Rede von Ben Bernanke
Bill Bonner in Investors Daily
vom 09. März 2006 18:00 Uhr
ENL5454
Gestern sprach Ben Bernanke, der neue Fed-Vorsitzende. Es war fast genauso wie in den frühen 1920ern, als Dr. Rudolf Havenstein von der Deutschen Reichsbank ankündigte, dass Deutschland beabsichtige, die Reichsmark zu zerstören, um die Reparationszahlungen loszuwerden. Von August 1922 bis November 1923 explodierte die Inflation auf Konsumentenpreisebene, so dass Ende November 1923 ein einziger Dollar den Wert von 4,2 Billionen Reichsmark hatte! Und nun schlägt Bernanke durch die Blume etwas Vergleichbares vor, um die ambitionierten imperialen und auf Erhaltung des hohen Lebensstandards ausgerichteten Pläne Amerikas zu finanzieren: Die USA würden Tribute in Form einer inflationierten Währung annehmen.
Wenn diese Bemühungen zur Erhöhung der Inflation scheitern würden, dann würde es immer noch den Krieg geben. Die Wälder und Wüsten sind derzeit genauso voll mit unvernünftigen Menschen, wie sie es in dem Jahr waren, als der römische Kaiser Augustus geboren wurde. Der amerikanische Militär-Koloss könnte zwar vielleicht deren Herzen und Verstand nicht gewinnen – aber er konnte sie ihnen ganz sicher wegbomben. Die Ansicht von Lawrence Kudlow, dass sich die USA ihren Weg in den Reichtum erbomben könnten, war im frühen 21. Jahrhundert weit verbreitet. Wenn es um die Meinung von Massen geht, dann ist es unmöglich, feinsinnige Unterschiede zu machen. Amerika war nicht nur eine große Macht, sondern die größte Macht, die die Welt jemals gesehen hatte. Es schien unglaublich, dass diesem Land die Macht fehlen würde, das Konsumentenparadies zu schaffen, das seine Bewohner wollten. Und wenn die Kraft der Ausgabenprogramme und des billigen Geldes nicht ausreichen würde – dann würde es sicher der Krieg tun.
"Wenn man bedenkt, dass die Unternehmensgewinne steigen und wir einen schnellen Sieg gegen den Irak erzielen werden, dann denke ich, dass der Markt in diesem Jahr 5 bis 10 % steigen wird", so Scott Black im Barron's Magazin zu Beginn des Jahres 2003.
Es war unvorstellbar, dass dieser Krieg nicht gewonnen werden würde und dass er keine wirtschaftlichen Vorteile mit sich bringen würde. Aber war das wirklich so? Ein Mann kann nicht reich werden, wenn er Schulden macht und viel Geld ausgibt, das haben wir in diesem Buch bereits festgestellt. Aber kann er reich werden, indem er Menschen tötet? Wenige Leute stellten – und stellen – sich diese Frage.
Die meisten Amerikaner waren wahrscheinlich genauso vernünftig wie immer, aber der reißende Strom der Massenstimmung lief dahin, dass "etwas getan werden musste", und da es scheinbar so wenige Möglichkeiten gab, etwas zu tun, stand der Krieg plötzlich außer Frage. Und es war verlockend, Amerikas neue Militärmacht als Exportindustrie zu sehen. Die Ausländer hatten den Ausgabenboom in den USA finanziert. Sie hatten damit auch die amerikanische Militärmaschine finanziert. Die Amerikaner begannen zu denken, dass dies so sein sollte; die USA verrichteten schließlich die Polizeiarbeit der Welt. Es war nur natürlich, dass der Rest der Welt Schutzgeld zahlen würde. Das war natürlich Ganoven-Logik, aber für die große Masse der Bürger-Soldaten der großen Nation der Aktionäre war diese Logik genauso gut wie jede andere. "Jetzt sind wir ein Mob", hatte Emerson geschrieben, 150 Jahre seiner Zeit voraus.