Reihen von Spekulationsblasen
James Howard Kunstler, Traders Daily vom 15.02.2008 12:00
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Michael Vaupel
ENL5286
Eric Janszen von iTulip.com ist in die großen Medien eingetaucht, mit einer Titelgeschichte im Harper’s Magazin über “Die Nächste Blase”. Seine These ist, dass sich eine neue Flutwelle von Investitionen schon bald in Richtung Infrastruktur und alternative Energien ergießen wird. Damit meint Janszen einen erneut belebten Kernenergieschub, die Asphaltierung von Straßen, Brücken und Tunneln, „Hochgeschwindigkeitszüge“, Solar- und Windenergie und alternative flüssige Brennstoffe. Dieser kommende Boom, so sagt er, würde durch die politische Angst vor einer Energieknappheit angekurbelt.
Oberflächlich betrachtet scheint Janszens These mehr zu versprechen und intelligenter als der vorangegangene gemanagte Boom der Häuser in den Vorstädten. Aber es stellen sich auch viele Fragen.
Zum einen legt der Ausdruck “Blase” eher so etwas wie einen finanziellen chinesischen Feuerbohrer nahe, als eine wirklich produktive Aktivität. Es wäre eine ganz außerordentlich Sache, wenn die Amerikaner in die Wiederherstellung des Personenschienenverkehrs investieren würden. Aber wenn es bloß ein Programm ist, bei dem die großen Banken innovative neue Sicherheiten gegen gewaltige Gebühren herausgeben, ohne dass die Züge je wieder wirklich fahren – dann wäre das einfach in der Natur eines weiteren altmodischen Betrugs, wie der, als der sich die Bündelung von Hypotheken in gesicherte Schuldpapiere herausstellen sollte.
Mit anderen Worten, trifft Janszen eine Unterscheidung zwischen einem Boom und einer “Blase”? Er scheint zu verstehen, dass die beiden vorangegangenen Blasen bei den Dot-Coms und Immobilien im Grunde genommen Betrügereien waren. Sie brachten großen eingebildeten Wohlstand hervor, der früher oder später von den Bilanzbögen und aus dem Finanzsystem verschwinden musste.
Ein Boom, so scheint es zu sein, ist nicht das gleiche wie eine Blase. Wenn er auch womöglich verschwenderisch und chaotisch ist, produziert ein Boom zumindest etwas von Wert, das über die Gebühren, die an Banker bezahlt werden, weil Kapital bereitstellen, hinausgeht. Ein Boom der dazu führt, dass die Bürger in der Lage sind, den Zug von Boston nach Albany zu nehmen, würde einen ganz beachtlichen öffentlichen Nutzen haben. Gründete Goldman Sachs auf dem Papier ein Unternehmen, das nie irgendetwas erreicht, dann wäre das jedoch wieder eine ganz andere Geschichte.
Das führt natürlich direkt zu der tiefer greifenden Frage, ob die USA wirklich eine ernsthafte Gesellschaft sind, oder nur ein Staat der hoffnungslosen, gierigen Clowns: Sind wir überhaupt noch in der Lage, zwischen einer zielgerichteten Handlung und der Kunst der Taschendiebe zu unterscheiden?
Das führt zu weiteren Überlegungen in Richtung der Frage, wo das Kapital für die nächste Blase herkommen soll. Janszen geht auf die eigentlich bankrotte Bedingung für die USA nicht ein. Das Kapital, das bei den vorangegangenen beiden Blasen bereitgestellt und verschwendet wurde, kann nicht mehr gewaschen, gespült und geschleudert werden. Es ist weg. Es wurde von Millionen einzelner Investoren, aus den hunderten von Rentenfonds und, in Hinblick auf die eventuellen Zahlungsverpflichtungen, von der Bundesregierung entwendet. An der Stelle, an der einst dieses Kapital war, ist heute ein schwarzes Loch der unbezahlten Schulden.
Janszens Idee scheint zu sein, dass die neuen Investitionen aus einer einfachen Konjunkturankurbelung stammen. Ich weiß nicht, wie das möglich sein soll, solange die aktuelle Blase bei den Immobilien nur in Bruchteilen „abgearbeitet“ wurde. Sie hat noch einen langen Weg vor sich und wird noch viel Schaden verursachen. Sie wird Banken, Versicherungsunternehmen, Hedgefonds und Gemeinden in den Ruin führen und viele Individuen verarmt im wahrsten Sinne des Wortes im Kalten stehen lassen. Solange Billionen von Verlusten noch verborgen oder ungelöst sind, wird das grundlegende System zur Bereitstellung von Kapital weiterhin gelähmt sein.
Ich frage mich, ob die Reparatur der Infrastruktur für fröhliches Autofahren nicht eine vergebliche Übung ist und nur eine weitere Dimension der tragischen Fehlinvestitionen. Schließlich basiert sie auf der Annahme, dass wir auch in den kommenden Jahrzehnten Autos und LKW in großer Zahl betreiben werden und ich bin mir nicht sicher, dass das unter irgendwelchen Umständen möglich sein wird.
Die Psychologie der vorangegangenen Investitionen wird einen mächtigen Druck ausüben, das Geld auf unsere Schnellstraßen zu schleudern. Es ist vielleicht realistischer, die Sache als einen Selektionsprozess zu betrachten – sich selbst zu fragen, was davon wir links liegen lassen, und welche Elemente wir wirklich behalten. Tausende von Meilen vorstädtischer Geschäftsstraßen mit sechs Spuren werden für dieses „Maß an Dienstleistung“ nicht mehr gebraucht. Was wird aus ihnen werden? Lassen wir Züge auf den Interstates fahren? Wir wollen doch sicher nicht, dass unsere Brücken zerfallen?
Aber gleichermaßen gilt, dass ich mich frage, ob unsere Investitionen in alternative Energien nicht auch trügerisch sein werden – Dinge, die wir uns wünschten und auf die wir hofften, die aber unmöglich zu erreichen sind. Meine eigene Vermutung ist, dass unsere Vorstellung von Maß nicht mit dem in Einklang zu bringen sind, was die Realität in diesem Bereich zulässt.
Ich glaube nicht, dass wir mehr als einige wenige große Windfarmen errichten werden. Vielmehr gehe ich davon aus, dass wir feststellen werden, dass die Windkraft nur auf der Ebene einzelner Haushalte und nur auf lokaler Basis sinnvoll ist. Das gleiche gilt für Solarenergie. Ich bezweifle auch, dass wir auch weiterhin all die notwendigen, exotischen Metalle bekommen werden, die notwendig sind, um die Hardware für diese Produkte herzustellen.
Gleichermaßen gehe ich davon aus, dass die Erwartungen, die wir in Ethanol stecken, nicht nur enttäuscht werden, sondern sich auch als schädlich für die Produktion von Lebensmitteln erweisen.
Mit all dem will ich sagen, dass eine Investitionskampagne, die darauf abzielt das untragbare durch andere Mittel tragbar zu machen, in Tränen enden wird. Ich persönlich gehe nicht davon aus, dass es eine „nächste Blase“ geben wird. Ich gehe davon aus, dass uns die Blasen ausgegangen sind, und dass unser aktueller Lebensstil in dieser Nation seine letzten Tage gesehen haben wird.
Wir blicken einer Reihe möglicher Instabilitäten entgegen, dass schon die Annahme, dass wir in einer geordneten Gesellschaft leben werden, zu viel sein könnte. Wie jede andere Aktivität in unserem Leben, ist vielleicht auch die Finanzwelt im Prozess einer epochalen Verkleinerung.
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