzinssätzen liegen.
Kein Wunder also, dass der Goldpreis auch in Euro in letzter Zeit nahezu katapultartig steigt. Mittlerweile kostet eine Feinunze Gold mehr als 536 Euro. Tendenz weiter steigend. Dies entspricht einem Zuwachs von mehr als 200 Euro, oder über 61 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Ebenfalls erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist, dass im Jahresvergleich Gold in Euro den Dax klar outperformen konnte, obwohl auch der Dax einen ansehnlichen Anstieg von gut 45 Prozent zu verzeichnen hatte.